Enterprise Tales

Im Gespräch mit Adam Bien: "Usability wird ein Kernthema von Java EE 7"

Lars Röwekamp und Matthias Weßendorf

In dieser Folge von Enterprise Tales waren die beiden Kolumnisten ausnahmsweise als rasende Reporter unterwegs und sprachen mit Adam Bien über seine Rolle in der Expert Group, den derzeitigen Erfolg von Java EE 6 und die Zukunft von Java Enterprise.

E. T.: Hallo Adam! Du bist neben deiner Tätigkeit als Freiberufler Mitglied der Java EE 6 und Java EE 7 Expert Group. Wie wird man das als Einzelperson?

Adam Bien: Das geht viel einfacher, als die meisten Leute denken. Man muss lediglich ein Formular mit zwei Textfeldern ausfüllen und begründen, warum man an der Spezifikation mitarbeiten möchte. Ich habe damals geschrieben, dass ich Java EE 7 verbessern möchte, und zwar bzgl. Usability, Convention over Configuration und DRY – und das in allen Bereichen.

E. T.: Das hört sich ja gar nicht so schwer an. Kannst du uns anhand der aktuellen Java-EE-6-Spezifikation ein Beispiel geben, was eine Einzelperson innerhalb der Expert Group bewegen kann?

Adam Bien: Meine Beiträge in der Spec waren u. a. in EJB die Global JNDI Names oder in JPA die EntityManager Injection in Entitäten (was leider nicht stattgefunden hat). Interessant ist dabei, dass sehr viel Diskussion zwischen den einzelnen Expert Group Members stattfindet. Dabei kommen – zumindest in der Java EE Expert Group – alle Teilnehmer aus der Praxis. Es kann also keine Rede von einem Elfenbeinturm sein. Insgesamt ist der JCP deutlich aktiver und näher an der Realität als oftmals in Weblogs behauptet. Ebenfalls interessant ist, dass – entgegen vieler Annahmen – Oracle bzw. der JCP Chair Patrick Curran uns dazu anhält, die Diskussionen auf öffentlichen Mailing-Listen durchzuführen, so dass sie von jedem verfolgt werden können. Das war auch schon in Java EE 6 so, allerdings hat Sun die Gelegenheit versäumt, dieses zu kommunizieren.

E. T.: Wenn man einmal den Erfolg von Java EE auf der diesjährigen JAX anschaut, stellt sich die Frage, wie es mit dem Enterprise-Java-Standard weitergehen wird. Wie siehst du die Zukunft von Java EE insbesondere in Bezug auf die Version 7?

Adam Bien: Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich schon fast ein wenig besorgt. Java EE 6 hebt komplett ab. Alle Veranstaltungen sind ausgebucht und es herrscht ein enormer Informationsbedarf. Das ist natürlich nicht normal.

E. T.: Worin siehst du die Ursache für den aktuellen Hype und den enormen Erfolg? Und wieso gerade jetzt?

Adam Bien: Fakt ist, dass Java EE 6 vernünftig ist und gut funktioniert. Was ich vermute, ist, dass viele Projektteams zunächst abgewartet haben, was Oracle mit der Technologie und den Servern macht und erst jetzt – Java EE 5 ist vor fünf Jahren und Java EE 6 immerhin auch schon vor anderthalb Jahren erschienen! – mit dem Standard starten. Aktuell wird extrem viel in Java EE investiert.

E. T.: Das ist interessant und deckt sich auch mit unseren Erfahrungen. Wo genau siehst du die Investitionen?

Adam Bien: Riesenprojekte werden gerade nach Java EE konvertiert, weg von J2EE 1.4, aber auch weg von Spring. Dabei macht eine Migration weg von Spring eigentlich keinen Sinn, es sei denn, es liegen strategische Gründe wie Standardisierung, Vendor-Neutralität oder ein Support-Modell vor. Beide Technologien funktionieren gleich gut. Neue Projekte würde ich heute allerdings immer mit Java EE starten.

E. T.: Lass uns noch einmal über die Zukunft von Java EE sprechen. Die gerade mit dem JSR 342 ins Leben gerufene Spezifikation der Version 7 läuft unter dem Motto „The Cloud“. Was können wir uns darunter vorstellen?

Adam Bien: Bisher gibt es natürlich wenig konkrete Punkte. Klar ist, dass alle APIs dahingehend erweitert werden, dass sie dem Security- und Zugriffsmodell der Cloud genügen. Konkret wird es zum Beispiel bei JPA Multi-Tenancy („Mandantenfähigkeit“, Anmerkung der Red.) geben. Angedacht ist unter anderem aber auch ein Profil zur Unterstützung von Service Level Agreements, wobei ich persönlich noch nicht sicher bin, wie man das überhaupt realisieren kann. EJB 3.2 soll auch PaaS-Unterstützung mitbringen.

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Lars Röwekamp und Matthias Weßendorf
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