IDE 2.0 – Eine kollektive Vision der IDE von morgen

Ekkehard Gentz: Es gab vom Eclipse-ECF-Projekt vor längerer Zeit eine Demo über gemeinsames verteiltes Arbeiten am selben Sourcecode – das ist ein interessanter Ansatz, der ruhig weiter ausgebaut werden könnte. Mehrsprachigkeit in einer IDE finde ich immer sehr merkwürdig – englisch ist doch die Universalsprache für Entwicklungen.

Marcel Bruch: Wie oben schon angesprochen, sind IDEs in der fantastischen Situation, dass in ihnen alle Fäden/Informationen zusammenlaufen – sie müssen nur noch intelligent genutzt werden. Aus meiner Sicht sind IDEs den oben genannten Problemen grundsätzlich gewachsen – sie können aber deutlich verbessert werden indem sie ihren Benutzern viel Arbeit abnehmen. Beispiele hierfür wären Systeme, die parallelisierbare Codefragmente erkennen und den Entwickler entsprechend darauf hinweise oder Systeme die Bottlenecks zur Laufzeit feststellen und den Entwickler warnen u.a. Kurz: Gewachsen? Ja, aber ausbaufähig. Der Toolbedarf innerhalb der IDE wird sicherlich nie gedeckt sein.

Die Vision der IDE 2.0

Nun aber zur Kernfrage: Wie sollte die nächste Generation der IDEs aussehen?

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Holger Voormann: Ich wünsche mir, dass noch mehr Funktionalität in meine Entwicklungsumgebung – oder besser gleich ins Betriebssystem – integriert bzw. integrierbar wäre: Nach wie vor verwende ich für E-Mail, WWW sowie Text- und Grafikverarbeitung jeweils eigenständige Programme.

Anstelle der Jahrzehnte alten Desktop-Metapher (= Dateien, die je nach Typ von einem oder sequentiell mehreren Programm bearbeitet werden
wollen) wünsche ich mir eine Plattform, die für den jeweils zu bearbeitenden Dokumententyp alle momentan installierten Funktionen anbietet und das lästige Zappen zwischen Anwendungen unnötig machen würde. D.h. ich möchte nicht den gleichen sondern den selben Suchen-und-Ersetzen-Dialog, um für Dokumente unterschiedlichen Typs Suchen oder Ersetzen wiederholen zu können, ohne die Eingaben wiederholen zu müssen. Und ich möchte beispielsweise auch die Rechtschreibprüfung nur einmal installieren müssen und nicht für jedes Programm separat.

Kurz gesagt, ich wünsche mir nicht eine IDE 2.0 sondern ein IOS, ein Integrated Operating System (nicht zu verwechseln mit Apples iOS, bei dem das ‚i‘ nicht großgeschrieben wird).

Ekkehard Gentz: Die IDE sollte mir helfen, nicht nur den Entwicklungs- sondern auch den Buildprozess z.B. durch intelligente Wizards einfach zu gestalten, ohne tiefe technische Kenntnisse. Eine noch bessere Integration würde mir gefallen: Es wäre doch toll, wenn Mylyn mit dem Kalender verknüpft wäre, Skype User mit Bugzilla und JUnit schickt Testergebnisse aufs Smartphone.

Ich bin mir nicht sicher, ob eine IDE wirklich auch aus dem Browser heraus laufen sollte – aber sicher verbessern sich die Browser noch in den nächsten Jahren. Ob meine Projekte selbst dann lokal liegen oder in der Cloud, sollte vollkommen egal sein.

Marcel Bruch: Mein Wunsch ist eine IDE, die für mich lernt, was mir hilft, um meinen Code schnell und effizient zu schreiben – und mir diese Informationen dann zur Verfügung stellt, wenn ich sie brauche. Im Grunde eine maßgeschneiderte, kontext-sensitive Hilfe für den Umgang mit (mir unbekannten) Frameworks.

Das ist meine Vision von „IDE 2.0“.

Und welche Vision haben Sie von der IDE 2.0?

Holger Voormann ist freier Softwareentwickler, Berater, begeisterter Eclipse-Anwender, Committer im Eclipse-WTP-Incubator-Projekt und Contributor in weiteren Eclipse-Projekten. Sein Interesse gilt der Gestaltung von Benutzerschnittstellen, der Qualitätssicherung und den agilen Prozessen. Kontakt: eclipse[at]voormann.de.

Ekkehard Gentz ist freiberuflicher Softwarearchitekt und seit 30 Jahren im Umfeld von Businessanwendungen (ERP) tätig. Schwerpunkte sind modellgetriebene Entwicklung und OSGI Anwendungen. Ekkehard ist Committer im Eclipse Riena Projekt, sowie ProjectLead der Open Source Projekte redView (http://redview.org) und red-open (http://red-open.org).

Marcel Bruch ist Koordinator des Projekts Eclipse Code Recommenders. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Softwaretechnik an der Technischen Universität Darmstadt und untersucht neue Ansätze, wie IDEs Software-Entwickler intelligent bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen können.
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