IBM unterstützt Cloud Foundry: Auf dem Weg zum PaaS-Standard für Java?

Hartmut Schlosser

IBM steigt bei der PaaS-Lösung Cloud Foundry ein. Big Blue hat bekannt gegeben, Cloud Foundry in die hauseigene Open Cloud Architecture einzubauen. Zusammen mit dem Cloud-Foundry-Eigner Pivotal soll zudem daran gearbeitet werden, die Deployment-Optionen bezüglich Programmiersprachen und Frameworks für Cloud Foundry zu erweitern. Den Anfang macht an dieser Stelle der IBM WebSphere Application Server (in der IBM-Variante Liberty Core).

Die Kollaboration von IBM mit Pivotal geht noch tiefer. Es wurde beschlossen, ein Advisory Board zu etablieren, in dem Cloud-Foundry-Anwender wie -Anbieter, darunter dann auch IBM, an einem neuen Governance-Modell für Cloud Foundry arbeiten sollen. Gemeinsam tragen IBM und Pivotal die Cloud Foundry Community Conference aus (September 2013, Santa Clara), in der die Fortschritte dieser Kollaboration präsentiert werden sollen.

Vonseiten IBMs kommentiert Angel Diaz (VP of software standards and cloud labs), IBM wolle die Verbreitung von Cloud-Technologien fördern, indem entsprechende Open-Source-Technologien unterstützt werden, die in einer breiten Entwicklerschaft Akzeptanz finden. Vor gut einem Jahr hatte sich IBM in einer ähnlichen Bewegung der OpenStack-Cloud-Initiative angeschlossen, als einer deren Hauptsponsoren IBM mittlerweile auftritt.  Und so liegt laut Diaz in den nächsten Monaten eine der Prioritäten darauf, Cloud Foundry und OpenStack besser aufeinander abzustimmen. 

Auf dem Cloud Foundry Blog beschreibt IBM-Mitarbeiter Rachel Reinitz das laufende Projekt, einen IBM Java and Liberty Buildpack für Cloud Foundry zu entwickeln. Buildpacks werden in Cloud Foundry genutzt, um Laufzeitumgebungen für bestimmte Anwendungen zu spezifizieren – ein Konzept, das Cloud Foundry von Heroku übernommen hatte. IBM will nun die Idee der Buildpacks so verfeinern, dass die Portabilität zwischen verschiedenen PaaS-Angeboten gewährleistet wird. In einer Preview-Version steht bereits der neue Buildpack zur Verfügung, welcher IBM Java und den WebSphere Application Server Liberty Core unterstützt.

Die Kollaboration zwischen IBM und Pivotal ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. IBM scheint sich als Cloud Foundry Leader etablieren zu wollen, um ein bewährtes Erfolgsrezept zu wiederholen: Innovative Open-Source-Projekte kostenlos bereit zu stellen, auf deren Basis dann kommerzielle Kundenprojekte gefahren werden (Beispiele sind hier Eclipse und Linux).  IBM profitiert vom Erfolg offener Cloud-Technologien, indem es Hardware, Software und Services anbietet – im Falle Cloud Foundrys werden das exakt auf die Pivotal-PaaS-abgestimmte Angebote sein.

Für Pivotal ist die IBM-Kollaboration ein Glücksfall und ein wichtiger Schritt, um eine größere Sichtbarkeit zu erlangen. Nach der Ausgliederung der Cloud Foundry PaaS in das VMware- und EMC-Spin-Off Pivotal Ende 2012, in dem auch andere Technologien wie das Spring Framework, Grails, vFabric und die Big-Data-Plattform Cetas ihr neues Zuhause gefunden haben, waren unweigerlich Fragen um die Zukunft von Cloud Foundry aufgekommen. Mit dem Backing von IBM könnte es der PaaS-Technologie zudem gelingen, eine Rolle bei der Standardisierung eines viablen Cloud-Computing-Modells zu spielen – eines Cloud-Standards, auf den die Java EE Community ja noch wartet. 

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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