44 000 Zeilen quelloffener Blockchain-Code

Mehr als nur Bitcoin: IBM will Blockchain-Technologie vorantreiben

Michael Thomas

© Shutterstock.com/mtmmarek

IBM hat angekündigt, die insbesondere durch das dezentrale Zahlungssystem Bitcoin bekannt gewordene Blockchain-Technologie im Rahmen des Linux-Foundation-Projekts Hyperledger sowie hauseigener Angebote dahingehend zu vereinfachen, dass sie von Unternehmen leichter als bisher für finanzielle wie nichtfinanzielle Zwecke genutzt werden kann. IBMs erster Beitrag zu Hyperledger umfasst rund 44 000 Codezeilen.

IBM beteiligt sich offenbar umfassend an dem erst vor wenigen Tagen offiziell aus der Taufe gehobenen Hyperledger-Projekt der Linux Foundation. Letzteres zielt nach eigenen Angaben darauf ab, eine fortschrittliche Blockchain-Technologie zu entwickeln, wobei insbesondere Features wie ein branchenübergreifender offener Standard für Distributed Ledgers – der die globale Abwicklung von geschäftlichen Transaktionen umkrempeln soll – im Zentrum stehen. Wie genau dies im einzelnen realisiert werden soll, ist bislang jedoch nicht im Einzelnen bekannt.

Distributed Ledgers

Die Blockchain-Technologie wurde insbesondere durch das dezentrale Zahlungssystem Bitcoin bekannt. Eine Blockchain ist ein öffentliches und dezentral geführtes Kontobuch („Distributed Ledger“), dass jedoch nicht zwangsweise nur der Erfassung finanzieller Transaktionen dient. Vielmehr kann theoretisch jedwede Art von Transaktion zwischen mehreren Nutzern abgewickelt werden, ohne dass hierfür eine legitimierende zentrale Stelle nötig wäre. Jede Transaktion erhält einen kryptographischen Hash, der von den beteiligten Parteien überprüft werden kann (was beispielsweise finanzielle Transaktionen potentiell deutlich zuverlässiger und sicherer macht).

IBMs aktueller Beitrag zu Hyperledger umfasst rund 44 000 Codezeilen (die das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung von mehr als 35 IBM-Forschern und -Softwareentwicklern darstellen) und erstreckt sich u. a. auf eine Modularchitektur, einen Konsens-Algorithmus, der speziell im Hinblick auf Blockchain-Anwendungsfälle entwickelt wurde, sog. „Smart Contracts“, die in verbreiteten Sprachen wie Java oder Go geschrieben und in Containern ausgeführt werden können, sowie Privatheits- und Vertraulichkeitseinstellungen, mit deren Hilfe die Ersteller von Smart Contracts genau spezifizieren können,wer sie betrachten bzw. ausführen kann.

Neben IBM sind derzeit 29 weitere Unternehmen, namentlich ABN AMRO, Accenture, ANZ Bank, Blockchain, BNY Mellon, Calastone, Cisco, CLS, CME Group, ConsenSys, Credits, The Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC), Deutsche Börse Group, Digital Asset Holdings, Fujitsu Limited, Guardtime, Hitachi, Intel, IntellectEU, JP Morgan, NEC, NTT DATA, R3, Red Hat, State Street, SWIFT, Symbiont, VMware und Wells Fargo, an Hyperledger beteiligt.

Hauseigene Lösungen

Mit der Beteiligung an Hyperledger sind IBMs Bestrebungen im Bereich Blockchain-Technologie jedoch noch nicht vollständig abgedeckt: So bietet IBM ab sofort ein „Blockchain-as-a-Service“ getauftes Modell bzw. eine DevOps-Tool-Sammlung, die, so der Wortlaut der Ankündigung, der Erstellung, dem Deployment, dem Betrieb und der Überwachung von Blockchain-Anwendungen in der IBM-Cloud dienen sollen. Dabei sollen via Watson beispielsweise auch IoT-Daten (z. B. solche, die über RFID-Chips oder mobile Geräte gesammelt werden) einbezogen werden können. Vor diesem Hintergrund versprechen sich die Proponenten der Technologie über Finanzgeschäfte hinausgehende Anwendungsfälle, beispielsweise im Transport- und Logistiksektor.

Aufmacherbild: symbol of bitcoin on digital background von shutterstock.com / Urheberrecht: mtmmarek

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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