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Die wichtigsten Vermögenswerte gehen jeden Abend nach Hause

DevOps mit Empathie: Stellen wir den Menschen wieder ins Zentrum – machen wir HumanOps!

David Mytton

© Shutterstock / Deepadesigns

Mit DevOps können Unternehmen viel erreichen. Doch nutzen all die Tools und Praktiken nichts, wenn es Unternehmen nicht schaffen, das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter ins Zentrum zu stellen. In diesem Artikel plädiert Davon Mytton, Gründer und CEO von Server Density, für mehr Empathie in DevOps: HumanOps.

HumanOps – der Mensch im Zentrum von DevOps

In den letzten Jahren haben wir unsere IT-Infrastrukturen Schritt für Schritt in die Cloud verlagert. Dadurch sind sie zwar abstrakter und selbstkorrigierender geworden. Doch konnte dabei allzu leicht vergessen werden, dass es beim Auftreten eines Fehlers immer noch ein Mensch ist, der aus dem Schlaf gerissen wird, um den Fehler zu beheben.

Das Mantra der Technologie-Szene „Move fast and break things“ hat sich auf viele Branchen und Sektoren ausgeweitet, die wegen ihrer Produkte und Dienstleistungen auf IT-Infrastruktur angewiesen sind. Diese Arbeitsweise riskiert allerdings, die wichtigsten Vermögenswerte der Unternehmen zu beschädigen: die Gesundheit und Moral ihrer Mitarbeiter.

Mit hoher Skalierung kommt Komplexität, und mit Komplexität kommt Unvorhersehbarkeit: Der heutige IT-Angestellte in Rufbereitschaft weiß einfach nicht, wann er das nächste Mal morgens um vier Uhr aufgeweckt wird, um einen Fehler zu beheben – und das ist ein Problem.

Fehler und Verzögerungen kosten Millionen, und es ist verständlich, dass Unternehmen kritische Fehler so schnell wie möglich behoben wissen wollen. Wie können wir es also schaffen, eine attraktivere und gesündere Umgebung für IT-Ingenieure zu schaffen?

DevOps mit Empathie

Die Forderung nach schnellen Patch-Releases und Continuous-Delivery-Modellen übt zweifellos Druck auf Firmen aus, die ihre Produkte verbessern wollen. Verständlicherweise wenden sich viele Unternehmen DevOps-Praktiken zu, um diesen Druck einerseits zu verringern und andererseits die eigene Teamstruktur so zu modifizieren, dass Devs und Ops effizienter und agiler zusammenarbeiten können.

Diese Methodik kann jedoch weiter ausgebaut werden. IT-Manager sind es inzwischen gewohnt zu evaluieren, wie ihre Teams zusammenarbeiten. Doch ist die IT-Branche insgesamt weit weniger aufgeschlossen, wenn es um die Beurteilung einer einzelnen Person, ihrer Beziehung zum Job und der schädlichen Auswirkungen einer „Always-on-Kultur“ geht.

Wenn man um drei Uhr nachts aufgeweckt wurde, um an einem dringenden Bugfix zu arbeiten, wird man am nächsten Tag nicht sonderlich produktiv sein. Das mag offensichtlich klingen. Doch eine überraschend hohe Anzahl an Unternehmen berücksichtigt dies nicht, was umso schockierender ist, wenn man bedenkt, dass einigen Untersuchungen zufolge unterbrochener Schlaf schlimmer ist als gar kein Schlaf.

Sysadmins und Mitarbeiter in Bereitschaft sollen rund um die Uhr verfügbar sein – sie sind aber keine „Superhelden“ oder „Ninjas“. Diese Erwartung und der daraus entstehende anhaltende Stress kann sich sehr schädlich auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirken.

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Unzufriedene Mitarbeiter kündigen ihren Arbeitsplatz statistisch gesehen früher: Einigen Schätzungen zufolge kann es bis zu 21% des Jahresgehalts eines Mitarbeiters kosten, diesen zu ersetzen. Sich also stärker um die Gesundheit und das Wohlergehen der Mitarbeiter zu kümmern, kann die Quartalszahlen eines Unternehmens enorm beeinflussen. Der jüngste Datenverlust bei GitLab ist ein prominentes Beispiel für die katastrophalen Konsequenzen von Konzentrationsmangel.

Ich weiß das aus eigener Erfahrung: Die ersten paar Jahre meiner Karriere arbeitete ich auf Abruf. Unser Team bestand nur aus einer handvoll Leuten, und ich wurde häufig telefonisch aus meiner persönlichen Abendgestaltung gerissen. Als ich dann mein eigenes Unternehmen gründete, beschäftigte mich das Thema weiter: Wie konnten wir als Unternehmen das Leben unserer Mitarbeiter in Abrufbereitschaft verbessern, und wie sollte die gesamte Branche mit dem Problem der ständigen IT-Alarme umgehen?

Was tun?

Es mag etwas merkwürdig erscheinen, wenn der Gründer eines Unternehmens zur Überwachung von IT-Infrastruktur über dieses Thema redet.  Schließlich beinhaltet die Überwachung von Servern, Alarmrufe zu versenden und Menschen aufzuwecken. Doch uns ist klar geworden, dass wir eine Verantwortung für eine nachhaltigere Arbeitsweise für IT-Teams haben, und wir nennen diese Praktiken HumanOps.

Es gibt mehrere Kernprinzipien bei HumanOps. Das wichtigste ist, dass die menschliche Gesundheit auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Geschäfte hat. Wie Richard Branson gerne sagt: „Wenn Sie sich um Ihre Leute kümmern, werden auch Ihre Kunden und Quartalszahlen belohnt werden.“ Wenn Unternehmen also das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellen, werden sich als Folge davon auch Systemleistung, Personalbindung und Produktivität verbessern.

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Von der Theorie in die Praxis

In der Theorie sind das großartigen Ideen, aber wie können wir praktische Maßnahmen entwickeln, um sie umzusetzen?

Die Entwickler können damit beginnen, mit ihren Managern zusammenzuarbeiten und neu zu evaluieren, wie Issues eskaliert werden, zu wem sie eskaliert werden und wer die Übersicht über das Pensum der Arbeiter in Rufbereitschaft hat. Erstellen Sie interne Protokolle, um sicherzustellen, dass alle Alternativen ausgeschöpft wurden, bevor Sie jemanden zwingen, in die Firma zu kommen. Stellen Sie sicher, dass wichtige Kenntnisse nicht nur bei einer oder zwei Personen liegen, denen dann die Lösung des Problems aufgeladen wird.

Policies wie etwa Schadensanalysen ohne Schuldzuweisungen und auch die Sensibilisierung der Auswirkungen von Schlafmangel können viel dazu beitragen, die Empathie in die IT-Rufbereitschaft zurückzuholen. Sie könnten auch Ihren Manager fragen, ein Rotationsprinzip einzuführen, an dem er sich selbst beteiligt. Er wird die Veränderungen so aus erster Hand erfahren. Viele Unternehmen nutzen das Rotationsprinzip, da die Priorität eines Fixes nicht dadurch erhöht wird, dass alle ständig in Alarmbereitschaft sein müssen!

Verantwortung der Unternehmen

Die Software-Hersteller haben die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass ihre Produkte so funktionieren wie vorgesehen. Diese Verantwortung sollte dahingehend ausgeweitet werden, ihren Mitarbeiter eine angemesse Ausstattung und Umgebung zur Verfügung zu stellen, um gesund und nachhaltig zu arbeiten. Metriken wie die Kosten von Unterbrechungen in Personenstunden, der Zeitaufwand pro Mitarbeiter in Bereitschaft und die Anzahl der ausgelösten Notrufe pro Bereitschaftszeit können Managern helfen, einen Überblick über die wichtigsten Problemfelder in ihrem Unternehmen zu erhalten.

Es gibt so viel Energie und Begeisterung für DevOps und dafür, was diese Praktiken für Unternehmen bewirken können. Aber es ist wichtig, sich nicht allein auf die technischen Praktiken zu konzentrieren und dabei die menschlichen Aspekte von DevOps zu vergessen. Es ist an der Zeit zu erkennen, dass IT-Ingenieure Menschen sind, die gestresst werden und Auszeiten benötigen, und dass es sowohl starke geschäftliche als auch soziale Gründe dafür gibt, diese Bedürfnisse zu erfüllen.

Wie das alte Sprichwort sagt: Die wichtigsten Vermögenswerte gehen jeden Abend nach Hause. Also lasst sie auch Schlaf finden!

Mehr zum Thema:

Der Mensch im Fokus von DevOps, Scrum und Wissensmanagement

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Geschrieben von
David Mytton
David Mytton
David Mytton ist der Gründer und CEO von Server Density.
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