Hudson und Jenkins: Wiedervereinigung bei Eclipse?

Hartmut Schlosser

Für Hudson-Gründer Kohsuke Kawaguchi kam die gestrige Ankündigung Oracles offenbar überraschend, den CI Server Hudson an die Eclipse Foundation übergeben zu wollen. Kurz vor seinem JAX-Panel „State of Continuous Integration“ sei er darüber informiert worden und kommentiert auf seinem Blog: „Needless to say, I was quite surprised!“

Kawaguchi interpretiert Oracles Entscheidung in seinem Blog als Aufgabe des Hudson-Projektes angesichts des Erfolges von Jenkins. Dennoch scheint er einer verpassten Gelegenheit nachzutrauern, da man vor einigen Monaten mit Oracle noch über die Möglichkeit verhandelt hatte, die Trademarks von Hudson einer Anbieter-neutralen Institution zu übergeben.

Genau dies ist nun – gewissermaßen an der Jenkins-Community vorbei – geschehen: Die Rechte am Hudson-Namen und der Domäne Hudson-ci.org sollen an die Eclipse Foundation übergehen. Ist damit nicht der ursprüngliche Streitpunkt aus der Welt geschafft?

Kohsukes Kritik

So einfach scheint es nicht zu sein. Kawaguchi zeigt sich enttäuscht darüber, dass die Jenkins-Community nicht in die Verhandlungen zwischen Oracle und Eclipse einbezogen wurden.

And it also disppoints me that they decided not to reach out to the Jenkins community about this move, when we’ve been conducting our governance meeting all open out there for anyone to join. But I guess they are never really interested in working with us. Kawaguchi

Brisant dürften die Anmerkungen Kawaguchis sein, dass urheberrechtliche Hindernisse dem Umzug Hudsons nach Eclipse im Wege stehen könnten. Kawaguchi bezeifelt, dass Oracle das Recht habe, seine in den sechs Monaten nach dem Verlassen Oracles geleisteten Codebeiträge ohne sein Einverständnis an die Eclipse Foundation zu übergeben.

Then there are about 6-month worth of my contributions after I left Oracle, which I don’t think Oracle can unilatelarly donate to the Eclipse foundation. Kawaguchi

Eclipse – der Vermittler?

Auf Seiten der Eclipse Foundation begrüßte Exekutiv-Direktor Mike Milinkovich gestern die Entscheidung. Milinkovich sieht das Potenzial, das „unglückliche Auseinanderdriften“ der Hudson und Jenkins Communities zu überwinden. Jeder sei eingeladen, sich an „Eclipse Hudson“ zu beteiligen, insbesondere da nun das leidige Unterzeichnen eines Oracle Contribution Licence Agreements entfalle, das stets von der Jenkins-Community moniert worden war. Bei Eclipse Hudson würden alle Codebeiträge unter der Eclipse Public Licence geleistet:

In fact, Eclipse allows you to keep the copyright to your code; the code you contribute remains yours, licensed under the Eclipse Public License (EPL). Furthermore, the Hudson trademark will now be owned by the Eclipse Foundation and held in trust for the benefit of the entire community rather than any particular company. So if you’ve been wary of participating in Hudson because of „trust issues“, the Eclipse model of collaborative development should make things a lot easier. Hudson will now be a truly community-based project. Mike Milinkovich

Eclipse ist laut Milinkovich als anbieterneutrale Foundation prädestiniert dafür, die Unternehmens- und Community-Interessen miteinander zu vermitteln.

One of the key issues that split the Hudson/Jenkins community was how to balance the corporate and community aspects of the Hudson project. Kudos to Oracle for continuing to work on these issues and make, what I believe is the right move for Oracle and for the Hudson community. Mike Milinkovich

Eine ähnliche Einschätzung hatte gestern auch Tasktop-Gründer Mik Kersten abgegeben. Als Anbieter von ALM-Lösungen sei man nicht daran interessiert, zwei konkurrierende Systeme zu unterstützen und damit die Entwicklungsarbeit zu verdoppeln. Auch Kersten plädierte deshalb für eine Wiedervereinigung beider Strömungen.

Geradezu enthusiastisch äußert sich Maven-Erfinder Jason van Zyl im Sonatype-Blog. Sowohl für das Hudson- als auch für das Jenkins-Projekt sei eine Entwicklung unter dem Dach der Eclipse Foundation die beste Lösung:

At Sonatype, we’re very excited about the Hudson proposal that has been posted to the Eclipse Foundation website today. We believe Hudson moving to the Eclipse Foundation is the best way forward for both the Hudson and Jenkins projects. Jason van Zyl

Van Zyl verweist auf die Liste der interessierten Parteien, in die sich neben Sonatype und Tasktop auch VMware und IBM eingetragen haben. Sonatype selbst werde daran arbeiten, die Integration zwischen Maven 3 und Hudson weiter voran zu bringen.

We were originally only going to provide a portion of our Maven 3.x integration to the OSS community, but we are so excited about Hudson moving to Eclipse we want to stimulate community adoption and wider participation by providing the best Maven integration possible. Jason van Zyl

Van Zyl ruft das Jenkins-Team dazu auf, sich ernsthaft mit der Möglichkeit auseinander zu setzen, eine Wiedervereinigung unter dem Dach der Eclipse Foundation zu realisieren.

Eclipse would be a great place for Hudson and Jenkins to reunite and now would be an ideal time. It can only be a good thing for users and I sincerely hope that the Jenkins team will seriously consider this option. Jason van Zyl

Kontroverse Diskussionen

Im Anschluss an Kohsuke Kawaguchis Blogeintrag haben sich mehrere Kommentatoren zu Wort gemeldet, allen voran Eclipse Marketing-Chef Ian Skerrett, der bemerkt, dass zum jetzigen Zeitpunkt lediglich ein Proposal vorliege und die Diskussionen damit erst begännen. Die Eclipse Foundation lade alle interessierten Parteien ein, sich an den weiteren Gesprächen zu beteiligen.

Bezüglich der von Kawaguchi geäußerten rechtlichen Bedenken ist Skerrett zuversichtlich, dass die wohldefinierten Eclipse-Prozesse zu den Urheberrechtsbestimmungen mögliche Probleme aus dem Weg schaffen könnten.

Oracles Ted Farrell kommentiert, dass die Option einer Übergabe von Hudson an die Eclipse Foundation durchaus früher schon mit Kawaguchi diskutiert worden war. Damals sei diese Lösung aber als zu schwergewichtig abqualifiziert worden.

I clarified this in an email to the hudson users mailing list, but we did propose both Eclipse and an Eclipse-like process to you all back in December. It was deemed „too heavyweight“. The trademark discussions ended up being a separate thread that came up after it was decided not to move to a more structured format. One without the other didn’t make sense to us. Ted Farrell

Offene Türen allerorten, aber.

Was als nächstes geschehen wird, ist in der Tat schwierig abzuschätzen. Die Fronten schienen lange Zeit so verhärtet, dass man sich in der Java-Community bereits mit dem Fork abgefunden hatte. Jetzt betonen zumindest alle Parteien, man sei für weitere Diskussionen offen.

Aus dem Jenkins-Lager äußerte sich Andrew Bayer so:

I’ve said it before, I’ll say it again and again and again – the Jenkins community would *love* for Oracle and Sonatype to rejoin the community. The door is always open. Andrew Bayer

Die Türen sollen nun also bei Oracle, Eclipse und auch bei Jenkins weit offen stehen. Bleibt zu hoffen, dass jemand auch bereit ist, durch eine der offenen Türen hindurch zu gehen.

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Hartmut Schlosser
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