Hudson & Jenkins: "Vereinigung unter den richtigen Bedingungen denkbar"

Hartmut Schlosser

„Would I like to see a reunion? On the right terms, I definitely would.“

So kommentiert Andrew Bayer vom Jenkins-Team in seinem Blog Oracles Vorschlag, Hudson als Eclipse-Projekt weiterzuführen. Ein Zusammenfinden der beiden auseinandertriftenden Continuous-Integration-Systeme ist für Bayer „unter den richtigen Bedingungen“ definitiv erstrebenswert. Doch was sind die richtigen Bedingungen?

Bayer äußert vier Bedenken:

  1. Für den Erfolg von Jenkins seien schnelle Release-Zyklen ein wichtiger Faktor. Sich einem anderen, eventuell schwergewichtigen Release-Prozess bei Eclipse anzupassen, würde bei vielen Jenkins-Committern auf Ablehnung stoßen.

    I really believe the rapid releases bring a ton of value to the table and need to be continued. Andrew Bayer

  2. Das Hudson-Projekt scheint sich stark auf den Java-Bereich zu konzentrieren. Jenkins hingegen sei nicht Java-spezifisch ausgelegt, zahlreiche Python-, Ruby- , Objective-C-Entwickler nutzen Jenkins.

    I don’t know if the companies now working on Hudson are interested in that broad-based usage, given their commercial focus on Java development. Andrew Bayer

  3. Hudson hat sich stark in Richtung Unternehmen-getriebenes Projekt entwickelt, während Jenkins ein Community-getriebenes Projekt geblieben sei. Bayer stellt die Frage: Gibt es hier überhaupt so etwas wie einen Mittelweg?

    What’s right for one scenario isn’t necessarily right for the other, and I don’t know what the right middle ground would be, or if there is such a thing. Andrew Bayer

  4. Und die wohl wichtigste Frage: die Rolle von Hudson Projekt-Begründer Kohsuke Kawaguchi. Obwohl Jenkins fast über 100 Committer verfüge, sei es keine Übertreibung zu sagen, dass Kawaguchi die eine, unersetzliche Kraft darstelle.

    Kohsuke created it, Kohsuke has written the overwhelming majority of the code, Kohsuke has done an astonishing amount of work to increase its adoption, its range, its reliability. Andrew Bayer

    Bei jeder denkbaren Wiedervereinigung sei deshalb kein anderer als Kohsuke Kawaguchi als Projektleiter legitim.

Schlussendlich stellt sich für Bayer aber die Frage, ob beide Parteien wirklich gewillt sind, über den eigenen Schatten zu springen, die Aussicht auf einen PR-Erfolg über den Gegner zu ignorieren und aufeinander zuzugehen. Ohne Kompromisse sei ein Zusammenschluss kaum möglich, und die Frage ist in der Tat, ob die beiden Projekte sich bzgl. ihrer Ausrichtung und Kultur nicht schon zu weit voneinander entfernt haben.

It’s entirely possible that the two projects have diverged enough in their intentions and cultures that they can’t, and shouldn’t, be brought back together. Andrew Bayer

Bayer selbst hält es indes für einen Versuch wert, in neue Gespräche über einen Mittelweg einzutreten:

But if the Jenkins community and Hudson community are willing to reach out and try to find a middle ground, I think that’s worth trying. Andrew Bayer

Die Diskussionen laufen nun auf Hochturen: Das Eclipse-Proposal wird im dazugehörigen Forum besprochen.

Ian Skerrett von Eclipse hat ein lesenswertes Q & A veröffentlicht.

Einen interessanten Diskussionsbeitrag leistet auch Miles Parker, u.a. Leiter des Eclipse-Agent-Modeling-Platform-Projektes. Seine Tipps an Jenkins:

  1. Fortfahren, die großartige Community und Technologie um Jenkins aufzubauen.
  2. Sich als „interessierte Partei“ im Eclipse proposal eintragen, Kohsuke als Projekt Co-Lead vorschlagen.
  3. Oder warum nicht Jenkins selbst als neues Eclipse-Projekt einbringen?

Wie dem auch sei – die JAXenter-Leser scheinen sich in unserem aktuellen Quickvote mehrheitlich für eine Wiedervereinigung unter dem Dach der Eclipse Foundation auszusprechen.

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Hartmut Schlosser
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