Hat IcedTea eine Zukunft?

Judith Lungstraß

Im Mai 2007 veröffentlichte Sun Microsystems mit dem OpenJDK eine vermeintlich freie Open-Source-Implementierung der Java Standard Edition. Doch komplett frei war das Open Java Development Kit zu diesem Zeitpunkt noch nicht, tatsächlich blieben ganze vier Prozent der Class Library unter proprietärer Hand und zur Erstellung nutzte man Werkzeuge, ohne auf deren freie Zugänglichkeit zu achten. All dies rief Red Hat auf den Plan.

Bereits im Sommer 2007 entwickelte das Unternehmen aus North Carolina mit IcedTea eine Version des OpenJDK, die nicht nur selbst frei war, sondern auch gänzlich ohne proprietäre Software erstellt wurde. Man bemühte sich, nur in der Distribution selbst vorhandene Pakete sowie Werkzeuge zu nutzen, wenn möglich auch ohne Netzzugang. Hierfür wurden einige Plugs durch Teile des GNU Classpath ersetzt.

Bot IcedTea anfangs eine wirklich freie Alternative zum nur vorgeblich freien OpenJDK, hat sich doch seitdem einiges verändert. Die proprietären Plugs des OpenJDK gehören nun schon lange der Vergangenheit an, genauso wie die anfänglichen Tarballs, die durch ein Mercurial-Verzeichnis ersetzt wurden. Auch im OpenJDK gibt es mittlerweile Arbeitsgruppen und Projekte, die sich Problemen im Development Kit annehmen. Und so stellt sich zum heutigen Datum die Frage: Macht es überhaupt noch Sinn, IcedTea weiterzuführen?

In seinem Blog hat der Entwickler Andrew John Hughes drei Probleme zusammen gestellt, die beim Einstellen des IcedTea-Projektes zum Tragen kommen würden:

  1. IcedTea verfügt über eine große Anzahl an lokalen Patches, ständig kommen neue hinzu. All diese in OpenJDK zu integrieren, ist eine Menge Arbeit und geht nur langsam voran.
  2. Mittlerweile gibt es einige Sub-Projekte, die von IcedTea abhängig sind, beispielsweise einen eigenen Fork der Jtreg Testsuite, einen PulseAudio Sound-Treiber oder ein Plug-in sowie eine Web-Start-Implementierung, die im OpenJDK nicht verfügbar sind.
  3. Zur Arbeit am OpenJDK muss man bei Oracle ein sogenanntes Contributor Agreement unterzeichnen. Das schreckt viele Entwickler ab, die stattdessen lieber bei IcedTea bleiben und dort ihre Patches bauen.

Nichtsdestotrotz steht die Frage nach der Zukunft des Projektes IcedTea weiter im Raum. Hughes sieht zum einen die Möglichkeit, primär mit OpenJDK zu arbeiten – hier könnten allerdings Probleme beim Release Management und den zahlreichen IcedTea Security Patches auftreten. Außerdem fehlt ihm die Transparenz im Release-Prozess des OpenJDK. Zum anderen wäre aber auch ein IcedTea-Neustart direkt vom OpenJDK aus eine Option, diesmal nur mit den nötigen Patches und ohne den Ballast aus Version 6 und 7. Wie dem auch sei, seiner Meinung nach muss IcedTea definitiv in irgendeiner Form weitergeführt werden, allein schon der freien Java Virtual Machines CACAO und JamVM wegen.

Genauso wie Andrew John Hughes gegen Ende seines Blog-Beitrags, möchten auch wir die Frage an die Community – also an Sie! – weitergeben. Hat IcedTea überhaupt noch eine Zukunft? Und wenn ja, wie könnte diese aussehen?

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Judith Lungstraß
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