Das Versionskontrollsystem wird 10 Jahre alt

Happy Birthday, Git!

Michael Thomas

© Shutterstock.com/Fernando Sanchez Cortes

Git konnte vor wenigen Tagen seinen 10. Geburtstag feiern. Linus Torvalds, der vor mehr als zwei Jahrzehnten einer der Grundsteinleger für Open-Source-Software schlechthin war, schuf innerhalb nur weniger Tage im April 2005 die Grundlagen des freien, verteilten Versionskontrollsystems, das in der heutigen (freien) Softwareentwicklung eines der beliebtesten überhaupt ist.

Das populäre Tool zur Versionskontrolle wurde ursprünglich aus der Not heraus geboren: Da eine Lizenzänderung dafür sorgte, dass Linux-Kernel-Entwickler das bis dato verwendete BitKeeper-System nicht mehr kostenlos nutzen konnten, musste eine Alternative gefunden werden. Die finnisch-amerikanische Programmiererlegende Linus Torvalds hörte den Ruf.

Der Linux-Kernel sollte mit diesem System verwaltet und versioniert werden. Die folgenden Punkte waren die wichtigsten Anforderungen an das zu schaffende System:

  • Es muss schnell sein, um die relativ große Menge an Code und die vielen Dateien zu handhaben.
  • Es muss eine Möglichkeit geben, Patches zu verwalten, damit nicht beliebige Nutzer das Zielsystem verändern können.
  • Das System muss dezentral funktionieren, damit Bandbreiten geschont und eine gewisse Ausfallsicherheit bei Störungen eines zentralen Systems umgangen werden können.

Um diese Ziele zu erreichen, kombinierte Torvalds Ideen aus BitKeeper und Monotone, setzte sie jedoch in komplett eigenem Code um. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte: Mittlerweile liegt Git in der Version 2.3.5 vor und läuft nicht nur auf fast allen modernen unixähnlichen Systemen wie Linux und Mac OS X, sondern unterstützt zusätzlich auch Windows.

Torvalds spricht sich aus

Den 10. Geburtstag von Git nahm der Kopf der Linux-Gemeinde Torvalds zum Anlass, in einem Interview mit Linux.com aus dem Nähkästchen zu plaudern und seine Ansichten über das Projekt und dessen Auswirkungen auf die Softwareentwicklung darzulegen. Zufrieden ist er mit seinem seinem Werk demnach offenbar nach wie vor:

I’m very happy with git. It works remarkably well for the kernel and is still meeting all my expectations.

Den Grund für die weite Verbreitung des Versionsverwaltungssystems sieht Torvalds vor allem darin, dass viele Entwickler (ihn eingeschlossen) von den Limitierungen der damaligen SCM-Systeme zur Weißglut getrieben wurden und Git als einziges Projekt die wirklich grundlegenden Probleme in Angriff nahm. Aus heutiger Sicht interessant ist der Umstand, dass die Relevanz des „verteilten“ Teils von Git zur damaligen Zeit häufig entweder nicht begriffen oder dieser gar rundherum abgelehnt wurde: Denn nur die wenigsten, die einmal mit einer verteilten Versionsverwaltung gearbeitet haben, werden sich vermutlich ein zentrales Repository zurückwünschen.

Nicht zuletzt deshalb sieht Torvalds die Zeit von Git als noch lange nicht abgelaufen. Zudem ist er davon überzeugt, dass ein eventueller Nachfolger vermutlich sehr Git-ähnlich sein dürfte. Wie Torvalds ohne falsche Bescheidenheit anmerkt, machte Git zwar nicht alles richtig. Allerdings traf es bei den wirklich wichtigen Punkten voll ins Schwarze.

Wer sich bislang nicht mit Git beschäftigt hat und diesen Umstand nun ändern möchte, dem sei der auf JAXenter erschienene einführende Artikel „Git ist einfach – wenn man weiß, wie“ von Ben Straub ans Herz gelegt.

Aufmacherbild: Birthday-anniversary cake with red candle showing Nr. 10 von Shutterstock.com / Urheberrecht: Fernando Sanchez Cortes

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: