Interview mit Hack-Designer Chris Simpkins

Hack – eine Schriftart speziell für Quellcode

Coman Hamilton

via sourcefoundry.org/hack/

Nicht länger die Augäpfel verdrehen zu müssen, um ein kleines „L“ von einem großen „i“ unterscheiden zu können: Das verspricht die quelloffene Programmierer-Schriftart Hack. Dem Projekt wurde spätestens seit dem Release von Version 2.0 nicht wenig Aufmerksamkeit von Seiten der Tech-Szene zuteil. Grund genug, mit Hack-Designer Cris Simpkins zu sprechen und zu ergründen, wie ein verbesserter Zeichensatz das Programmiererleben erleichtern kann.

JAXenter: Wie bist Du darauf gekommen, dass Quellcode seine eigene, dedizierte Schriftart braucht?

Chris Simpkins: Quellcode nutzt normale Schriftzeichen, um daraus Zeichenpaare zu erzeugen. Das visuelle Erscheinungsbild und die Bedeutung dieser Zeichenpaare kann von dem, was einem in normalem Text begegnet, stark abweichen. Ein Paradebeispiel hierfür ist das Semikolon: In normalem Text teilt das Semikolon die Elemente eines Satzes, wobei Symmetrie und Rhythmus der restlichen Schrift beibehalten werden. Ein Semikolon in der Mitte eines Satzes, das anders geformt ist, würde disharmonisch wirken. In Programmiersprachen, die das Semikolon nutzen, um das Ende einer Codezeile anzuzeigen, variiert die diesem Zeichen zugewiesene Bedeutung beträchtlich. Ich behaupte: Zeigt das Semikolon das Ende einer Anweisung an, so gewinnt der Quellcode an Klarheit, wenn es optisch betont wird. Das Zeichen sollte im Quellcode deutlich sichtbar bzw. weniger transparent sein. In Hack unterscheidet sich das Semikolon optisch (Schriftstärke, Punktform) von den es umgebenden alphabetischen und numerischen Zeichen. Den gleichen Ansatz haben wir bei einigen Interpunktionszeichen verfolgt.

Gute Schriftarten müssen ihrem angedachten Einsatzzweck bestmöglich angepasst sein (man denke z. B. an die Beschriftung von Straßenschildern) und die im Quellcode verwendete Schrift bildet da keine Ausnahme. Die Lesbarkeit des Quellcodes kann signifikant verbessert – oder reduziert – werden, je nachdem wie gut getestet und abgestimmt sie ist.

JAXenter: Mit welchen Schriftarten haben Programmierer bislang gearbeitet, und welche Probleme hast Du bei ihnen gesehen?

Chris Simpkins: Es gibt mehrere ganz ausgezeichnete Schriftarten, die für Quellcode genutzt werden. Zu den beliebtesten gehören Source Code Pro, Consolas, Ubuntu Mono, Inconsolata und Bitstream Vera Sans Mono/DejaVu Sans Mono. Einige neuere Schriftarten haben sich der technischen Seite des Schriftart-Designs zugewandt und OpenType-Features eingesetzt, um Ligaturen zu erschaffen, die einigen der unansehnlicheren Zeichenkombinationen, die wir im Quellcode nutzen (z. B. ú->ù), eine besser gestaltete, optisch ansprechendere Form verleiht. Beispiele hierfür sind Monoid, Hasklig, und Fira Code. Und, ob Du es glaubst oder nicht, es gibt immer noch genügend Leute, die Bitmap-Schriftarten mit beachtlichem Erfolg nutzen – lang lebe Proggy!

Die Probleme der einzelnen Schriftarten zu identifizieren gestaltet sich schwierig: Im Endeffekt läuft es auf subjektive Erfahrungen hinaus; auf einzelne Charakteristiken, auf die im Rahmen des jeweiligen Quellcodes und des jeweiligen Editors Wert gelegt wird. Die Meinungen, die Entwickler über bestimmte Schriftarten hegen, sind meist sehr stark und entwickeln sich über viele Jahre der Nutzung hinweg.

Es gab und gibt viele Schriftarten, die für die Nutzung in Text-Editoren entworfen wurden, um die Entwicklung von Quellcode zu unterstützen. Ebenso gibt es viele Entwickler, die in den Designprozess von Schriftarten involviert waren bzw. sind. Donald Knuth (ja, der Donald Knuth) etwa war auch Schriftdesigner. Obwohl es nicht auf Quellcode abzielte, war das von ihm entwickelte METAFONT ein frühes Gegenstück zu seinem Textsatzsystem TeX.

JAXenter: Was hat dich zu der Entscheidung geführt, dass Open Source der beste Ansatz für eine solche Schriftart ist?

Chris Simpkins: Hack ist das Ergebnis einer langdauernden Evolution, genauer der Evolution eines quelloffenen Schriftart-Projekts. Die Symbole wurden ursprünglich von Jim Lyles (Bitstream) für die quelloffene Schriftart Vera Sans Mono von Bitstream entworfen. Der originäre Vera-Zeichensatz wurde durch das Projekt DejaVu beträchtlich erweitert. Zu Beginn wurde die Grundlage von Hack von den ursprünglichen Vera Sans Mono-Symbolen sowie ausgewählten Unicode-Zeichen aus DejaVus Sans Mono-Schriftart gebildet. Das heutige Hack stützt sich auf die jahrelange Mitarbeit von Schriftart-Designern und Entwicklern an diesen Projekten.

Die Quelldateien von Hack werden auf GitHub im UFO-Format gehostet. Die User profitieren von diesem Ansatz, da sie so die Quellen studieren, von ihnen lernen, sie modifizieren und somit eigene, von Hack abgeleitete Schriftarten erstellen können. Wenn einem beispielsweise das Erscheinungsbild der Null – von manchen nebenbei bemerkt als „Saurons Auge“ bezeichnet – nicht passt, so kann man einfach seine eigene Version der Schriftart mit einer durchgestrichenen oder gepunkteten Null erschaffen. Vielleicht wird der ein oder andere Entwickler/Designer die Schrift aufgreifen und mit ihrer Hilfe völlig neuartige, originelle Formen schaffen. Oder ein Design entwerfen, das sich stärker auf eine ganz bestimmte Untermenge von Quellcode (bzw. generell jeden Text, der normalerweise Monospace-Schriftarten nutzt, wie etwa Drehbücher) konzentriert.

Vom Standpunkt eines Maintainers und Entwicklers aus betrachtet stellt das Feedback der Open Source-Community im Hinblick auf die Plattform- und Anwendungsübergreifende Tauglichkeit der Schriftart eine Ressource dar, die schlicht und ergreifend auf keinem anderen Weg angezapft werden kann. Allein in der vergangenen Woche etwa habe ich Input von buchstäblich mehreren hundert Entwicklern erhalten, die Hack in einer unüberblickbaren Anzahl von Kombinationen aus Plattform/Editor/Type Renderer/Antialiasing-Einstellungen/Hinting-Einstellungen/Schriftgröße getestet haben. Innerhalb kürzester Zeit konnten wir so ein Problem identifizieren, das auf einer einzelnen Plattform unter Verwendung einiger weniger Editoren auftrat und nur eine kleine Teilmenge der User betraf. Gestern wurde ein entsprechender Fix veröffentlicht. Dieser von Personen mit einem Interesse am Produkt vorangetriebene Überprüfungsprozess fördert die allgemeine Qualität des Projekts.

JAXenter: In welchen Bereichen werden Programmierer die Schriftart deiner Meinung nach einsetzen?

Chris Simpkins: Mein Ziel für Hack ist, dass es eine Allzweck-Schrift für Quellcode in allen möglichen Formaten bleibt, darunter Print, eingebettete Anwendungen (z. B. PDF, Präsentationen) und der gute alte Bildschirm. Der geläufigste Anwendungsfall wird wahrscheinlich die Nutzung in Text-Editoren bei der Entwicklung sein, allerdings haben wir Web Fonts entworfen, die über CDN via einfachem Import in HTML verfügbar sind. Damit ist Hack für all jene leicht zugänglich, die zu Lehrzwecken Quellcode auf ihrer Website darstellen wollen. Gleiches gilt für die zahlreichen webbasierten Text-Editoren.

Geschrieben von
Coman Hamilton
Coman Hamilton
Coman was editor of JAXenter.com at S&S Media Group. He has a master's degree in cultural studies and has written and edited content for numerous websites and magazines, as well as several ad agencies.
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