Raus aus den Schulden!

Haben Sie Innovationsschulden? Was passiert, wenn Unternehmen nicht in Ihre Entwickler investieren

Hartmut Schlosser

(c) Shutterstock/JrCasas

Sicherlich kennen Sie den Begriff der technischen Schulden, zu Englisch „Technical Debt„, die man sich auflastet, wenn man nicht von vorneherein in eine cleane Codebasis investiert. Mit der Zeit wird hastig hingehackter Code immer komplexer, schwieriger zu warten, skaliert nicht mehr, etc., sodass die Kosten unverhältnismäßig in die Höhe schnellen.

Technologie-Evangelist und Github-Trainer Peter Bell hat nun eine interessante Analogie zwischen diesen Technical Debts und den Innovationsschulden eines Unternehmens gezogen: Genauso wie man sich mit der Zeit immer mehr Nachteile einkauft, wenn man nicht in eine cleane Codebasis investiert, so wird ein Unternehmen immer mehr Probleme bekommen, wenn es nicht in seine Entwickler investiert.

Innovationsschulden

Vielleicht kennen Sie das ja: Ihr Team ist so damit beschäftigt, alle Spitzen-Features für die Super-App zum Spar-Termin fertigzustellen, dass es weder Zeit noch Muße hat, sich über die aktuellen Weiterentwicklungen von Sprachen, Frameworks, Libraries oder Tools zu informieren. Bell argumentiert: Genauso wie eine schlechte Codebasis langfristig zur Geldverbrennmaschine wird, machen nicht vorhandene Freiräume und fehlende Bildungsangebote aus einem produktiven Entwicklerteam eine Truppe, die bald nicht mehr in der Lage ist, die hauseigene Legacy-Anwendung anständig zu warten.

Innovationsschulden werden dann richtig teuer für ein Unternehmen:

  • Die besten Entwickler werden das Weite suchen
  • Neue Kräfte zu finden wird schwieriger
  • Die Produktivität des Teams wird sinken
  • Die Software wird immer altbackener

Raus aus den Schulden!

Wie können Unternehmen diesen Innovationsschuldenberg vermeiden? Bell schlägt vor, Weiterbildungselemente fest in der Unternehmenskultur zu verankern:

  • Ein Team-Mitglied bekommt ein Mal im Monat einen Vormittag zur Verfügung gestellt, um an etwas Interessantem zu hacken. Die Ergebnisse werden dann in einem Team-Meeting vorgestellt.
  • Alle Entwickler sollen mindestens an einer Konferenz pro Jahr teilnehmen.
  • Hackathons einführen, bei denen das Team 1-2 Mal pro Jahr an einem Projekt arbeitet, das die Unternehmensziele befördert. Am besten mit der Vorgabe, neue Technologien auszuprobieren.
  • Regelmäßig externe Consultants mit einzubeziehen, kann neue Horizonte eröffnen.
  • Neben dem Einbezug externer Wissensquellen ist Pair Programming ein gutes Mittel, um Know How zu teilen und das Niveau des Teams gleichmäßig anzuheben.

Lesen Sie auch: Warum Entwickler keine Berufserfahrung brauchen

Das wohl Wichtigste hebt sich Bell zum Schluss auf: Kalkulieren Sie das Scheitern mit ein. Denn das Ausprobieren neuer Technologien muss nicht immer zum unmittelbaren Erfolg führen. Langfristig wird sich aber der unbezahlbare Lerneffekt einstellen, welche Technologien besser für bestimmte Zwecke geeignet sind. Und dass auf einen Fehlschlag nicht gleich die Standpauke folgt, ist eine Erfahrung, die die Innovationsfreudigkeit im Team exponentiell steigern lassen wird!

Wie sieht es in Ihrem Alltag aus? Welche Innovationsschulden haben sich in Ihrem Job angehäuft? Und noch interessanter: Wie geht Ihr Unternehmen vor, um solche Innovationsschulden erst gar nicht aufkommen zu lassen?

Aufmacherbild: chained to his debts von Shutterstock / Urheberrecht: JrCasas

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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