Programming is enough, right?

Gibt es eine Patentlösung dafür, ein guter Softwareentwickler zu werden?

Michael Bernard

© Shutterstock.com / Natasa Adzic

Alle Welt spricht von guten und schlechten Softwareentwicklern, doch lässt sich eine derartige Gegenüberstellung in einer der schnelllebigsten Branchen so einfach herstellen? Gibt es überhaupt gute und schlechte Entwickler?

Aus Ich wurde ein Team und der Wasserfall wurde Agile. Aus verkrusteten Hierarchien wurde DevOps und monströse Monolithen wurden in SaaS, Microservices und Container aufgeteilt. Soviel sich allerdings auch ändert, so typisch sind diese Veränderungen: Es wird sich stets neu erfunden. Nichts ist in Stein gemeißelt, alles unterliegt ständiger Revision.

Umso schwerer ist es allerdings, in einer derart fluktuierenden Branche Expertise aufzubauen. Wenngleich Sprachen oder Methoden selten über Nacht uninteressant werden und sich gesammeltes Wissen in den meisten Fällen transferieren lässt, baut man diesbezüglich stets auf wackligem Boden.

Das Handwerkszeug beisammen haben

Das altbewährte WTF/Sec darf natürlich nirgends fehlen


Eine, die wohl einfachste, Methode Softwareentwickler zu quantifizieren ist, ihre Kenntnisse aufzuzählen. Ohne Zweifel sind mitgebrachte Kenntnisse von großer Relevanz, doch wie jeder weiß gibt es nicht nur zwei Arten von Kollegen: Welche die sich auskennen und welche die sich nicht auskennen. Zwischen diesen Extremen liegt die Wahrheit nur allzu oft im Menschlichen. Da ist der etwas eifrige Kollege, der ohne zu hinterfragen, stets die neusten Gimmicks nutzen möchte oder der fähige Kollege, der den performanten Code so kompliziert schreibt, dass er kaum wartbar wird. Beides ist gleichermaßen schlecht.

In ähnlichem Sinne könnte man argumentieren, dass sich Kompetenzen kontinuierlich von selbst über die Arbeitsjahre einstellen, wachsen und festsetzen würden. Man würde von anderen lernen und das Wissen gemeinsam zur Perfektion schleifen. Unglücklicherweise funktioniert das alles ebenso gut für schlechte Angewohnheiten – sonst wäre es ja auch viel zu leicht!

Die Bedingungen guter Softwareentwicklung

Wie bei den meisten Dingen im Leben, ist die wertvollste Veranlagung auch in der Softwareentwicklung Ausdauer. Das größte Talent bedeutet am Ende des Tages nichts, wenn man nicht bereit ist, aus unzähligen Fehlschlägen zu lernen. Diese Fehlschläge werden nämlich kommen. Wichtig ist, wie wir damit umgehen.

Was heißt das konkret?

  • Bescheiden und detailliert Kritik üben
  • Niemals aufhören an sich zu arbeiten
  • Rücksichtsvoll und teamorientiert vorgehen
  • Und zu guter Letzt: Üben und nochmals üben

Folgt man diesen Leitsätzen, dann arbeitet man sich automatisch eine branchenpositive Attitüde an und wird zugleich mit den relevanten Kompetenzen vertraut.

Ich bin also selbst meines Glückes Schmied?

Kurz und knapp: Jein. Machen wir uns nichts vor: Wer den Großteil seiner Zeit auf der Arbeit verbringt, hat Zuhause vermutlich nur bedingt Kapazitäten, sich weiter mit dem Job auseinanderzusetzen. Damit spielen berufliche Weiterbildungen eine große und wichtige Rolle. Der Nachteil an solchen Weiterbildungen ist, dass sie eher nicht durch die gesamte Abteilung besucht werden. Oftmals werden die scheinbar fähigeren Entwickler oder die, die sich am lautesten bemerkbar machen, zu den Fortbildungen geschickt. Am Ende kann dann mündlich überliefert, bzw. im besten Fall die Präsentation gezeigt werden. Das hilft wenig.

Letztlich sind es die Teamleader, die ihr Team kennen sollten. Es sollte klar sein, welche Person welche Vorzüge und welche Macken mit sich bringt und wer demnach am besten für einzelne Jobs oder spezifische Weiterbildungen geeignet ist – ja, für wen sie sogar unabdingbar wären. Die Perfektion in Person gibt es schließlich nicht. Aber dass die Realität hier oftmals nach etwas eigenen Kriterien entscheidet, ist ebenfalls kein Geheimnis.

Was also tun? Die Antwort lautet: Initiative ergreifen. Es darf nicht darum gehen, wer am lautesten schreit, wer am beliebtesten ist oder wer den besten Überblick über Frameworks hat. Stattdessen lohnt es sich, die eigenen Stärken und Interessen ausfindig zu machen und sie zu kommunizieren. Fest steht: Stillstand ist der schlimmste Feind guter Softwareentwicklung und den Chef daran zu erinnern, schadet nie.

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Michael Bernard
Michael Bernard
Michael Bernard studiert Philosophie und Geschichte an der Technischen Universität Darmstadt. Zuvor studierte er bereits Informatik an der Hochschule Darmstadt. Seit Dezember 2015 verstärkt er die Redaktion von JAXenter und entwickler.de
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