Groovy neuer Shooting-Star auf dem TIOBE-Index – Laforge: „weder verlässlich noch bedeutsam“

Der TIOBE-Index, das monatlich aktualisierte Programmiersprachen-Ranking, hat wieder einmal kontroverse Diskussionen ausgelöst. In der Oktober-Ausgabe hat im Dauerduell um die Spitzenposition Java gegenüber C den Kürzeren gezogen – nichts Neues. Die Überraschung: Erstmals taucht die objektorientierte JVM-Sprache Groovy unter den Top 20 auf und lässt Konkurrenten wie Scala (Platz 36) und Clojure (Platz 76) weit hinter sich – zunächst einmal ein Grund zum Jubeln für die Groovy-Community. Gleichzeitig wurde jedoch Zweifel an der Datenerhebung laut, die dem Index zugrunde liegt.

Das großzügige Ökosystem um Groovy, der zunehmende Industrieeinsatz der Sprache und nicht zuletzt ihre wachsende Entwicklergemeinde lassen keinen Zweifel daran, dass Groovy en vogue ist. Aber kann die dynamisch getypte Sprache tatsächlich einige derartige Popularitätskonjunktur verzeichnen? Laut Guillaume Laforge, Projektmanager von Groovy, ist der kometenhafte Aufstieg der Sprache ihrer herausragenden Rolle im Spring-IO-Stack zurückzuführen. Auf der Konferenz SpringOne 2GX 2013 hatte der Spring-Hüter Pivotal Anfang September seine neue Plattform spring.io präsentiert, die jede Menge positiven Zuruf erfuhr. Laforge räumt jedoch ein, dass TIOBE lediglich ein schnelllebiges Hype-Barometer sei, das keinerlei Rückschlüsse auf die langfristige Popularität einer Sprache zulasse. Schon oft sei es vorgekommen, dass Groovy von einem Monat auf den anderen von den Top 30 um zwanzig Plätze oder mehr nach unten gerutscht sei, um im darauffolgenden Monat wieder eine Position unter den populärsten 30 Sprachen einzunehmen. Der Groovy-Frontmann hält den Index daher für „weder verlässlich noch bedeutsam“ („not reliable or meaningful“).

Weitaus schärfere Kritik äußerte der Scala-Schöpfer Martin Odersky (s. Tweet): Er veröffentlichte eine Pastebin-Datei auf Twitter, die sich über die Kritierien TIOBEs bei der Datenerfassung mokiert. Der anonyme Verfasser – ob es sich um Odersky selbst handelt, ist unklar  – recherchierte eigenständig die Einträge zu Groovy, Scala und Clojure in Suchmaschinen, die auch TIOBE konsultiert, und zwar  mit denselben Suchbegriffen. Ob Google, Bing, Amazon oder Stackoverflow: Überall ist die Trefferquote für Scala höher als für Groovy oder Clojure. Sein Fazit: „Diese Quellen werden von TIOBE scheinbar nicht richtig berücksichtigt“.

Twitter, TIOBE und die Transparenz

Doch erst dann kommt die Pointe: In einem an Sarkasmus kaum zu überbietenden Postskriptum vergleicht der Verfasser die Anzahl der vorgeblich nicht im TIOBE-Index einberechneten Twitter-Meldungen der Sprach-Schöpfer von Groovy, Scala und Clojure. Hier liegt Laforge mit 20,055 Tweets klar vor Odersky (469) und Rich Hickey (231). Die spöttische Bilanz des Autors: „Groovy ist eindeutig die populärste JVM-Sprache.“

Der TIOBE-Index erscheint seit 2001. Herausgegeben wird er von der niederländischen Firma TIOBE Software BV. In den vergangenen Jahren ist er wegen schlecht nachvollziehbarer Rankings zunehmend in die Kritik geraten. Zudem erhält er immer mehr Konkurrenz durch differenziertere und transparentere Ranglisten anderer Analysten, darunter der PYPL-Index und die RedMonk Programming Language Rankings, deren Ergebnisse teilweise sehr stark von denen des TIOBE Index abweichen.

Im August hatte TIOBE bekanntgegeben, seine Datenbasis um 16 Suchmaschinen erweitern zu wollen, darunter Reddit und CNet. Berücksichtigt werden Sprachen, die erstens Turing-komplett sind und zweitens einen eigenen Wikipedia-Eintrag haben. Außen vor bleiben HTML, XML sowie Querysprachen wie SQL.

Glaubt man den führenden Repräsentanten der konkurrierenden JVM-Sprachen, so messen sie dem TIOBE-Index nur noch wenig Bedeutung bei (s. Twitter-Konversation oben). Nichtsdestotrotz werden die Sprach-Charts immer wieder zum Zankapfel, der in der PHP-, Java-, Scala- oder Groovy-Community noch manch ein Gemüt erhitzt.

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