Green IT im Standby

Alexander Deindl

Trotz klarer Erkenntnisse über die verheerenden Konsequenzen der Klimaveränderung scheitern umweltfreundliche ITK-Strategien oft an trivialen Faktoren: Zeit, Kosten und fehlendes Ethos. Partner, Mitarbeiter und vor allem Kunden könnten für ein Umdenken sorgen.

Wir schreiben das Jahr 2070. In Berlin herrschen typisch griechische Temperaturen, London klagt über Dürreperioden – was wie ein Science-Fiction-Roman klingt, könnte sich bald bewahrheiten. Nach Informationen des International Center for Research on Environment and Development in Paris drohen in absehbarer Zeit radikale Klimaverschiebungen, sollten nicht sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Gleichzeitig aber steigt bis 2030 der globale Bedarf an Energie um 53 Prozent – und führt so zu einer weiteren Zunahme der Belastung mit Kohlenstoffdioxid um 55 Prozent, warnt die Internationale Energie Agentur.

Eine Zwickmühle, deren Ursache nach Erkenntnissen von Umweltforschern mehr und mehr auch in der Informations- und Telekommunikationsbranche (ITK) liegt. Laut Marktforschungsinstitut Gartner produziert dieser Wirtschaftszweig bereits zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes und somit ebenso viele Schadstoffe wie die Luftfahrtindustrie. Auch Datencenter und der vermehrte Einsatz von PCs und Monitoren sowie die steigenden Anforderungen an die Datenspeicherung im IT-Umfeld sorgen für eine gewaltige Erhöhung der Schadstoffe.

Grüne Strategien wirken geschäftsfördernd

Klimafreundlichere Strategien in der ITK-Branche erhoffen sich Umweltaktivisten nun von unerwarteter Seite: Hatten in der Vergangenheit vor allem politische Organisationen für einen Richtungswechsel beim Einsatz und der Produktion von ITK-Technologien geworben, so mahnen nun auch zunehmend Partner und Mitarbeiter zur Verantwortung. Entscheidende Impulse jedoch erwarten Marktbeobachter von der Kundschaft: „Nichts tun ist ökologisch unzumutbar und künftig auch ökonomisch untragbar“, bringt Helmut Reisinger, Europachef beim global agierenden Konzern Orange Business Services die aktuelle Stimmung in der Branche auf den Punkt. Konsumenten fordern von den ITK-Herstellern klare grüne Ausrichtungen und untermauern deren Engagement mit ihrem Kaufverhalten. Zusätzlich zu einem verbesserten Image gehören finanzielle Einsparungen sowie die Einhaltung internationaler und nationaler Regularien zu den Vorteilen eines aktiven Umweltschutzes.

Green-IT adressiert zwei fundamtentale Aspekte. Zum einen wird die Generation unserer Kinder unterstützt und zum anderen erhöht Green IT den Status von CIOs und positioniert die IT als Treiber für substanzielle Fragen der allgemeinen Unternehmensstrategie. Dennoch blockieren immer noch die klassischen Barrieren Zeit, Kosten und fehlende Moral. Umweltbewusstes Handeln müsse jedoch von höchster Ebene aus initiiert und als klare Unternehmensrichtlinie etabliert werden und sowohl die Reduktion des Energieverbrauchs, als auch die Verminderung der Treibhausgase umfassen. Diesen grünen Kurs fährt Orange Business Services bereits seit einigen Jahren. 1996 unterzeichnete der Konzern die Umweltschutzrichtlinien der European Telecommunications Network Operators Association (ETNO) und verpflichtete sich damit zu umweltgerechtem Handeln innerhalb der Organisation sowie der Entwicklung von Produkten und Services unter Berücksichtigung der CO2-Emission.

Virtualisierung: Hoffnung der IT-Abteilungen

Vor allem die Virtualisierung gilt als hoffnungsvolle Technologie: Eine Konsolidierung von 250-Dual-Core-Servern auf 25 Geräte mit Hilfe von Virtualisierungssoftware etwa, führt zu einer Einsparung an Strom und Ausgaben für Kühlmaßnahmen in Höhe von umgerechnet rund 177.000 Euro jährlich. Bei der Virtualisierung handelt es sich um eine Technologie, die es erlaubt, Prozessoren, Festplatten und Arbeitsspeicher eines Computers mehreren virtuellen Rechnern zur Verfügung zu stellen. In den virtuellen Maschinen laufen voneinander unabhängige Softwarekonfigurationen, die sich eine physikalische Hardware teilen. Weitere Einsparungen lassen sich erreichen, wenn PCs in den Ruhezustand versetzt werden, sobald sie nicht verwendet werden. Rund 30 Prozent des Stroms können so eingespart werden.

Zu den effektivsten Möglichkeiten bei der Verwendung von IT zählt darüber hinaus der Einsatz von Conference Calls und Video-Meetings. Eine Telefonkonferenz beispielsweise vermeidet durchschnittlich 8.400 Gramm an CO2, das bei Vorort-Terminen für Reisen in die Atmosphäre abgegeben werden würde. Auf Basis schneller DSL-Anbindungen ist es nach den Worten von Reisinger bereits Orange-Kunden aus 65 Ländern der Welt möglich, anspruchsvolle Video-Meetings mit hochqualitativer Auflösung und fließenden Bewegungen virtuell zu veranstalten. Das Unternehmen selbst konnte im vergangenen Jahr mit 600.000 Conference Calls, beziehungsweise Video-Meetings die CO2-Belastung um 1.200 Tonnen reduzieren. Hinzu kommen GPS-gestützte Planungen des Fuhrparks sowie 7.000 besonders umweltfreundliche Fahrzeuge.

Weiterhin gehört die Konsolidierung heterogener Systemlandschaften zu den wichtigsten Sparmaßnahmen: „Wir haben alles in allem 350 lokale Anwendungen eliminiert und so 140.000 Watt Energie weltweit eingespart“, erklärt Reisinger. Im Bereich der Mission-Critical-Applikationen wiederum konnte die Zahl der Server halbiert und die der Datencenter um das Zehnfache reduziert werden. Konzepte, die Orange als IT-Dienstleister auch gerne verkauft: 2006 führten elektronische Rechnungen im Rahmen von elektronischen Billing-Systemen bei Orange-Kunden zu einer Einsparung von 6,5 Millionen Seiten Papier – das entspricht rund 16 Tonnen. Das Fazit von Reisinger: „Wir haben nicht Antworten auf sämtliche Klimaprobleme, aber wir müssen Lösungen finden, um die Umwelt nachhaltig zu schützen.“

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Alexander Deindl
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