JAX 2001 - Konferenz für Java, Apache, XML

got JAXed?

Tom Schwaller

Vom 7. – 10. Mai 2001 stand das Astron Hotel Frankfurt-Mörfelden ganz im Zeichen von Java, Apache und XML, kurz JAX genannt ([1]). Die ca. 800 Teilnehmer kamen dabei in den Genuss eines hochwertigen Programms, bei dem der Veranstalter, die Software & Support Verlag GmbH, auf einen umfangreichen Stamm an Java Magazin-Autoren, diverse Java-Trainer und Firmen-Angehörige zurückgreifen konnte. Der Andrang war so groß, dass ein paar Wochen vorher sogar eine Anmeldesperre verhängt werden musste, und das war auch gut so, denn das Astron stieß in der Tat an seine infrastrukturellen Grenzen.

Zwischen den Vorträgen, die jeweils 75 Minuten dauerten, lagen aber halbstündige Pausen, in denen man bequem die zum Teil weit auseinanderliegenden Vortragsräume erreichen und mit anderen Teilnehmern ins Gespräch kommen konnte. Das bei Konferenzen oft auftretende Problem, dass ein überlanger Vortrag das halbe Tagesprogramm durcheinanderbringt, war bei der JAX2001 also nicht existent. Zudem wurden einige Vorträge wie etwa „Arbeiten mit Suns XML-Schnittstelle“ von Michael Wahn, „Testen von EJBs“ von Alexander Schmidt und „Einführung in XML und XSLT“ von Arne Fitschen und Wolfang Lezius, die sich sichtlich über die gute Resonanz freuten, mehrfach wiederholt.

Java-Wanderprediger Max Goff von Sun Microsystems in Aktion

Beim OR-Mapping ist jedenfalls das letzte Wort noch lange nicht gesprochen, zumal auch die EJB-2.0-Spezifikation diverse Fragen offen lässt. Die meisten Experten sehen erst in den Java Data Objects (JDO) eine Lösung am Horizont und behelfen sich im kommerziellen Umfeld mit Produkten wie ObjectStore, das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Natürlich hatte der J2EE-Track ([2]) noch einiges mehr zu bieten, so etwa Java Enterprise Sicherheitsmechanismen, Tipps und Tricks im Umgang mit EJBs, Projekterfahrungsberichte sowie die Koexistenz von J2EE und CORBA.
Fest steht, dass dieses Java-Framework seine dominante Stellung als IT-Integrationsplattform in sehr kurzer Zeit erobert hat und durch Suns Connector API weiter festigen wird. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der EJB-Applikationsserver von In-Q-My (einem Tochterunternehmen der SAP AG), der eine besonders gute Anbindung an SAP R/3 Systeme verspricht. Michael R. Schwandt, Geschäftsführer der In-Q-My GmbH klang in seiner Keynote jedenfalls sehr zuversichtlich in Zukunft etwas mehr Mind- und Market-Share im hart umkämpften EJB-Server-Markt zu gewinnen. Im kommerziellen Bereich wird dieser derzeit von BEAs WebLogic und IMBs WebSphere dominiert. Zu beiden gab es jeweils einen Vortrag an der JAX2001. Auch Borlands Applikationsserver wurde im Borland Track ausführlich besprochen und last but not least fanden der JBoss EJB Server ([3]) mit seiner zukunftsweisenden JMX-Architektur sowie der JOnAS-basierte Enhydra Enterprise Server ([4], [5]) in diversen Vorträgen Erwähnung.

Full House: Während einer Keynote

JOnAs wird auch im Open University Support System (Open USS) Projekt ([6]) eingesetzt, welches von Lofi Dewanto vorgestellt wurde. Man findet dort konsequent umgesetzte und ausführlich dokumentierte Entwurfsmuster (Klassiker wie MVC aber auch San Francisco Design Patterns), so dass sich Open USS gut als Lehrmaterial in Sachen EJB-Design eignet. Was die reine Funktionlität der Applikation angeht, so wäre man mit einer PHP-, mod_perl- oder Zope-basierten Lösung sicher schneller vorangekommen, doch irgendwie muss man die Materie schließlich erlernen. Wer im schnelllebigen Internet-Geschäft rasch Resultate vorweisen muss, sollte sich allerdings gut überlegen, ob wirklich jedes Mal transaktionsorientierte, verteilte Objekte und umständliche Deployment-Deskriptoren benötigt werden, nur um ein paar SQL-Daten aufzubereiten. Open-Source-Projekte wie Midgard, AxKit, Webware oder Zope belegen, dass man auch mit Skriptsprachen überzeugende Lösungen erstellen kann ([7]-[10]). Der Mehraufwand bei Java-basierten Lösungen lohnt sich nämlich erst bei wirklichen Enterprise-Applikationen und die Gefahr von Design-Fehlern ist bei einer komplexen Technologie wie J2EE nicht ganz von der Hand zu weisen.

Keynote von Michael Johann, Carnot AG

So verwundert es auch nicht, dass sich Entwurfsmuster wie ein roter Faden durch die Konferenz zogen und insbesondere das Modell View Controller (MVC) Pattern-Thema sehr vieler Vorträge war. Die Ansätze zu seiner Realisierung reichen von simplen Servlet-Lösungen und speziellen TagLibs über Workflowsysteme ([11]) bis hinzu so unterschiedlichen Apache-Projekten wie Struts, Turbine oder Cocoon ([12]-[14]). Andere nicht auf der JAX2001 besprochene Ansätze wären etwa Tapestry, Sitemesh und die neue „GUI Komponenten Architektur für Java Server Applikationen“ mit welcher Sun verlorenen Boden auf diesem Gebiet gutmachen will ([15]-[17]). Die Übergänge zwischen den Projekten sind fließend. Die Grundidee besteht aber bei allen darin, die Handlungsabläufe nicht fest im Java-Code zu verankern, sondern flexibel in XML-Dateien zu spezifizieren und den Umgang mit Formularen weitgehend zu automatisieren.
Thomas Bayer von der Firma „Orientation in Objects GmbH“ behandelte etwa in seinem eintägigen PreJax Power Workshop alle wichtigen Aspekte des Publishing Frameworks Cocoon und konnte den Teilnehmern die eher abschreckende XSLT-Syntax auf unterhaltsame Weise näher bringen ([18]). Der Cocoon-Workflow basiert konsequent auf XML-Dokumenten (insbesondere „eXtensible Server Pages“ (XSP)), die von Generatoren erzeugt eine Transformations-Pipeline durchlaufen, um abschließend von Serialisierern in die unterschiedlichsten Formate umgewandelt zu werden. Exemplarisch wurde dies an Hand von HTML, WML, PDF und SVG (Scalable Vector Graphics) vorgeführt.

Während der Ausstellung im Foyer des Hotels

Zwei weitere Power Workshops der bekannten Autoren Peter Tabatt und Peter Roßbach behandelten die klassische JSP- und Servlet-Programmierung und waren ebenfalls gut besucht. Natürlich gab es noch jede Menge anderer interessanter Themen wie Web-Services mit SOAP und UDDDI, ebXML, JDBC, JavaMail, Tomcat, Swing, Java XML API und den eMail-Server James ([20]), um nur ein paar wenige zu nennen. Die meisten davon wurden im Java Magazin besprochen, so dass es sich kaum lohnt, hier näher darauf einzugehen (eine vollständige Auflistung findet man unter [21]).
Insgesamt war die JAX2001 eine gelungene Erstveranstaltung, bei der auch der Spaß nicht zu kurz kam. Absolutes Highlight in dieser Hinsicht war der Vortrag von Suns Java-Technologie-Envagelist Max Goff, der eher an den Auftritt eines Java-Wanderpredigers erinnerte und die Zuhörer und Zuhörerinnen aufs beste unterhielt. Für gute Stimmung unter den Tagungsteilnehmern sorgte anschließend auch eine Runde Freibier. 9% der Anwesenden waren übrigens Frauen, was für eine Veranstaltung dieser Art beachtlich ist. Ebenfalls sehr amüsant war die lockere Podiumsdiskussion am darauf folgenden Tag, die ebenfalls von Freibier begleitet wurde und zu später Stunde stattfand.

Keynote von Craig Steward, Sonic Software

Generell fällt auf, dass es Sun geschafft hat, eine sehr aktive aber in sich geschlossene Java-Community zu pictureen, die zwar an offenen Standards interessiert ist und diese auch vehement unterstützt, aber im wesentlichen nur an Implementierungen in Java interessiert ist. Die „Anderen“ müssen halt selber schauen. Inwiefern Microsofts .NET hier etwas Bewegung reinbringen wird, bleibt abzuwarten. Beide Ansätze sind letztendlich proprietär und es wäre deshalb wünschenswert, wenn die Open-Source-Gemeinde im Enterprise-Bereich etwas Vergleichbares entgegenzusetzen hätte. JAXs kleiner Bruder, LAMP (Linux, Apache, MySQL und PHP/Perl/Python) kann zwar im Web ganz gut mithalten, doch bei der unternehmensweiten Integration auch von Altsystemen sieht es im Moment nicht ganz so rosig aus. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. In diesem Sinne, halten Sie die Augen auf für alternative Technologien und wir sehen uns auf der JAX2002 vom 6.-9. Mai 2002 (tschwaller@gnu.org).

Geschrieben von
Tom Schwaller
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