Gosling bricht sein Schweigen

Claudia Fröhling

Eins muss man dem Java-Vater James Gosling lassen: ein gutes Timing hat er. Während im Hilton am Union Square in San Francisco Oracle sich und seine neu erworbenen Technologien feiert, sitzt James ein paar Straßen weiter mit einem Journalisten von eWeek beim Essen und erklärt, warum er Oracle nach der Sun-Übernahme verlassen hatte.

Ärgerlich, aber nicht kriegsentscheidend waren zunächst das Gehalt und die Stellenbeschreibung, so Gosling. Oracle habe das Basisgehalt von Sun kopiert, die Bonus-Zahlungen aber gestrichen. Bei Sun erhielt man diese Bonuszahlungen je nach Erfolg des Unternehmens. „In a mediocre year you did OK, but in a good year you did great,“ so Gosling gegenüber eWeek. Das nächste Problem war die Stellenbeschreibung, denn Oracle hatte keine vergleichbare Stelle für Gosling. „In my job offer, they had me at a fairly significant grade level down.“

Der ausschlaggebende Punkt für den Weggang war dann aber schließlich ein anderer, berichtet eWeek. Oracle habe versucht, Gosling zu kontrollieren und als Art Java-Maskottchen zu benutzen.

Indeed they owned Sun and thus Java, so they also owned its creator and his intellectual property, so it was up to Oracle to decide what Gosling or anybody else had to say about Java.

Gosling hatte keine Entscheidungsbefugnisse mehr und sollte in erster Linie nur noch als berühmtes Gesicht auf der Bühne für Publicity sorgen. Deshalb verließ Gosling Oracle. „My job seemed to be to get up on stage and be a public presence for Java for Oracle. I’m from the wrong Myers-Briggs quadrant for that.“ Auch andere Sun-Verantwortliche teilten sein Schicksal, erzählt Gosling:

And although Gosling said he never had direct dealings with Ellison, „He’s the kind of person that just gives me the creeps,“ he said. „All of the senior people at Sun got screwed compensation-wise. Their job titles may have been the same, but their ability to decide anything was just gone.“

Das Interview mit eWeek gibt übrigens noch Aufschluss über eine ganz andere Sache: Oracles Klage gegen Google. Wurde Gosling von eWeek richtig zitiert, dann war Sun Microsystems wohl früher auch schon versucht, Google wegen Android zu verklagen.

“We were pretty ticked off with what they were doing and the way they were doing it,” he said of Google. “But getting into litigation is phenomenally expensive, not just in terms of money but in the time of senior people.“ Besides, “Google has the PR aura about it as being the universe’s love child,” and suing the universe’s love child was not necessarily a position Sun wanted to take, he indicated.

Um sein Java macht sich Gosling indes keine Sorgen, heißt es am Ende des eWeek-Artikels. Java habe ein Eigenleben, das auch Oracle ihm nicht nehmen könne.

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Claudia Fröhling
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