Google Web Toolkit: Was ist der Stand der Dinge?

JAXenter: Wie funktioniert das Komitee eigentlich? Hat sich GWT seit der Überführung schon weiterentwickelt?

Papick G. Taboada: Es ist noch zu früh, um diese Frage richtig beantworten zu können. Die Arbeit des Komitees kann teilweise schon jetzt online auf der offiziellen Mailingliste verfolgt werden. Bei den ersten Treffen der Mitglieder ging es (wie zu erwarten) prinzipiell um Infrastruktur und Prozessfragen: Die Prozesse rund um GWT sind sehr stark an interne Anforderungen aus der internen Google-Produktentwicklung gerichtet. So kann eine Änderung in GWT direkte Auswirkung auf interne Projekte haben. Es ist bekannt, dass Google intern für die eigene Produktentwicklung bei sehr vielen Projekten GWT einsetzt. Nicht ganz so bekannt dürfte es sein, dass das GWT Team ein Peer-Review (Vier-Augen-Prinzip) für jedes „commit“ in der Codebasis durchführt. Die dadurch erreichte Stabilität und Qualität in der Codebasis hat dazu geführt, dass Projekte nicht auf Releases, sondern direkt auf die aktuelle Codebasis aufsetzen. Änderungen an der Codebasis schlagen somit zeitnah auf interne Projekte durch. Solange alles aus einer Hand kommt, ist das auch kein Problem. Sobald sich aber GWT in der Entwicklung öffnet, müssen diese Abhängigkeiten angegangen bzw. entschärft werden.

Sobald diese Fragen beantwortet und die neuen Prozesse etabliert sind, wird sich das Komitee der ursprünglichen Aufgabe stellen können. Erst dann werden wir die Antwort auf die eigentliche Frage finden.

JAXenter: Manche haben Befürchtungen geäußert, dass Google GWT womöglich fallen lässt, um zukünftig auf native JS-Bibliotheken oder auf die eigene Sprache DART zu setzen. Was hältst du von solchen Ãngsten?

Papick G. Taboada: GWT ist nicht die Antwort auf die Frage „Was nehmen wir für das Web von Morgen“, sondern die Antwort auf die Frage, „Was nehmen wir für das Web von heute“. Alle Web-Frameworks, die aktuell eingesetzt werden, sind mehr oder weniger Ansätze, mit den Problemen in der Web-Entwicklung zurechtzukommen. Dabei geht es um Probleme auf allen Ebenen: die heterogene Laufzeitumgebungen (Browser), das ineffiziente Kommunikationsprotokoll (HTTP) und die für Umsetzung von Anwendungen bescheidene Beschreibungssprachen HTML und CSS. Auf die Besonderheiten in der Entwicklung mit JavaScript will ich gar nicht erst eingehen. Web-Entwicklung ist, unterm Strich, ein „das Beste draus machen“. In meinen Augen kommen wir mit GWT diesem Ziel sehr nahe, und ich habe seitdem wieder Spaß an der Web-Entwicklung.

Unsere Industrie ist schnelllebig. Es sei denn, wir sprechen über die Web-Entwicklung. Dann sprechen wir über 10 Jahre Stagnation. Das Web ist viel zu lange ein „Work around the problems“ und „Won’t-Fix it“ gewesen. Aus dieser Perspektive kann ich die Bestrebungen von Google und Apple in Bezug auf die Weiterentwicklung des Webs nur begrüßen. Sollten wir die Probleme der Web-Entwicklung tatsächlich gelöst bekommen, dann haben wir ein anderes Web. Und keiner kann heute sagen, wie das neue Web aussehen wird. Diese Zukunft hat weder Form noch Farbe angenommen.

Sicherlich – und hoffentlich – werden wir in Zukunft kein GWT mehr benötigen. Und kein Grails, kein Wicket, kein JSF.

Betrachten wir aber die heutige IT-Landschaft, so ist das Google Web Toolkit heute ein solides und erprobtes Framework für die Web-Entwicklung. Es wird von Google finanziert, hat keine Sorgen in Bezug auf Entwickler oder Ressourcen.

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