Interview mit Papick Garcia Taboada

Google Web Toolkit: Was ist der Stand der Dinge?

Mit dem Google Web Toolkit (GWT) lassen sich Webanwendungen in Java schreiben, die mittels eines speziellen Compilers nach JavaScript übersetzt werden. Google hat das Projekt seit Kurzem in ein unabhängiges Komitee überführt. Ein guter Zeitpunkt, um uns im W-JAX Countdown von GWT-Experte Papick G. Taboada auf den neuesten Stand bringen zu lassen.

W-JAX Countdown

Papick G. Taboada können Sie auf der W-JAX 2012 (5. bis 9. November 2012) live erleben:

Google Web Toolkit (GWT): Einführung

Was haben die Kunden von morgen heute im Web gesehen und bedient? Sind wir auch in der Lage, derartig JavaScript-lastige Anwendungen zu bauen? Wenn Ihre Kernkompetenzen im Java-EE-Umfeld angesiedelt sind, dann dürfte das GWT ein sehr interessantes Webframework für Sie sein. In diesem Vortrag werden die Konzepte rund um GWT sowie Architekturaspekte einer GWT-Anwendung betrachtet.

Alle Infos unter: www.jax.de

JAXenter: Dein Thema auf der W-JAX ist das Google Web Toolkit. Für welche Anwendungsfälle würdest du die Verwendung von GWT empfehlen?

Papick G. Taboada: Bevor ich auf die Frage direkt eingehe, möchte ich kurz das Besondere an GWT erklären. Bei GWT handelt es sich um ein sehr flexibles Framework für die Entwicklung von Web-Anwendungen, die im Browser ausgeführt werden. In Bezug auf die klassische Web-Entwicklung mit Java findet hier ein Architekturwechsel statt. Die Entwicklung in Java erleichtert das End-to-end Debugging, ermöglicht das schmerzfreie Refactoring der Codebasis sowie weitere qualitätssichernde Maßnahmen, die wir im Javaumfeld in den letzten Jahren lieb gewonnen haben, aber nie in der Web-Schicht einsetzen konnten. Der eingesetzte Java-zu-JavaScript-Compiler ermöglicht das „fail fast, fail early“-Vorgehen und nimmt somit Druck aus der Entwicklung. Zudem bietet der Ansatz prinzipbedingt eine zentrale Ansatzstelle für Performance-Optimierungen.

Zurück zu der Frage: Es gibt verschiedene Szenarien, in denen GWT sehr zu empfehlen ist. Zum Beispiel bei der Produktentwicklung, bei der Aspekte wie Erweiterbarkeit, Wartung und Pflege dank eines längeren Lebenszyklus stark in den Vordergrund treten. Oder bei Anwendungen, die in eine bestehende Landschaft integriert werden müssen: Die GWT- Anwendung besteht zur Laufzeit aus statischen Ressourcen (JavaScript, HTML, CSS, Bilder) und einigen wenigen Servlets für die Kommunikation. Natürlich empfiehlt sich GWT auch überall dort, wo mit einer sehr hohen Last zu rechnen ist: Der Server wird mit dem Rendering der Seiten nicht mehr belastet.

Spannender ist allerdings die Frage, wann ich GWT nicht empfehlen würde. Einerseits fordert GWT mehr von den Entwicklern. Wer aus der klassischen Web-Anwendungsentwicklung stammt, wird erst einmal keinerlei Erfahrung mit dem Bau eines Rich-Clients mitbringen. Hier ist der Architekturwechsel sehr deutlich zu spüren. GWT bietet viele Möglichkeiten, die allerdings mit mehr Verantwortung in der Entwicklung einhergehen. Das Team muss diesen zusätzlichen Herausforderungen gewachsen sein. Außerdem muss bei GWT im Gegensatz zu Web-Frameworks wie Grails eine Investition in eine Grund-Infrastruktur getätigt werden. Diese ist für sehr kleine Projekte unter Umständen nicht ökonomisch vertretbar.

JAXenter: Google hat GWT unlängst ja in ein unabhängiges Komitee überführt, in dem neben Google auch Industrievertreter wie Red Hat, Sencha und Vaadin beteiligt sind. Was sind die Hintergründe für diese Entscheidung Googles?

Papick G. Taboada: Auch wenn Google GWT als Open-Source-Projekt der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hat, war ein Einblick in die aktuelle Entwicklung und auf zukünftige Pläne nicht gegeben. Da Google intern GWT sehr stark einsetzt, lag der Fokus des GWT-Teams auf internen Anforderungen.

Inzwischen hat sich aber rund um GWT eine kleine Software-Industrie gebildet, die mehr oder weniger ebenso blind dem GWT-Team vertrauen mussten wie wir Entwickler. Damit meine ich die Unternehmen, die Produkte im GWT-Kontext anbieten.

Somit ist das Komitee die Antwort auf die Forderung nach mehr Transparenz.

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