Google, Raspberry Pi und die Entdeckung des Rades [M2M Minutes]

Redaktion JAXenter
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Open-Source-Initiative prpl gegründet – Gerüchte um Apples Smart-Home-Pläne – Weltpremiere des selbstfahrenden Google-Autos – Kritik am IoT-Begriff – GoPiGo: ein Roboter-Set für den Raspberry Pi

Oracle, das IoT und die Farbe Lila

„MIPS“ klingt niedlich – und ist es auch. Schließlich handelt es sich um eine Mikroprozessorarchitektur für ursprünglich 32 Bit. Man sollte MIPS allerdings nicht unterschätzen, denn das Chipdesign, dessen Name sich von „Microprocessor without Interlocked Pipeline Stages“ ableitet, ist ein Platzhirsch auf dem dem Embedded-Markt. Aus diesem Grund schloss sich Oracle, sichtlich um eine gute Positionierung auf dem IoT-Markt und um entsprechende Partnerschaften mit Chipkonzernen und Hardwareherstellern bemüht, vergangene Woche mit Imagination Technologies zusammen. Das gab Oracle auf dem Imagination Summit in Santa Clara bekannt. Der britische Konzern Imagination Technologies, der 2013 MIPS Technologies übernahm, ist spezialisiert auf MIPS-Architekturen und bestrebt, sein Ökosystem auszubauen. In einem ersten Schritt soll Java SE Embedded 8 auf 32-Bit MIPS-Architekturen (Release 2 für eingebettete Ein-Chip-Systeme) portiert werden. Die weitere Roadmap sieht u. a. JavaFX-Unterstützung für die PowerVR-Grafikkarten-Familie vor.

Oracle und Imagination beließen es nicht lange bei ihrer Zweisamkeit: Mit weiteren Partnern wie Qualcomm, Broadcom, Lantiq gründeten sie die Open-Source-Initiative „prpl“ (ausgesprochen: „purple“). Die soll helfen, das von Imagination vorgesehene Ökosystem um die MIPS-Architektur auszubauen. Qualcomm möchte sich insbesondere dem Embedded-Linux-Projekt OpenWrt widmen. Was an der Webpräsenz von prpl auffällt: Oracle wird noch nicht unter den Mitgliedern aufgelistet.

Apple und die Heimautomatisierung: Kommt bald das iHome?

Es war und ist das IoT-Gerücht der Woche: Die Financial Times will erfahren haben, dass Apple sich im Smart-Home-Sektor ein Standbein schaffen möchte. Wie The Register bemerkt, hat Cupertino mit einem Patent auf eine Personen-Lokalisierungstechnologie hier einen Trumpf im Ärmel – mit dem Bluetooth-Low-Energie-Standard iBeacon sowieso. Das iPhone könnte damit zur Schaltzentrale für Licht, Heizung, Jalousien und Küchenausstattung werden. Auch sei daran erinnert, dass das populäre Smart-Home-Startup Nest Labs vor der Übernahme durch Google zur Hälfte aus ehemaligen Apple-Mitarbeitern bestand. Holt Apple nun zum Gegenschlag gegen Google und Samsung aus? Ein offizielles Statement von Apple gibt es bislang nicht. Angeblich soll das Smart-Home-System aber auf der Hauskonferenz Worldwide Developers Conference nächste Woche präsentiert werden. 

Frisch aus der Google-Garage

Wenn man beim Anblick modernster Spitzentechnologie am liebsten gleichzeitig „Wow“ und „Awwww“ sagen möchte, muss es sich wohl um ein Google-Produkt handeln. Wie sonst sollte ein originäres Google-Auto, wie es diese Woche auf der Codecon präsentiert wurde, aussehen als bescheiden kompakt, fast kugelrund, putzig, und alles andere als technologieüberladen? Und wie sonst sollte eine derart revolutionäre Technologie das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen als durch ein verspielt-harmloses Produktdesign?

Vier Jahre nach dem Startschuss für das Driverless-Car-Projekt holte das entsprechende Team den ersten Prototyp aus der Google-Garage und lud Personen aus unterschiedlichen Alters- und Bevölkerungsgruppen zur Testfahrt ein (s. Video). Gewöhnungsbedürftig fanden die Probanden die Abwesenheit von Lenkrad, Brems- und Gaspedal. Das Fahrzeug wird einfach per Knopfdruck gestartet. Aber richtig mulmig war wohl keinem von ihnen zumute. Kein Wunder, die Höchstgeschwindigkeit des Google-Autos liegt bislang noch bei 25 Meilen/40 km pro Stunde, und die Fahrten fanden auf einer abgesicherten Strecke statt. Außerdem ergaben Studien, dass die Straßen durch selbstfahrende Autos wesentlich sicherer werden könnten, da menschliches Versagen, der größte Risikofaktor, ausgeschlossen wird.

Das Käseglocken-Design ist nicht nur niedlich, sondern erfüllt auch einen Zweck: Es ermöglicht den eingebauten Sensoren und den Passagieren einen 360-Grad-Rundumblick. Anders als bei den Kooperationen mit Lexus und Toyota verzichtete Google beim Bau dieses Zweisitzers auf eine Zusammenarbeit mit Autoherstellern und bastelte im Alleingang. Zunächst sollen 100 Prototypen gebaut werden. 

„Internet of People“ statt „Internet of Things“?

Das nennt man schnelllebig: In Zeiten, in denen der Begriff „Internet of Things“, kurz IoT, allmählich die Oberhand gegenüber „M2M“ und dergleichen gewinnt, finden ihn bereits erste Stimmen nicht mehr zeitgemäß: Daniel Newman von The Millenial CEO schreibt, IoT sei bereits seit den „frühen 2000er“ Jahren veraltet (wohlgemerkt: „Internet of Things“ wurde 1999 von Kevin Ashton geprägt). Seine Begründung: Die aufkommende IoT-Technologie sei kein Selbstläufer. Letztendlich werde sie von Menschen entwickelt und vorangetrieben. Und die haben naturgemäß nicht nur ein Interesse daran, sich immer stärker mit ihren Mitmenschen zu vernetzen. Sie möchten auch, dass der Einsatz innovativer Technologien ihren Unternehmen nützt. Das IoT entsteht nicht um seiner selbst willen. Newman schlägt daher vor, IoT durch „IoP“ zu ersetzen, kurz für „Internet of People“ – zumindest solange wir noch nicht die Ära der technologischen Singularität erreicht haben:

Today, the devices are merely interchangeable gizmos and gadgets that are being fed intelligence by the people that use them. Until the day comes (and I believe it probably will) where the things rather than the people fuel the Internet experience, we won’t have an Internet of things, but really an Internet of People.

Es ist wohl richtig, dass der Mensch, der plant, programmiert, hämmert, schraubt, lötet, vermarktet und an die Frau/den Mann bringt. Aber braucht es wirklich einen neuen Begriff, um daran zu erinnern? 

GoPiGo: Wenn der Pi zum Roboter wird

Der Raspberry Pi kommt buchstäblich ins Rollen, wie unser Crowdfunding-Projekt der Woche zeigt: Ein kompletter Robotik-Baukasten für den beliebten Einplatinencomputer erobert gerade die Herzen zahlreicher Kickstarter-Besucher. Gerade einmal 7.600 US-Dollar hatte das Team von Dexter Industries aus Arlington, Virginia als Finanzierungsziel angegeben. Mehr als zwei Wochen vor Ende der Kampagne wurden rund 56.000 Dollar gesammelt. (Update: Die Kampagne wurde bereits beendet.) Das GoPiGo-Paket enthält alles, was es für den spielerischen Einstieg in die Roboterprogrammierung braucht, darunter Motoren, Schalter und eine Stromversorgung. Natürlich lässt sich der kleine Zweiräder auch mit einer Pi-Kamera ausstatten, um so Objekte zu tracken, Räume zu kartieren oder Gesichter zu erkennen. Als Betriebssystem kommt ein leicht verändertes Raspbian-Image zum Einsatz, das auf GitHub zur Verfügung stehen wird. Über ein speziell entwickeltes API kann der Roboter in Python programmiert werden. Gerade einmal 100 Dollar soll das Paket kosten.

Man stelle sich alle 2,5 Millionen Raspberry Pis dieser Welt auf Rädern vor. Das wäre der Beginn einer Robolution! 

 

 

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