Die Google I/O: Neues zu Android N und Co.

Google I/O 2016: Google Home und Google VR Daydream [Update]

Redaktion JAXenter

Auf der diesjährigen I/O-Konferenz hat Google zahlreiche Neuheiten – gerade im Bereich Mobile – vorgestellt. Dazu gehört auch Google VR Daydream, die neue Mobile-Virtual-Reality-Plattform, die sowohl Hard- als auch Software umfasst und mit der neuen Android-Version Android N funktionieren soll. Auch Google Home, ein intelligenter Lautsprecher für das Smart Home erregte Aufsehen. Wir stellen die Neuheiten aus dem Hause Google vor.

Update vom 20.Mai 2016:

Dass Google auf seiner Entwicklerkonferenz neue Hardware für den Smart-Home-Bereich vorstellen wird, ist schon seit letzter Woche kein Geheimnis mehr: Unter dem internen Projektnamen Chirp kursierten schon seit längerem Entwürfe und Gerüchte zu Googles neuem smarten Lautsprecher – den das Unternehmen übrigens selbst als „voice-activated home product“ bezeichnet. Bei der Google I/O war es dann soweit und Google Home wurde der Öffentlichkeit präsentiert.

Ok Google, hier kommt Google Home

Google Home ähnelt Amazon Echo doch ziemlich: Das Design der Geräte gleicht sich, und auch die Funktionsweise ist fast identisch. Auf der Oberseite des zylinderförmigen Lautsprechers sind mehrere bunte LEDs angebracht, die farbige Unterseite kann ausgetauscht werden. Wie Echo kann auch Home als einfacher Lautsprecher fungieren, über den via Wifi-Verbindung Musik abgespielt oder Nachrichten vorgelesen werden. Zudem offeriert Google Home Google-Cast-Support, sodass er mit anderen Lautsprechern kombiniert werden oder etwa Videos via Chromecast auf dem TV abspielen kann. Natürlich funktioniert das Ganze per Sprachsteuerung.

Google Assistant

Denn genau wie Amazon Echo verfügt auch Google Home über einen virtuellen Assistenten namens Google Assistant, der verschiedene Sprachkommandos verstehen und Smart Devices steuern kann. Google Assistant tritt also in direkte Konkurrenz zu Amazons Alexa, die den Echo steuert. Googles virtueller Assistent greift auf Software zurück, mit der verschiedene Aufgaben im Haushalt bewältigt werden können: Da sich die Technologie auf Google-eigene Dienste stützt, ist klar, dass sich sämtliche Geräte aus der Nest-Familie über den Sprachassistenten steuern lassen. So kann man also beispielsweise das Thermostat via Sprachbefehl einstellen oder das Licht (d. h. Philips-Hue-Lampen) ein- bzw. ausschalten. Google Home fungiert ferner als Internet-of-Things-Hub. Das bedeutet, dass nicht nur Devices der Google-Familie über Google Assistant steuerbar sein sollen. Google verspricht darüber hinaus, dass Google Home alle smarten Geräte – Lampen, Kameras, Thermostate etc. – ansteuern kann. Home funktioniert übrigens auch über ein angeschlossenes Smartphone.

Konkurrenz für Amazon Echo?

„Wir müssen dem Team bei Amazon für den Ansatz danken“, sagte Google-CEO Sundar Pichai auf der Entwicklerkonferenz – man weiß in Mountain View also, den Ideengeber zu würdigen. Amazon Echo und Google Home – zwei beinahe identische Devices, doch welches ist jetzt „besser“? Im Grunde geht es nicht um die Frage nach dem Gerät, sondern darum, was dahinter steckt: Die künstliche Intelligenz für die Sprachsteuerung.

Google hat auf dem KI-Gebiet bereits einige Erfolge erzielt: So besiegte die KI AlphaGo im März den weltbesten menschlichen Go-Spieler – bis dato ein Ding der Unmöglichkeit. Geht man davon aus, dass Google Assistant auf ähnliche Quellen, beispielsweise den Knowledge Graph, zugreift, lässt sich das ganze Potenzial der Technologie erahnen. Einen ersten Einblick gab es bereits: Fragt man etwa danach, wie viel Fett eine Avocado enthält, bekommt man nicht nur die richtige Antwort geliefert. In Folge sind auch kontextabhängige Fragen, wie z. B. „Was kann ich damit kochen?“, möglich, die verstanden werden.

Wie herausragend diese Möglichkeiten auch sein mögen, kommt Google Home doch ziemlich verspätet auf den Markt und reagiert eher auf die Konkurrenz aus dem Hause Amazon, als eigene Akzente zu setzen. Amazon hat bereits das Alexa Skills Kit SDK quelloffen zugänglich gemacht, womit sich der Funktionsumfang erheblich erweitert, da sich Web-Angebote auch außerhalb von Amazon integrieren lassen. Auch der Alexa Voice Service und damit der Sprachassistent stehen Open Source. Anders als die Konkurrenz schafft Amazon durch die Öffnung für Drittentwickler konkrete Use Cases, um Echo in einem vielseitigen Ökosystem von Geräten zu integrieren. So wurden die SDKs bereits genutzt, um smarte Beleuchtung zu steuern, Thermostate von Nest zu regeln und unzählige weitere Home-Automation-Anwendungen durchzuführen.

Es bleibt also spannend, wer im weiteren Verlauf die Nase vorn hat? Der bereits etablierte und erprobte Amazon Echo mit dem Sprachassistenten Alexa? Oder doch Google Home, der auf eine breite Google-Nutzerbasis und die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz zurückgreifen kann?

Google Daydream

Daydream soll vor allem eine fortgeschrittene Alternative zum ebenfalls von Google entwickelten Cardboard bieten. Im Gegensatz zu Google Cardboard, das mit fast jedem Device funktioniert, soll Daydream jedoch exklusiv für Next-Generation-Android-Smartphones zur Verfügung stehen.

Dafür arbeitet Google mit Hardware-Herstellern wie HTC, Samsung, LG, Xiaomi, Huawei, ZTW, Asus und Alcatel zusammen; bis zur möglichen Veröffentlichung im Herbst sollen sie Devices mit entsprechenden Hardware-Komponenten wie hochauflösenden Displays und speziellen Sensoren herstellen.

Doch damit nicht genug: Neben einem Daydream-fähigen Mobile Device wird auch Googles neues VR-Headset und der zugehörige Controller benötigt, die ebenfalls auf der I/O vorgestellt wurden – wenn zunächst auch nur in einem Referenzdesign.

SDKs für Daydream

Da die benötigten Devices erst noch hergestellt werden müssen und auch die finale Veröffentlichung von Android N noch einige Zeit dauern wird, können Entwickler bisher nur eingeschränkt mit Google VR Daydream arbeiten. Aktuell unterstützen zudem nur das Unity SDK und das Android SDK Daydream; für die Zukunft will Google laut Adi Robertson und Ross Miller zur Entwicklung von Applikationen und Software aber auch mit Medienunternehmen wie etwa der Streaming-Plattform Netflix oder Spieleunternehmen wie Ubisoft und Electronic Arts zusammenarbeiten.

Darüber hinaus sollen auch die Google-eigenen Plattformen und Dienste YouTube, Street View, Play Movies, Google Photos und der Google Play Store als spezielle Virtual-Reality-Versionen zur Verfügung stehen. Entwickler können beide SDKs bereits jetzt vom Google VR Hub herunterladen und sich mit deren Nutzung vertraut machen.

Übrigens fehlen die Augmented-Reality- und Mapping-Optionen, die Project Tango mit sich bringt. Stattdessen liegt der Fokus von Daydream auf der Bereitstellung eines kompakten Hard- und Softwarepakets, das Usern eine neue VR-Experience vermitteln soll.

Mehr Informationen zu Google VR Daydream bietet auch die Projektseite. Informationen zum Preis der VR-Plattform gibt es derzeit noch nicht; Robertson und Miller vermuten, dass Daydream preislich vergleichbar zur Samsung Gear VR bei circa 99 US-Dollar liegen könnte – immerhin ist das Samsung-Headset der größte Mitbewerber in Sachen Mobile-VR-Plattform.



Update vom 19. Mai 2016:

Android N Developer Preview 3

In Android N fokussieren sich die Entwickler auf Performance, Produktivität und Security, heißt es auf dem Android Developer Blog. Schon in den Developer Previews 1 und 2 gab es mit dem JIT Compiler und dem 3D Rendering API Vulkan zwei Neuerungen, welche die Performance deutlich verbessert haben. Von dem bereits vorgestellten Multi-Window Support und der Möglichkeit der Direktantworten profitiert die Produktivität des Systems. Mit Seamless Updates soll sich nun der Kreis aus Performance, Produktivität und Security schließen: Damit sollen Updates à la Chromebook im Hintergrund geladen werden.

Ein spannendes Feature in der dritten Preview von Android N sind die Instant Apps. Damit sind Inhalte in noch nicht installierten Applikationen nur einen Tap entfernt: Die Apps müssen nicht mehr installiert werden, Inhalte können aus der Google-Suche oder einem Social-Media-Kanal geladen werden.

Ein Anwendungsfall aus Nutzersicht: Jemand schickt Ihnen via Messaging App einen Link zu einem Rezept. Dieses Rezept befindet sich in einer App, die Sie noch nicht auf Ihrem Smartphone installiert haben. Bisher wurden Sie in diesem Fall dazu aufgerufen, zunächst entsprechende App zu laden um dann über den Link zu dem gewünschten Rezept zu gelangen. Instant Apps sollen diesen Schritt überspringen und Sie direkt, ohne den Download der App, zu den gewünschten Inhalten führen. Der modulare Aufbau der App macht es möglich: Dadurch, dass nur der Code für die Darstellung der gewünschten Inhalte geladen wird, können diese schnell „on the fly“ dargestellt werden. Wem es geschmeckt hat, der kann im Anschluss die Rezepte-App wie gewohnt auf sein Smartphone laden. Im folgenden Video erklärt Ihnen Suresh Ganapathy noch mal im Detail, wie das funktioniert:

Android Instant Apps können ab Android Jelly Bean genutzt werden. Aus Entwicklersicht muss keine eigene Version der App erstellt werden, die Funktionalität wird durch ein Upgrade der existierenden App aktiviert. Mehr Informationen finden Sie auf der Google Developer Page zu Instant Apps.

Für alle, die es verpasst haben, gibt es hier noch mal die Vorstellung der neuen Features in Android N im Video. Die wichtigste Botschaft an die Entwickler: Macht mit!

Android Wear

Wir dürfen uns auf die Preview der zweiten Hauptversion von Android Wear freuen: Neben einem verbesserten UI soll Android Wear 2.0 auch mit Verbesserungen der Watch Faces, dem Messaging und den Fitness-Funktionen ausgestattet sein, heißt es auf dem Android Developer Blog.

Standalone Apps: Auch eine eigenständigere Nutzung der Uhr stand im Fokus der Entwickler. Denn mit Android Wear 2.0 sollen Applikationen direkten WiFi- und Cloud-Zugriff haben, ohne auf Data Layer APIs zugreifen zu müssen. Damit geht einher, dass die Uhr auch ohne eine direkte Kopplung mit einem Smartphone funktionieren kann.

Für Entwickler hat Google mit dem Material Design for Wearables Guide eine UI-Fibel vorgestellt, mit deren Hilfe Apps konsistenter und intuitiver gemacht werden sollen.

Auch ein neues Notification Template und der Support der neuen Android N Fetaures wie die Unterstützung von Java 8 Features findet sich in Android Wear 2.0. Eine vollständige und detaillierte Auflistung finden Sie auf dem Android Developer Blog. Zur Developer Preview von Android Wear 2.0 geht es hier lang. Das Release von Android Wear 2.0 ist für Q4 2016 geplant.

Android Studio

Last but not least interessiert Mobile-Entwickler natürlich auch der Stand der Dinge bei Android Studio. Auch zu JetBrains Entwicklungsumgebung gab es eine Preview bei der Google I/O 2016. Dieser ist ein überarbeiteter Layout Designer und ein Constraint Layout spendiert worden. Damit soll das Design für die verschiedenen Geräte deutlich einfacher gestaltet sein, Android Studio 2.2 übernimmt automatisch die Kalkulation möglicher Constraints bezüglich der Größe der verschiedenen Geräte. Android Studio 2.2 will außerdem mit IntelliJ IDEA 2016.1, verbesserter Code-Analyse, einem verbesserten Jack Compiler – kleine Erinnerung: dieser Compiler ist mit Android N für die Verwendung der Java-8-Features nötig – bei den Entwicklern punkten. Dazu werden wir heute Abend um 19 Uhr unserer Zeit bei der Keynote What’s new in Android development tools mehr erfahren.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich wohl sagen, dass es gerade zu Android N keine großen Überraschungen gab. Durch die Developer Previews 1 und 2 sind die spannenden Neuerungen bereits bekannt geworden, hier handelt es sich eher, wie Chet Haase in der Keynote betont, um „new-ish“ und nicht um „new features“. Dabei hätte man sich die heiße Story doch für die Google I/O aufheben können? Vielleicht. Der frühe Release-Zeitpunkt für die erste Developer Preview spricht aber eine andere Sprache.

Schon früher als von vielen erwartet, wurde die Community dazu aufgerufen, sich an der Verbesserung des Betriebssystems zu beteiligen. Das ist zwar bei einer Preview erst mal nicht ungewöhnlich, aber vielleicht geht es ja Google tatsächlich eher um das baldige Release einer durch viele Entwickler getesteten und verbesserten Version seines mobilen Betriebssystems – und gar nicht so sehr um den großen Knall bei der Keynote?

Wobei, Understatement kann man Google bei dieser großen Bühne und dem Festival Flair wohl auch nicht unterstellen …



 

Originalartikel vom 18. Mai 2016:

Google I/O 2016: Sehen Sie hier die Keynote im Live-Stream

Für Google und vor allem für die zahlreichen Entwickler in den verschiedenen Bereichen des Unternehmens – Mobile, Virtual Reality und Co. – ist es das Event des Jahres: die Google I/O 2016. Die Veranstalter selbst bezeichnen das Event nicht als Konferenz, sondern als Festival – hier auf JAXenter können Sie die Eröffnungs-Keynote im Livestream mitverfolgen.
Bei der diesjährigen Google I/O in San Francisco steht wohl ein Thema besonders im Vordergrund: Android N. Wir erwarten, einiges über die neue Version zu erfahren. Neben der Präsentation neuer Features wie Multi-Window, wäre es auch mal interessant zu wissen, ob die neue Version Nougat, Nutella oder gar New York Cheesecake heißen wird. Außerdem können wir Neuigkeiten zu Android Pay, Progressive Web Apps, Virtual Reality und Android Auto erwarten.

Verpassen Sie Nichts und klicken Sie sich heute Abend um 19 Uhr unserer Zeit hier in den Live Stream rein, viel Spaß!

Aufmacherbild: tanuha2001 / Shutterstock.com

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Google I/O 2016: Google Home und Google VR Daydream [Update]"

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: