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Google veröffentlicht Umfrageergebnisse zu Programmiersprache Go

Marcel Richters
Gopher

CC-BY Takuya Ueda

2012 wurde die erste stabile Version von Googles Programmiersprache Go veröffentlicht. Was sich seither verändert, untersucht der Konzern in jährlichen Umfragen. Jetzt wurden die Ergebnisse von 2017 vorgestellt. Dabei wird deutlich, dass es Go noch an Bibliotheken fehlt.

APIs und Programme auf Basis von Go sind kein Privatvergnügen mehr

Die wichtigste Erkenntnis aus der Nutzerbefragung zu Googles Programmiersprache Go ist wohl, dass Go in der Arbeitswelt angekommen ist. Zum ersten Mal gaben mehr Teilnehmer an, Go auf der Arbeit (67%) als in ihrer Freizeit (63%) zu nutzen. Mit Abstand am häufigsten wird Go im Bereich Webprogrammierung genutzt. 61% der Teilnehmer arbeiten in diesem Bereich, weit dahinter kommt mit 37% die Systemprogrammierung und Netzwerkprogrammierung. Damit ergeben sich im vorderen Feld keine Unterschiede, lediglich die Nutzung von Go in den Bereichen Mobile und Desktop/GUI-Anwendungen ist weniger geworden.

Go Umfrage 2017

Inzwischen wird Go eher am Arbeitsplatz als in der Freizeit programmiert. Quelle: Google

Geschrieben werden mit Go API- und RPC-Services (65%). Damit hat dieses Anwendungsgebiet ausführbare und interaktive Programme (63%) vom ersten Platz gestoßen. Dahinter folgen Webservices (49%), Agents und Daemons (44%) und später Bibliotheken und Frameworks sowie Skripte und Automationen. Diese Arbeiten verrichten die Teilnehmer größtenteils täglich (48%) oder wöchentlich (29%). Die meisten kennen sich neben Go auch noch mit JavaScript, Python und Java aus, bevorzugen aber nach Go in umgekehrter Reihenfolge Python und JavaScript.

Zufrieden mit Go – trotz fehlender Bibilotheken

Wer mit Go arbeitet, ist offenbar auch zufrieden mit der Sprache. So stimmen 85% der Aussage „ich würde Anderen die Nutzung von Go empfehlen“ zu. 78% würden Go bei ihrem nächsten Projekt bevorzugen. Allerdings gibt es auch Gründe, die Programmierer davon abhalten, Go zu nutzen. Neben Projekten in anderen Sprachen und gegenläufigen Präferenzen in Team und Teamleitung sind es wichtige Features (20%) und Bibliotheken (17%), die vermisst werden. Damit ist die Zahl derer, denen in Go Features fehlen, um 9% gestiegen.

Die wichtigsten Bibliotheken, die noch nicht Teil des Go-Biotops sind, sind solche für GUI/UI. Beide Begriffe kommen auf 6,7% der meistgenannten freien Antworten für fehlende Bibliotheken. Entsprechend groß ist auch das Interesse, wenn es darum geht, selbst zu Go beizutragen. Das tun 23,2% mindestens einmal im Monat. Für Beiträge im Rahmen von Standardbibliotheken (29%) und Tools (21%) sowie Dokumentationen und Tutorials mit je 18% interessieren sich die meisten.

Genutzt wird Go vor allem, um Writing Logs und Metrics zu implementiert (52%). Aber auch Lese- und Update-Konfigurationen (50%) sowie User Log-ins bzw. Authentifizierungen und Prozess-zu-Prozess-Kommunikation sind mit 45% und 44% bedeutende Anwendungsgebiete.

Linux liegt vorne, deployt wird zuhause

Wie auch im letzten Jahr entwickeln die meisten auf Linux-Systemen (64%), gefolgt von MacOS (49%) und weit dahinter Windows mit 18%. Dennoch kommt in den meisten Fällen VSCode von Microsoft zum Einsatz (40%) und hat damit den immer noch stark vertretenen Edito Vim mit 36% vom ersten Platz verdrängt. IntelliJ/GoLand sind mit 26% wichtiger geworden, Sublime Text und Atom mit 14% und 15% haben jeweils vier Prozent abgeben müssen.

Wenn es darum geht, Go-Programme zu deployen, nutzen die meisten Entwickler und Unternehmen eigene Server (43%), weit dahinter liegt AWS EC2 (27%) und gar keine Server-Nutzung (13%).

Internationale Community und viele Informationsquellen

Wer Fragen zu Go hat, informiert sich bei Stack Overflow, Golan.org oder direkt im Source Code. Aber auch GitHub und Kollegen sind beliebte Informationsquellen. Neuigkeiten finden mit Abstand die meisten bei blog.golang.org. Gefolgt von Twitter, Reddit (r/golang), Golangweekly.com und Hacker News mit fast gleich großer Beliebtheit.

Umfrage Go 2017_2

Die deutsche Community spielt für Go eine wichtige Rolle. Quelle: Google

Die Community rund um Go ist dabei international aufgestellt. Zwar kommt mit 25% der Umfrageteilnehmer der Großteil aus den USA, aber auch Deutschland (7%), Großbritannien (6%) und Kanada, Frankreich und Russland (je 3%) haben eine große Community.

Mit der wachsenden Beliebtheit von Go am Arbeitsplatz bleibt es spannend zu sehen, ob die Sprache auch in Zukunft an Verbreitung dazugewinnen kann. Gerade im Bereich der UI-Entwicklung und der Bibliotheken scheint es noch Bedarf zu geben. Dass Go hier aber nicht auf so umfangreiche Ressourcen zugreifen kann, wie die direkte Konkurrenz JavaScript und Python, erklärt sich durch das geringere Alter von Go. Aber dank Community-Unterstützung und der Arbeit von Google selbst könnte es gut sein, dass die Antworten in der nächsten Umfrage schon wieder anders aussehen. Wer die Ergebnisse der diesjährigen Studie sucht, findet sie im offiziellen Blog.

Geschrieben von
Marcel Richters
Marcel Richters
Marcel hat Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und danach als E-Commerce-Manager gearbeitet. Seit Februar 2018 unterstützt er das Team von JAXenter als Redakteur. Daneben arbeitet er als freier Journalist in der Mainmetropole.
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