Google Dart: Fakten versus Verschwörungstheorien - JAXenter

Google Dart: Fakten versus Verschwörungstheorien

Hartmut Schlosser

Googles Konzept für die neue Dart-Sprache ist nun dem wachsamen Auge der Öffentlichkeit enthüllt. Und wie bei jeder technologischen Neuerungen aus dem Google-Stall ist das Interesse groß. Kreativität ist nun wirklich ein Merkmal der Entwicklerzunft – und damit ist diesmal nicht die Ingenieurskunst der Sprachdesigner gemeint, sondern die fantasievollen Deutungsversuche der Entwickler, die sich Dart zum ersten Mal zu Gemüte führen.

Die Facts liegen auf dem Tisch: Google hat eine Klassen-basierte, objektorientierte Sprache vorgelegt, die über optionale statische Typisierung, ein Erlang-inspiriertes Aktoren-Modell, Generics und Closures verfügt. Und irgendwie erinnert das ganze mehr an ein verbessertes Java als ein Ersatz für JavaScript.

Doch worauf zielt Google wirklich ab? Das ist die große Frage der Verschwörungstheoretiker unter uns, die sich mit den offiziellen Google-Angaben irgendwie nicht so recht anfreunden können. Zwei Kostproben eloquenter Deutungskunst:

In der Technical Overview ist zu lesen, dass Dart Client-seitig in JavaScript übersetzt werden soll, lediglich Server-seitig steht ein eigener Dart-Compiler zur Verfügung. Wird Dart also so etwas wie der Nachfolger des Google Web Toolkit? Schließlich kompiliert GWT Java-Code nach JavaScript – mit Dart könnte das Ziel verfolgt werden, in der Vergangenheit immer wieder aufgetretene GWT-Schwierigkeiten auszuräumen, die mit dem Problem zusammenhängen, Java nach JavaScript zu bringen.

Oder was ist damit: Google stellt eine neue Sprache samt VM für die „strukturierte Webentwicklung“ vor, die man doch irgendwie auch gut auf mobilen Devices gebrauchen könnte. Schließlich hat Google wegen seiner Java-Nutzung auf Android gerade Oracle am Hals – warum dann nicht einfach Java und die Dalvik VM durch Dart und die DartVM ersetzen?

Aber vielleicht glauben wir ja auch an die von Google selbst herausgegebenen Ziele:

Offiziell soll Dart die aktuellen Schwachstellen der Webprogrammierung beheben, beispielsweise der schwache Support für Libraries, das Fehlen statischer Typisierung, das unzureichende Tooling. Die schlechte Performanz von JavaScript soll überwunden werden, und in diesem Zuge mit den Design-Schwachstellen von JavaScript aufgeräumt werden. Das neue Typensystem soll die Flexibilität einer dynamischen mit der Sicherheit einer statischen Typisierung vereinen.

Auf der Dart-Einführungskeynote zeigten die Sprachdesigner Lars Bak und Gilad Bracha bereits einen in Dart geschriebenen Newsreader, der in Chrome und auf einem iPad lief. Die Programmierung wurde über ein Plug-in in der Eclipse IDE erledigt. Soweit so gut.

Doch dann gab Lars Bak seine Einschätzung wieder, dass JavaScript noch lange unter uns weilen werde. Dart gehe auch gar nicht als Wettbewerber für JavaScript ins Rennen, sondern werde gegen die Fragmentierung der mobilen Plattformen entwickelt.

Hmm, da kommt man ja dann doch wieder ins Grübeln. Dart gegen die mobile Fragmentierung? Haben die Verschwörungstheoretiker vielleicht doch nicht ganz so unrecht?

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Hartmut Schlosser
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