Google & Eclipse: Freie GUI-Builder nicht nur für Java - JAXenter

Google & Eclipse: Freie GUI-Builder nicht nur für Java

Hartmut Schlosser

Begeisterung löste gestern die Ankündigung Googles aus, die Werkzeuge WindowBuilder und CodePro Profiler der Eclipse Foundation zu übergeben. Code und IP-Rechte im Wert von 5 Millionen US-Dollar sollen der Open Source Community zur Verfügung gestellt werden. Und nicht nur die Eclipse-Community freut sich über die freie Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger GUI-Builder für SWT, GWT, Swing und Analysetools für Java-Anwendungen.

Die Produkte waren von Eclipse-Tooling-Anbieter Instantiations entwickelt worden und durch deren Übernahme im August 2010 durch Google in den Besitz des Suchmaschinen-Giganten gelangt. Bereits im September hatte Google die Instantiations-Tools GWT Designer, CodePro AnalytiX, WindowBuilder Pro und WindowTester Pro kostenlos zur Verfügung gestellt. Da diese Werkzeuge auf Eclipse basieren, war die Integration der Tools in das Projekt-Portfolio der Eclipse Foundation im Grunde der nächste logische Schritt.

Laut Produktmanager Eric Clayberg hatte Google dementsprechend viele Anfragen erhalten, die Open-Source-Strategie ernst zu nehmen und die Werkzeuge „auf das nächste Level“ zu heben. Im Rahmen der Eclipse-Projekte WindowBuilder und Runtime Analysis Tools (RAT) soll der enge Fokus der allein stehenden Anwendungen nun ausgeweitet werden und gemäß des Eclipse-Ansatzes generische und erweiterbare Frameworks entstehen.

So zielt das WindowBuilder-Projekt darauf ab, einen allgemeinen Rahmen für die Entwicklung von GUI-Design-Tools für jede Sprache und jedes UI-Framework bereit zu stellen. Die derzeitige Beschränkung auf Java- und XML-basierte Frameworks soll aufgebrochen werden und durch Support zusätzlicher Technologien wie C++, JavaScript, PHP ergänzt werden. Auch andere Toolkits als die derzeit unterstützten Swing und SWT sollen integriert werden.

Das Projekt Runtime Analysis Tools legt seinen Fokus auf die Bereitstellung eines Frameworks für Profiling-, Performanz- und Speicheranalyse-Werzeuge, die nahtlos in die Eclipse-Plattfrom integriert werden sollen. Eine exemplarische Implementierung eines Profilers für Java soll enthalten sein, auch hier sollen zukünftig weitere Plattformen und Sprachen unterstützt werden.

Eclipse Marketing-Chef Ian Skerrett wird auf InformationWeek mit den Worten zitiert, Googles Codebeiträge seien sehr bedeutsam für Eclipse-Entwickler. Als „Geschenk“ an die Eclipse Foundation würde Skerrett Googles Quellcodeübergabe nicht bezeichnen, da Google selbst sich bereit erklärt habe, den Großteil der Weiterentwicklung innerhalb der neuen Projekte zu übernehmen.

Auf den Projektproposals sind indes auch andere interessierte Parteien wie Cloudsmith, Compeople, OnPositive Technologies, Motorola und Genuitec gelistet. Ob sich hier eine wirklich diversifizierte Community um die Projekte entwickeln wird, oder ob es sich um einen Alleingang Googles unter dem Dach der Eclipse Foundation handeln wird, bleibt abzuwarten.

Kommerzieller Support für die neuen Projekte soll laut Pressemitteilung jedenfalls auch von anderen Parteien geleistet werden. Genuitec, das Unternehmen hinter der kommerziellen Eclipse-Distribution MyEclipse, hat Pläne bekannt gegeben, Unterstützung für WindowsBuilder-basierte Produkte anzubieten. Der Anbieter OnPositive plant kommerziellen Support für den CodePro Profiler (bzw. das neue Eclipse-Projekt RAT).

Interessiert war Google an den Qualitätswerkzeugen von Instantiations wohl vor allem wegen der guten Unterstützung für das Google Web Toolkit. Die Quellöffnung der Werkzeuge wird die Zugänglichkeit des GWT für Java-Entwickler sicherlich erhöhen. Außerdem darf angenommen werden, dass die Übernahme von der Überlegung motiviert war, die für das eigene Geschäft wertvollen Instantiations-Tools nicht in die Hände eines Konkurrenten fallen zu lassen.

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Hartmut Schlosser
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