Google & Dart: Auf Kriegspfad mit JavaScript?

Hartmut Schlosser

Was führt Google mit seiner neuen Websprache Dart im Schilde? – eine Frage, die seit der Ankündigung einer Konferenz-Keynote namens „Dart, a new programming language for structured web programming“ die Runde in der Blogosphäre macht. Dann kam die durchgesickerte E-Mail vom November 2010, in der zu lesen stand, Google arbeite mit Dart an einem Ersatz für JavaScript.

Steht Google jetzt also auf Kriegspfad mit JavaScript? Googles Chrome-Frame-Entwickler Alex Russell relativiert.

Google ist groß

Auf seinem Blog schreibt Russell, Google habe sich weiterhin absolut der Aufgabe verschrieben, JavaScript zu verbessern. Bei den Informationen aus der besagten E-Mail handelt es sich wohl um das Ergebnis eines Planungsmeetings, an dem Russell selbst nicht teilgenommen hat – obwohl sein Name unter dem Dokument steht. Die E-Mail enthalte ein internes Entwurfspapier, so Russell, das weder die Realität dessen widerspiegele, was seither passiert sei, noch seine eigene Überzeugungen reflektiere.

Google ist groß, sagt Russell, und genauso wie er selbst enthusiastisch einer Verbesserung von JavaScript zuarbeite, gebe es andere Gruppen bei Google, die Feuer und Flamme für das neue Dart-Projekt und den Ansatz eines Neubeginns seien.

Das war´s dann aber auch schon, was Russell über Dart zu sagen hat, für alles Weitere verweist er auf die erwähnte Konferenz-Keynote von Gilad Bracha und Lars Bak.

JavaScript und die Zukunft des Web

Nicht uninteressant ist von Russell dann aber zu hören, wie man bei Google die Zukunft von JavaScript zu beeinflussen gedenkt. Im Rahmen des Ecma Technical Committee 39 (TC39) verfolgt man das Ziel, Syntax für allgemein benötigte Semantiken zu spezifizieren. Als Beispiele gibt Russell eine kürzere Syntax für Funktionen sowie eine class-Anweisung als syntaktischen Zucker für das Konstruktor Function Pattern an. Abgeleitete Funktionen, Modules und Scoped Object Extensions sollen JavaScript weiter verbessern.
Auch Traits, This und ein flexibles Typensystem schweben Russell vor, der mit dem Satz schließt:

Simply stated, Google is absolutely committed to making JavaScript better, and we’re pushing hard to make it happen.

Das wahre Problem der Webentwicklung liegt für Russell aber nicht in einer geeigneten Programmiersprache – sondern in den Unzulänglichkeiten anderer Webtechnologien wie DOM, CSS und HTML. Unter verschiedenen Dächern spezifiziert, mit allerlei historischem Ballast beladen, seien diese nicht auf die Bedürfnisse des Webentwicklers zugeschnitten:

Let me put it another way: when you find yourself thinking „man, JavaScript sucks,“ remember that it’s only painful in large quantities. And why do you need so much of it? ‚Cause the DOM, CSS, and HTML standards are letting you down. Any language wired up to the browser today is subject to the same fate, and the insane reality that these things are specified under different roofs in processes that aren’t subject to the popular will of web developers.

Das Problem ist also nicht die Sprache, sagt Russell, das Problem ist die Plattform.

We can fix these things, of course, and here at Google we’re trying – in good faith – to work in standards to make them better. But the bottom line is that the language isn’t the problem. I repeat: the language isn’t the problem, the platform is.

Das einzige, was das Web als universelle Plattform ersetzen wird, sei die nächste Version des Web. Darüber herrsche bei Google schließlich Konsens: dass man die Dinge verbessern müsse. Nur das „Wie“ werde mitunter kontrovers diskutiert.

The only thing that’s going to replace the web as universal platform is the next version of the web. Those of us working on Chrome believe that to the core and feel a deep urge to make things better faster. We might not always agree on the „how,“ but we all believe that we can’t do it alone.

Russell plädiert also im Grunde dafür, übergreifende neue Standards, die auf einem möglichst breiten Konsens beruhen, für das Web der Zukunft auszuarbeiten. Eigentlich benennt diese Aussage dann aber doch das Problem des neuen Sprachentwurfs Dart. Dart ist zunächst einmal ein Alleingang von Google – schwer vorstellbar, dass dieser Entwurf von allen wichtigen Playern als neuer Webstandard der Zukunft anerkannt wird, der JavaScript langfristig ersetzen wird! Naja, warten wir´s ab!

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Hartmut Schlosser
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