Roman Stanek von Systinet im Gespräch

Go simple, go standard, and go fast

Stefan Wunderlich

Roman Stanek gründete im Jahre 2000 mit Systinet eine der ersten dezidierten Web Services-Companies. Das Unternehmen reüssierte mit seinen WASP-Produkten und konnte bislang als eines der wenigen kleineren innovativen Unternehmen im Web Services-Markt seine unabhängige Stellung bewahren. Wir sprachen mit Roman Stanek über die Bedeutung von Web Services nach dem großen Hype und den aktuellen Trend zu Service-orientierten Architekturen.

XML & Web Services Magazin: Herr Stanek, können Sie uns kurz etwas zum Background Ihrer Firma – Systinet – sagen? Wann kamen Sie ursprünglich auf die Idee, eine Web Services-Plattform zu entwickeln und zu vertreiben?Roman Stanek: Wir waren mit der Idee einer Web Services-Infrastruktur-Company im März 2000 bei den ersten. Uns war damals klar, dass unsere Kunden eine verteilte, webbefähigte Technologie auf Basis von XML benötigten. Systinet war übrigens das erste Unternehmen, das ein kommerzielles Produkt für die Erstellung von Web Services vermarktete. Und seit dieser Zeit haben wir weiter XML Web Services-Technologien entwickelt.XM: Sie haben ihr Flaggschiffprodukt, das Web Services-Toolkit WASP (Web Application and Services Platform), stets als eine plattformunabhängige Infrastruktur vermarktet? Was genau bedeutet in diesem Zusammenhang Plattformunabhängigkeit?Stanek: Unser Ansatz besteht darin, unseren Kunden für ihre gesamte bestehende Legacy-Infrastruktur dieselbe Abstraktion bzw. dieselbe Schnittstelle zur Verfügung zu stellen. Dabei kann es sich um Standardanwendungen wie BMC Software oder Interwoven, App Server, Message-Oriented Middleware wie Tibcos TIB/Rendezvous oder IBMs WebSphere MQ oder auch C++-Applikationen handeln. Für uns hat Plattformunabhängigkeit eine wesentlich breitere Bedeutung als nur J2EE oder .NET. Die Vereinfachung von Legacy ist eines der bedeutsamsten Probleme, das unsere Kunden haben.XM: Was halten Sie – als kleinerer, unabhängiger Anbieter – von dem großen Duell zwischen den J2EE- und .NET-Lagern? Denken Sie, dass diese Konkurrenzsituation eine positive Auswirkung auf die Entwicklung und Durchsetzung von Web Services hat?Stanek: Es ist ein wichtiger Kampf – und wir wollen eigentlich nicht, dass eine der beiden Seiten den vollständigen Sieg davonträgt. Die Welt braucht eine Gewaltenteilung. Aber das Ganze schafft auch eine Öffnung für uns, da wir Lösungen für die zahlreichen Interoperabilitätsprobleme, die zwischen den beiden Lagern bestehen, anbieten. Für mich war Systinet immer so etwas wie die Schweiz der Web Services.XM: Glauben Sie, dass die kürzlich erzielte Einigung zwischen Microsoft und Sun in absehbarer Zeit spürbare Auswirkungen für Softwareentwickler haben wird?Stanek: Nicht wirklich. Sun und Microsoft werden weiterhin Konkurrenten bleiben. Die jüngste Einigung wird lediglich Microsoft dabei helfen, nach außen hin weniger monopolistisch zu erscheinen.XM: Bislang haben Sie WASP für Java und C++ angeboten. Haben Sie auch eine .NET-Version in der Planung?Stanek: Nicht wirklich. Allerdings haben wir gerade ein neues Zusatzprodukt veröffentlicht, das Web Services-Schnittstellen für Message-Oriented Middleware-Busse zur Verfügung stellt. Dieses Produkt hilft Kunden dabei, die proprietäre Welt der MOM mit der standardbasierten Welt der Web Services und der Service-orientierten Architekturen zu integrieren. Damit kommen wir wieder auf das, was ich vorhin sagte: Wir wollen ein einheitliches, konsistentes Interface für die gesamte Legacy-Infrastruktur bieten. XM: Da die ganz große Aufregung um Web Services nun abgeklungen ist – fragen die Leute noch nach Web Services-Plattformen an sich? Das Schreiben von Web Services scheint mit modernen Tools wie Visual Studio .NET so einfach geworden zu sein und immer mehr Applikationen bringen bereits von Haus aus ihre Web Services-Schnittstellen mit.Stanek: Ich kann kein Abnehmen der Aufregung um Web Services-Technologien oder des Interesses an ihnen feststellen. Wie das bei den meisten Technologien der Fall ist, war der Hype um Web Services kurzfristig übertrieben – aber letztlich langfristig untertrieben! Wenn wir in zehn Jahren zurückblicken werden, werden wir erkennen, dass XML und Web Services die IT-Landschaft dramatisch verändert haben. Ich habe kürzlich eine Konferenz besucht, wo ein Panel mit CIOs von amerikanischen Top Ten-Unternehmen erklärte, dass Web Services der zentrale Fokus ihrer Zukunftsstrategie seien. Ihr Mantra lautete: Go simple, go standard, and go fast. Das hätte im Prinzip auch das Mantra von Systinet seit dem Jahr 2000 sein können.XM: Bauen Sie ihre Web Services-Plattform weiter aus? Integrieren Sie die aktuellen Entwicklungen in Bereichen wie Security, Orchestrierung oder Web Services Management?Stanek: Absolut. Ein Beispiel hierfür ist unsere Technologie für Content-basiertes Routing. Wir haben eine funktionsfähige Demo davon auf der Systinet-Website. Und wir haben gerade die 5.0er Versionen unserer Web Services-Plattform gelauncht, die als erste ihrer Art zuverlässiges Messaging auf Basis der WS-ReliableMessaging-Spezifikation enthält und ein umfassendes Security-Framework bietet.XM: Systinet bietet auch ein UDDI-Produkt an. Betrachten Sie UDDI, das viele bereits für tot erklärt haben, als zukunftsträchtigen Standard?Stanek: Eine Service-orientierte Architektur (SOA) ist eine Troika aus Produzent, Konsument und Registry. Für die Registry-Komponente gibt es keinen besseren Standard als UDDI. Wir haben den Standard so ausgebaut, dass er besser auf SOAs abgestimmt ist und werden das UDDI-Produkt in der Zukunft entsprechend erneuern. XM: Das Marktinteresse scheint sich im Moment von reinen Web Services-Infrastrukturen hin zu den von Ihnen bereits angesprochenen Service-orientierten Architekturen zu verschieben. Wie schätzen Sie diesen Trend ein?Stanek: Wir betrachten Web Services als die Implementierung des SOA-Prinzips und aus diesem Grund unterstützen die meisten unserer Produkte SOAs out of the box. Wir konzentrieren uns darauf, Kunden Werkzeuge, Best Practices, Training und Consulting anzubieten, die ihnen bei Design und Implementierung Service-orientierter Architekturen helfen.XM: Neben dem SOA-Trend sehen wir auch so etwas wie die Rückkehr der Industrie-Schwergewichte und ihrer hochgradig integrierten Infrastruktur-Produkte (à la IBM WebSphere oder Microsoft .NET) in den Web Services-Markt. Wie reagieren Sie auf diese Entwicklung?Stanek: Hochgradig integrierte Infrastruktur und Service-orientierte Architektur ist aus meiner Sicht ein Selbstwiderspruch. Der Sinn und Zweck einer SOA besteht doch darin, dass der Kunde sein System aus modularen Bausteinen aufbauen kann. Und in dieser Hinsicht entsprechen unsere Produkte meiner Meinung nach weit stärker dem Bedürfnis der Kunden nach Einfachheit, Standardkonformität und Neuerung.XM: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Unternehmen

Systinet, ein Anbieter von Infrastruktursoftware für Service-orientierte Architekturen (SOA), wurde im März 2000 gegründet. Zu den über 100 Kunden des Unternehmens zählen unter anderem Amazon, BMC Software und T-Mobile. www.systinet.com

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Stefan Wunderlich
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