Glosse: Enterprise 2.0 entlarvt - JAXenter

Glosse: Enterprise 2.0 entlarvt

Enterprise 2.0 = Aggregation & Remixability (Modularität)

Man will uns jetzt auch weismachen, dass Startseiten im Web 2.0 nicht mehr so wichtig wären, sondern eher die Daten hinter den Angeboten, die zur besseren Integration verfügbar gemacht werden. In diesem Zusammenhang wird immer RSS (Real Simple Syndication) genannt. RSS mag ganz nett sein, wenn man im Internet 50 Blogs abonnieren möchte. Aber wer braucht das schon in einem Unternehmen? Dort trifft man die Kollegen jeden Tag zum Mittagessen. Und es genügt, ein zentrales System zu haben. Und was ist der Mehrwert, verschiedene Daten zu aggregieren? Das verursacht nur Aufwand und Kosten, genau wie dieses Aufhebens um die Kombinierbarkeit und Anpassbarkeit der Systeme. So weit sind wir also schon, dass sich die bewehrten Systeme an kleine spezielle Anwendergruppen anpassen sollen? Muss da der Berg zum Prophet kommen?

Enterprise 2.0 = Social Networks

Einer der Vorteile von Enterprise 2.0 soll sein, dass man Mitarbeiter leichter erreichen kann, da man die „losen Kontakte“ (was für ein Wort) pflegen und bei Bedarf leichter aktivieren kann. Als ob in Unternehmen nicht eh schon zu viel kommuniziert wird. Neben Mittagessen, Kaffeepausen, Geburtstags- und Jubiläumsfeiern weiten sich inzwischen auch die Raucherpausen immer weiter aus. Dieses ganze „Netzwerken“ sollte eingedämmt und nicht ausgeweitet werden. Sonst kommt niemand mehr zum Arbeiten. Wer hat sich das Märchen einfallen lassen, dass die Angestellten das wichtigste Kapitel eines Unternehmens sind? So ein Humbug. Wenn es so wäre, warum werden dann immer mehr Arbeitsplätze ins Ausland verlegt? Wie oben gesagt: Jeder Mitarbeiter ist jederzeit ersetzbar. Konzentrieren wir uns endlich wieder auf das Wesentliche: Bauen wir Autos oder Flugzeuge und vergessen wir endlich dieses Getue über den mündigen Angestellten. In Zukunft muss wieder gelten: Nur die Harten kommen in den Garten.

Enterprise 2.0 = Open Source

Ein Kennzeichen von Social Software ist auch, dass es möglich ist, viele der Anwendungssysteme wie Wikis oder Blogs Open Source sind, kostenlos herunterzuladen und auf dem eigenen Server (bzw. im Intranet) zu betreiben sind. Spätestens jetzt sollte dem Letzten klar werden, dass da etwas faul ist. Warum sollte jemand eine Software kostenlos zur Verfügung stellen, wenn er davon überzeugt ist, dass sie erfolgreich eingesetzt werden kann? Schließlich weiß doch jedes Kind: Was nichts kostet, ist auch nichts wert.

Also: Vorsicht!

Wenn Ihnen demnächst jemand etwas von einfach zu bedienender, intuitiver und womöglich sogar noch kostenloser Software erzählt. Jemand, der mit der Software die Mitarbeiter in den Vordergrund stellen und ihr Unternehmen zum Enterprise 2.0 machen möchte, dann wissen Sie Bescheid: Das ist wieder nur so ein Hype, den wir in Deutschland überhaupt nicht brauchen können und der sich auch nicht durchsetzen wird. Oder haben Sie schon einmal gehört, dass man ein System nur deswegen nutzt, weil es funktioniert und tut, was es tun soll? Machen Sie sich keine Sorgen. Wir Deutschen können stolz darauf sein, dass wir europaweit weiterhin am Ende der Skala der Web-2.0-Nutzung rangieren. Auch unsere Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt: Never change a running System. Wir raten Ihnen weiterhin, erst einmal abzuwarten, auch wenn es heißt, dass man manche Chance frühzeitig erkennen muss, um daraus einen Wettbewerbsvorteil zu ziehen. Das war’s, danke für die AufmerksamkeitHaben wir Sie nicht mit unserer Argumentation überzeugt? Wollen Sie sich womöglich immer noch über Enterprise 2.0 informieren?

… zum Weiterlesen

Bücher, die sich mit dem Thema praxisnah beschäftigen (und auch jeweils verschiedene Fallstudien und Empfehlungen präsentieren):

Buhse, Samer (Hrsg.): Enterprise 2.0 – Die Kunst loszulassen, Rhombos-Verlag, 2008

Back, Gronau, Tochtermann (Hrsg.): Web 2.0 in der Unternehmenspraxis, Oldenbourg, 2008

Koch, Richter: Enterprise 2.0, Oldenbourg, 2008
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