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GlassFish ist nicht tot – genauso wenig wie die Alternativen!

Hartmut Schlosser

Nach der Ankündigung Oracles, den kommerziellen Support für den Java-EE-Server GlassFish einzustellen, ringen Vertreter der Szene um die Deutungshoheit. GlassFish sei auf ein Spielzeug-Produkt reduziert worden, hieß es von Kritikern, da die reine Konformität mit dem Java-EE-Standard (also das Bestehen der TCK-Tests) noch lange keinen produktionstauglichen Java EE Server ausmache. Der offiziell vorgeschlagene Upgrade-Pfad zu WebLogic sei zudem technologisch nicht ohne größere Applikationsumbauten möglich und koste darüber hinaus noch mehr Geld. 

Einen anderen Ton schlägt Oracles Middleware-Produktmanager Bruno Borges an, der in seinem Post: „6 Facts About GlassFish Announcement“ Oracles Entscheidung plausibel machen will.

Zunächst einmal gelte es festzustellen, dass die GlassFish Open Source Edition weiterhin die Referenzimplementierung für Java EE bleibe. Die Abkoppelung von den kommerziellen Interessen Oracles soll der GlassFish Community sogar helfen, sich auf die eigenen Bedürfnisse in Hinblick auf Java EE 8 zu fokussieren.

In den Meldungen ebenfalls untergegangen sei die Tatsache, dass existierende Oracle-Kunden, die den kommerziellen Support für GlassFish 2.1.x oder 3.1.x gebucht hätten, weiterhin mit Support rechnen können. Was die Preisproblematik anbelangt, so rechnet Borges vor, dass Lizenzen für WebLogic nicht immer teuerer als die von GlassFish ausfallen müssen. Bei ähnlichem Funktionsumfang könne man mit der WebLogic SE Edition sogar Geld sparen.

Allgemein sieht Borges die GlassFish-Entscheidung Oracles als Schritt in die Normalität. Denn Unternehmen, die kommerziellen Support für zwei verschiedene Java-EE-Server leisteten, gebe es schlicht nicht. Auch böte derzeit keiner der großen Player Support für Community Builds von Open-Source-Applikationsservern an. Erst vor kurzem hat IBM den Support für Apache Geronimo eingestellt, wiederholt Borges. Und RedHat habe den JBoss AS auch deshalb in WildFly umbenannt, um den Unterschied zwischen kommerzieller EAP (JBoss Enterprise Application Platform) und quelloffener Community Edition deutlich zu machen.

Zugegeben wird indes, dass WebLogic und GlassFish sich trotz der gemeinsamen Schnittmenge „Java EE“ nicht unwesentlich voneinander unterscheiden – es handelt sich um zwei verschiedene Codebasen. Deshalb sei aber gerade der Vergleich mit JBoss EAP und WildFly nicht belastbar, da hier das quelloffene WildFly und die kommerzielle EAP-Plattform auf denselben Basiscode zurückgreifen. Und allen, die WildFly schon als Nachfolger von GlassFish ins Spiel brachten, gibt Borges zu bedenken: Auch RedHat bietet keinen kommerziellen Support für WildFly, sondern lediglich für die kommerzielle EAP-Plattform.

Oracles Botschaft ist laut Borges nun glasklar: Kommerziellen Support gibt es nur für den proprietären WebLogic. In GlassFish soll indes als Entwickler-freundliche Community-Edition und Referenz-Implementierung für Java EE „investiert werden“.

Alternativen

Nun, wie immer Sie die Situation bewerten, nachvollziehbar wäre es schon, wenn Sie einen Blick auf die Alternativen zu GlassFish bzw. WebLogic werfen würden. Auch die Anbieter wittern die Chance und versuchen, in die Lücke zu stoßen, die ein kommerziell unterstütztes GlassFish hinterlässt. So wirbt RedHats Mark Little in der GlassFish Community für eine Beteiligung an WildFly:

Despite GlassFish being seen as a competitor to our own offerings, there was always a grudging respect for what that team had done, and several of them now work for Red Hat, often as a direct result of those efforts. So in that regard it is sad to see it go. However, what worries me the most about this turn of events isn’t so much about the technology, but rather what signals this could send to their open source communities. I will leave that mainly as an exercise to the reader, but it doesn’t really take a massive leap to be concerned if you are a member of those communities. Now I’m not going to suggest that Red Hat’s projects such as WildFly, or any other open source vendor, are necessarily a better home for those community members who feel that it is time to move on, but I would hope that they would at least take a look and judge us on our track record.

Eine weitere Alternative stellt das Apache TomEE-Projekt von Geronimo-Gründer David Blevins dar. Die Idee von TomEE: Man nehme als Basis den populären Tomcat und ergänze diesen um die fehlenden Java-EE-Komponenten. TomEE könnte gerade auch deshalb zu einer ernsthaften Option für Enterprise-Kunden werden, da es dafür seit kurzem kommerziellen Support durch Blevins Unternehmen Tomitribe gibt. Und so meldet sich auch Blevins zur GlassFish-Situation zu Wort – und das übrigens, ohne den rügenden Zeigefinger auf Oracle zu richten. Denn als Open-Source-Urgestein sieht er die größere Problematik darin, dass Open-Source-Projekte oft allzu selbstverständlich als frei zu beziehende Software verstanden wird. Aber: „Open Source isn’t free.“

GlassFish User sollten sich zunächst einmal die Frage stellen, wie groß ihr Beitrag zu dem Open-Source-Server ausfällt. Im Vergleich zu Oracle dürften hier die meisten den Kürzeren ziehen. Blevins mahnt dazu, einen Mittelweg zu finden zwischen dem Bezahlen extrem hoher Preise für kommerzielle Software und dem freien Beziehen von Open-Source-Projekten.

There has to be a middle ground between paying extreme prices for proprietary software and nothing for Open Source software. This is the lesson we need to learn as an industry over the next 10 years. We must find this balance.

GlassFish is not dead – really?

GlassFish ist nicht tot, lautete die Kernaussage von Bruno Borges. Dem kann man zustimmen – und hinzufügen: Genauso wenig sind es die Alternativen zu GlassFish! Zu diesen wird es den einen oder anderen treiben, davon ist auszugehen. In unserem Quickvote zweifeln jedenfalls die meisten von Ihnen daran, dass GlassFish die gewohnte Qualität wird halten können: 44% rechnen damit, dass GlassFish ohne Oracle Support an Qualität verlieren wird. 30% sagen: „GlassFish wird ohne kommerziellen Oracle Support bald bedeutungslos sein“.

Wir sind gespannt, wohin es die GlassFish Community verschlagen wird.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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