Geschäftsausrichtung und moderne Entwicklungsverfahren

Individualentwicklung und Marktstrategie

In einem gut geführten Unternehmen bedeutet „strategisch“ zugleich, dass mit dieser Software Alleinstellungsmerkmale am Markt umgesetzt werden sollen; die Software soll dem Unternehmen ein Geschäftsmodell ermöglichen, das in dieser Form kein Mitbewerber beherrscht. Dies kann eine bestimmte Dienstleistung sein, ein Servicelevel oder ein Kostenvorteil – immer aber etwas, das für die Kunden direkt einen Wert darstellt. Alleinstellungsmerkmale haben zwei Eigenschaften:

  • Sie müssen verteidigt werden: Führt die Alleinstellung zu einem Wettbewerbsvorteil, werden die Mitbewerber über kurz oder lang versuchen, die Marktposition anzugreifen, indem sie das Alleinstellungsmerkmal kopieren oder weiter verbessern. Schon bevor man mit dem Alleinstellungsmerkmal an den Markt gehen kann, muss man damit rechnen, dass auch Mitbewerber an der gleichen Idee arbeiten. In dieser Situation gewinnt meist das Unternehmen, das als erstes an den Markt geht. Für jedes Alleinstellungsmerkmal gibt es also nur ein mehr oder weniger enges Zeitfenster, in dem es in einen Wettbewerbsvorteil umgesetzt werden kann. Marktbeobachtung und schnelle Anpassung der Strategie können dieses Zeitfenster verlängern und sind Voraussetzung dafür, eine gute Idee in einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil umzusetzen.
  • Alleinstellungsmerkmale sind neu: Wären sie bereits Stand der Technik, würden sie bereits von Mitbewerbern eingesetzt und wären daher keine Alleinstellungsmerkmale mehr.

Aus diesen Überlegungen ergeben sich bei konsequenter Ausrichtung der IT an der Unternehmensstrategie drei Anforderungen an den Entwicklungsprozess für Individualsoftware:

  • Er muss in der Lage sein, neue, bisher nicht erprobte Ideen umzusetzen
  • Er muss schnell auf Änderungen am Markt reagieren können
  • Die Software muss zuverlässig genug sein, ihrer zentralen Rolle in der Geschäftsstrategie gerecht zu werden.

Die Erfahrung zeigt, dass übliche Entwicklungsprozesse, die auf einer Abfolge von Spezifikation, Design, Realisierung und Test beruhen, diesen Anforderungen nicht gerecht werden. Diese Prozesse wurden in Anlehnung an andere Investitionsgüter dafür entwickelt, eine möglichst einfache Vertragsgestaltung zu unterstützen. Allerdings sind materielle Investitionsgüter, wie Maschinen oder Werke wesentlich längeren Lebenszyklen unterworfen, als Software, weshalb die dort entlehnten Metaphern höchstens der Forderung nach Zuverlässigkeit gerecht werden, nicht aber dem Forschungscharakter strategischer Software und der notwendigen Flexibilität. Im Sinne der Geschäftsanpassung sind traditionelle Entwicklungsprozesse zu langsam und ungeeignet, den Veränderungen des Geschäfts zu folgen. Das „Business-IT-Alignment“ erfordert also grundsätzlich andere Vorgehensweisen in der Individualentwicklung.

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