Geschäftsausrichtung und moderne Entwicklungsverfahren

Jens Coldewey

IT muss sich heute konsequent an den Erfordernissen der Geschäftsstrategie ausrichten. Die Fähigkeiten von Software dürfen nicht die Gestaltung der Geschäftsprozesse bestimmen. Software-Entwicklung muss schnell und agil veränderten Geschäftsprozessen folgen.

Wenige Hypes haben es so sehr verdient, in den Vordergrund gedrängt zu werden, wie der aktuelle um das „Business-IT-Alignment“, also die konsequente Ausrichtung der IT an den Bedürfnissen der Unternehmensstrategie. Trotz aller windigen Versprechungen, dass der IT-Chef dadurch schneller Karriere mache und höhere Bedeutung erlange, handelt es sich hier eigentlich um eine nahe liegende Idee: In modernen Organisationen sollte die IT reif genug sein, sich – wie alle anderen Abteilungen auch – an den Erfordernissen der Geschäftsstrategie auszurichten. Dies ist ein enormer Fortschritt gegenüber den Zeiten, als die Fähigkeiten der Software die Gestaltung der Geschäftsprozesse diktierte und geplagte Kunden in der Regel mit dem Satz beschieden wurden „das geht mit unserem Computersystem nicht anders“.

Über den Nutzen einer solchen Geschäftsausrichtung braucht man nicht lange zu diskutieren: Eine Organisation, deren IT sich erfolgreich darauf konzentriert, Nutzen zu erwirtschaften wird eine höhere Rendite abwerfen, als eine, deren IT das nicht tut.

Welche Umwälzungen dieser trivial erscheinende Gedanke in der Praxis zur Folge hat, möchte ich am Beispiel der Entwicklung von Individualsoftware zeigen. Auch wenn diese Aufgabe meistens einen kleineren Teil der IT-Kosten ausmacht, kommt ihm doch eine besondere Rolle zu: Individualentwicklung wird bei Anwendern in der Regel dann eingesetzt, wenn die benötigte Software am Markt nicht verfügbar ist, man sich aus ihrem Einsatz aber dennoch einen strategischen Vorteil erhofft. Misst man der Software keine strategische Bedeutung zu, wird man sich entweder mit der Leistung zugekaufter Software bescheiden oder das Vorhaben wegen der hohen Kosten und Risiken eines Entwicklungsprojekts gar nicht erst angehen. Individuelle Software und die Projekte zu ihrer Erstellung und Wartung haben also üblicher Weise strategische Bedeutung für ein Unternehmen und weisen damit entsprechende Hebeleffekte bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung auf.

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Jens Coldewey
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