George F. Colony: Auf dem Weg zu Business Technology - JAXenter

George F. Colony: Auf dem Weg zu Business Technology

Peter Pagel, Mirko Schrempp

George F. Colony ist Gründer und CEO des unabhängiges Technologie- und Marktforschungsunternehmen Forrester Research. Ende 2006 hat er in dem Text „My View: IT to BT“ den notwendigen Wandel von der Information Technologie (IT) zur Business Technology angekündigt. Das Business Technology Magazin hatte Gelegenheit mit George Colony über den Fortschritt diese Wandels und die damit einhergehenden Veränderungen des Selbstverständnisses der IT und den neuen Aufgaben der Executives im Unternehmen zu sprechen.

Colony-Interview


English Version

Herr Colony, vor zwei Jahren sagten Sie voraus: Information Technology würde zur Business Technology. Wie sehen Sie die Situation heute?

George F. Colony: Ich würde sagen, soweit es um die Veränderung in der Sprache geht, wird es noch eine Weile dauern. Einige Forrester-Kunden – nicht viele aber doch einige – sind tatsächlich dazu übergegangen, von Business Technology (BT) statt von Information Technology (IT) zu sprechen. An den Rändern gibt es also schon eine leichte Bewegung. Das ist sehr wichtig, denn es steckt den Rahmen der Reise der IT – die Reise der Techniker – ab. Diese sehen sich selbst auf dem Weg von der alten IT-Welt in die neue BT-Welt. Und dabei sind sie daran interessiert, mit Forrester zusammen herauszufinden „Wie können wir das tun?“. Wie navigieren wir auf dieser Reise? Was müssen wir machen, um zu Business Technology zu kommen?

Daher würde ich sagen, dass bisher nur wenige Unternehmen bei BT angekommen sind. Aber viele haben sich schon auf den Weg gemacht, und das ist sehr vielversprechend. Ich saß in einem Flieger nach Las Vegas. Ich hatte immer das Gefühl, Forresters Aufgabe sei es, den Technikern großer Unternehmen dabei zu helfen, aufzusteigen. Sodass sie befördert werden, dass sie respektiert werden, dass sie Einfluss haben auf die Zukunft ihrer Unternehmen. Und während ich da im Flieger saß, dachte ich darüber nach, was ihnen dabei helfen könnte. Und ich erkannte, dass durch die Änderung der Begriffe sich auch die Art und Weise verändert, wie sie in ihren Unternehmen wahrgenommen werden. Information hat einfach einen geringeren Wert als das Business. Also wäre es ein Signal von den Technikern zu sagen: „Hey, wir sind nun auch im Business des Business.“ und nicht in dem Business einfach nur die Zahlen im Auge zu behalten. Und das ist auch richtig so, denn noch vor zehn Jahren ging es nur darum, die Bilanzabschlüsse oder die Buchungen zu machen oder zu wissen, wie viele Produkte gestern verkauft wurden. Aber heute kann man kein Produkt mehr ohne Technologie entwickeln oder liefern, keinen Kunden betreuen oder einen neuen gewinnen.

Wenn mich ein CEO in dem Punkt herausfordert, sage ich einfach: „Gut, gehen sie zurück in ihr Unternehmen, ziehen sie ein paar Stecker und sie werden sehen, ob sie so noch Business machen können ohne die Verbindungen.“ Wenn Sie Goldman Sachs sind, dann verlieren sie ein paar hundert Millionen Dollar die Stunde, wenn sie ein normales Unternehmen sind, verlieren sie ein paar Millionen Dollar – ohne die Stecker an ihrem Platz. Und wenn sie die große Leitung zu ihrer Webseite kappen, dann können sie ihre Kunden nicht mehr erreichen.

British Airways sagte auf dem Forrester-IT-Forum, dass sie 35 Millionen Kunden im Monat bedienen/betreuen. Ohne Technologie wäre man plötzlich nicht mehr in der Lage, diese zu erreichen. Daher ist für mich klar, dass es Zeit ist für eine Begriffsänderung – von Information zu Business. Und das ist das wichtige Signal der Techniker, dass wir jetzt andere sind. Wir sind in einem anderen Business. Wir sind nicht nur da, um die Zahlen zu addieren, wir sind dazu da, das Geschäft voran zu bringen. Und daher denke ich, sind wir auf dem richtigen Weg. Mich bestärken dabei die vielen Veränderungen in den vergangenen zwei Jahren. Und mich bestärkt in dieser Ansicht auch, dass Ihr Magazin den Titel Business Technology trägt.

Geschrieben von
Peter Pagel, Mirko Schrempp
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