Mobile Apps im Höhenflug

Geld verdienen mit Android

Achim Himmelreich und Dr. Bernd Riefler

Theoretisch ist das Internet schon lange mobil, denn internetfähige Handys existieren nunmehr seit Jahren – allein, sie wurden nicht genutzt. Erst durch günstigere Tarife und die bessere Bedienbarkeit der Smartphones erlebt das mobile Internet den Durchbruch und mit ihm die unterschiedlichen Funktionalitäten.

Mit dem Ökosystem aus Smartphones und den dazugehörigen Betriebssytemen iOS und Android wurden die Voraussetzungen geschaffen, die das mobile Internet und damit den mobilen Commerce zum Massenphänomen gemacht haben. Dabei handelt es sich allerdings nicht nur um einen weiteren Marketingkanal, sondern es ergibt sich eine Konvergenz der bestehenden Kanäle (stationär, mobil etc.), die auf lange Sicht zum Verschmelzen derselben führen wird. Alle Marketingkanäle korrespondieren derart miteinander, dass sie letztlich in einen einzigen münden. Das erste deutliche Anzeichen dieser Entwicklung ist der Erfolg der so genannten Location-based Services (LBS).

Entwicklung von Mobile OS in Deutschland

Der Absatz von Smartphones steigt kontinuierlich. Treiber dieser Entwicklung ist derzeit vor allem Android und zu Teilen iOS, die den starken Rückgang des Absatzes von Symbian-Geräten durch ihr Wachstum überkompensieren. Daneben ist ein deutlicher Anstieg der Umsätze durch den kostenpflichtigen Download von Apps zu verzeichnen. Dies resultiert in einer ebenfalls wachsenden Nutzung des mobilen Datenverkehrs. Die Entwicklung der bereits etablierten Ökosysteme bestehend aus Endgeräten, Mobile OS und App Stores wird durch den rasanten Absatz von Tablets beflügelt, die die Position der etablierten Ökosysteme festigen.

Das aktuell noch dominierende Ökosystem in Deutschland, sowohl im Smartphone- als auch Tablet-Bereich, ist das von Apple. Dennoch konnte sich das Android-Ökosystem auf den zweiten Platz vorarbeiten und überzeugt durch eine agile Weiterentwicklung, eine vitale Entwicklercommunity und die Bereitstellung von Smartphones sowie Tablets. Google betreibt mit Android die erfolgreiche Strategie, möglichst viele Endgeräte zu bedienen, um damit die Nutzerbasis stark zu erweitern. Android ist gut gerüstet, dem führenden Ökosystem Paroli zu bieten und verfügt über die Möglichkeiten, in absehbarer Zeit unter allen Aspekten das dominierende mobile Ökosystem zu werden.

Abb. 1: Mobile OS auf Endgeräten in Mio. Stück

Die weiteren auf dem Markt verfügbaren Mobile OS wie z. B. WebOS oder Symbian spielen in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Vor allem aus dem Blickwinkel der mobilen Datennutzung zeigt sich der Bedeutungsunterschied zwischen den Platzhirschen Android und iOS im Vergleich zu den vermeintlich kleinen Mobile OS (Abb. 1).

Unternehmen erkennen zunehmend, dass mobiles Internet zum Massenphänomen geworden ist und nicht ignoriert werden kann. Das bedeutet, dass neben dem „PC-Internet“ ein weiterer digitaler Kanal existiert, der in die Geschäftsmodelle von Unternehmen in allen Branchen einbezogen werden muss. Die Herausforderung für Unternehmen jeder Couleur besteht darin, die passenden Formen der Smartphonenutzung für den Vertrieb oder das Marketing zu nutzen.

Das Mittel der Wahl stellen aktuell Apps dar. Mithilfe dieser für das jeweilige Ökosystem optimierten Anwendungen erreichen die Unternehmen gezielt ihre Kunden und können die Apps für verschiedene Monetarisierungsstrategien einsetzen. Der mobile Browser wird in diesem Zusammenhang häufig als zukünftige Alternative der Apps ins Spiel gebracht. Der Bedeutungsverlust der Apps wird sich jedoch noch hinziehen bis der entscheidende Faktor HTML5 flächendeckend verfügbar sein wird. Das Gegenteil ist aktuell der Fall, sodass Apps momentan sogar noch an Bedeutung gewinnen.

Apps – Vielfältige Möglichkeiten zur Monetarisierung

Das mobile Internet auf Smartphones und Tablets bietet für Unternehmen vielfältige Möglichkeiten zur Monetarisierung. Dabei ist es entscheidend, den richtigen Ansatz für Apps zu wählen, um den mobilen Kanal isoliert und in Kombination mit bestehenden Kanälen richtig zu monetarisieren. Der bislang größte Umsatzbringer ist durch den kostenpflichtigen Download von Apps entstanden. Darüber hinaus werden Apps als Erweiterung der Vertriebskanäle verwendet und über so genannte „In-App-Sales“ Umsätze generiert. Zudem werden Apps als Marketing- bzw. Branding-Instrumente eingesetzt, die über indirekte Effekte zu Umsatzsteigerungen oder stärkeren Kundenbindung in den bestehenden Kanälen führen. Im Speziellen kann hierbei eine direkte Verknüpfung der „Mobilen Welt“ mit der „Offline Welt“ über Location-based Services erzielt werden (Abb. 2).

Abb. 2: Möglichkeiten der Monetarisierung von Apps

Der erste beschriebene Monetarisierungskanal „Kostenpflichtiger Download von Apps“ ist im Android-Umfeld weniger attraktiv, da die Zahlungsbereitschaft der Nutzer vor allem gegenüber iOS-Nutzern geringer ist. Zudem werden die Umsätze hierbei nur einmalig realisiert.

Deutlich interessanter sind dagegen In-App-Sales, die sich je nach Produktart unterscheiden. Die Geschäftsmodelle reichen hierbei von dem Verkauf physischer Güter über virtuelle Güter bis hin zu Aboservices wie Musik- oder Videoportalen. Die Umsätze können hier im Falle von Abos zu einem kontinuierlichen Cashflow führen. Mithilfe von kostenfreien Branding- und Marketing-Apps sind keine direkten Umsätze über die Apps erzielbar. Die Attraktivität ergibt sich hierbei aus der stetig wachsenden Android-Nutzerbasis und der hohen Bereitschaft zum Download kostenfreier Apps. Somit erreichen die Apps eine weite Verbreitung und tragen indirekt zur Umsatzsteigerung oder Kundenbindung in anderen Kanälen bei.

Android bietet bereits ein attraktives Ökosystem zur Umsetzung der beschriebenen Monetarisierungsoptionen. Dennoch fordert der Markt weitere Anpassungen vor allem in den Bereichen der Harmonisierung der verschiedenen Softwarestände und einem einheitlichen Android-Endkundenerlebnis unabhängig von den Geräten. Sofern Google gemeinsam mit den Herstellern mit funktionierenden Lösungen diese Themen angeht, ist davon auszugehen, dass sich Android als dominierendes Ökosystem etablieren wird.

Geschrieben von
Achim Himmelreich und Dr. Bernd Riefler
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