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Gefangen in Vim? Eine Million Entwickler suchen verzweifelt den Ausgang

Jane Elizabeth

© Shutterstock / noppawan09

25 Jahre und eine Million verzweifelte User später bleibt Vim weiterhin bei Entwicklern beliebt. Und das trotz der Tendenz, die Unvorsichtigen gefangen zu halten.

Der Texteditor Vim hat bereits einige Meilensteine erreicht. In diesem Jahr feiert Vim seinen 25. Geburtstag, eine bemerkenswert langlebige Leistung in einer Branche, die dafür bekannt ist, Technologien nach 18 Monaten für veraltet zu erklären. Der Open-Source Text-Editor hat es geschafft, bei Entwicklern beliebt zu bleiben. Stack Overflow stuft Vim 2015 als dritt-beliebtesten Text-Editor ein, im Jahr 2016 war Vim die viert-beliebteste Entwicklungsumgebung – noch vor Eclipse und IntelliJ. Vim hat viel, worauf es stolz sein kann.

Zudem hat Vim vor kurzem sein millionstes Opfer gefordert.

Gefangen in Vim

Vor fünf Jahren fragte User jclancy verzweifelt,

Sie war nur der Anfang.

Vims labyrinthähnliches Design ist quasi ein Running-Gag unter Entwicklern geworden. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass es nicht einfach ist, Vim zu entkommen, vor allem wenn man nicht täglich mit dem Tool arbeitet.

„Ich denke, es gibt zwei Gründe, warum Entwickler vergessen, wie sie wieder aus Vim herauskommen: Oft landen Entwickler ganz ungewollt in dem Tool, z.B. über einen Git-Befehl oder eine anderweitig überraschenden Aktion. Und dann nutzen sie es unregelmäßig genug, um zu vergessen, wie sie Vim das letzte Mal beendet haben“, sagt Davin Robinson von Stack Overflow.

Wie schon der alte Theseus, so brauchen auch Entwickler etwas Hilfe, um dem Labyrinth zu entkommen. Robinson zufolge macht die Frage, wie man Vim beendet, etwa 0.005% des Anfragen-Traffics bei Stack Overflow aus. Grob hochgerechnet kommt man dabei auf eine Anfrage pro 20.000 Aufrufen.

„Etwa 80 Menschen pro Stunde benötigen Hilfe, um aus Vim herauszukommen“, schulssfolgert Robinson. Ein einsamer Rekord!

Vim hat es also geschafft, Entwickler in relativ konstanter Rate einzufangen. Stack Overflow hat die Besucherzahlen für diese Fragestellung verfolgt, und es zeigt sich ein ziemlich stabiler Trend:

Wie Theseus, nur ohne Faden

Wer bleibt aber in Vim stecken? Das erfordert etwas Detektivarbeit.

Um festzustellen, wer Vim denn nun tatsächlich verwendet und dabei stecken bleibt, hat Robinson das „Exit Vim / Total Vim“-Verhältnis für jeden User berechnet und in Relation zu seiner Hauptprogrammiersprache gesetzt. Dabei betrachtete Robinson, welchen Stack Overflow Tag die User am meisten nutzten (und um auszuschließen, dass Schaulustige wie mich die Daten verfälschen, wurden dabei nur registrierte User mit mindestens 100 Seitenbesuchen berücksichtigt.)

Wie das untere Diagramm zeigt, sind es hauptsächlich Frontend-Entwickler aus dem JQuery-, CSS- und AngularJS-Umfeld, die in Vim festsitzen. Microsoft-Entwickler (C# und SQL Server) folgen dicht dahinter, gefolgt von Mobile-Entwicklern für Android sowie iOS.

„Diese Entwickler arbeiten für gewöhnlich mit IDEs wie Visual Studio, Eclipse, Xcode, etc. und nicht mit schlichten Text-Editoren wie Vim“, so Robinson. „Deshalb kann man nachvollziehen, dass diese Gruppe eher in Vim stecken bleibt, da sie es vermutlich eher unbeabsichtigt öffnen.“

C-, C++-, Python- und Ruby/Rails-Entwickler schaffen es dagegen eher, sich aus den Vim‘schen Klauen zu befreien.

Robinson war davon nicht überrascht. Diese Sprachen werden häufig in puristischen Text-Editoren genutzt und nicht mittels IDEs. Demnach sind die dazugehörigen Entwickler erfahren genug, um auch ohne Google den Ausgang aus Vim zu finden.

In der Zwischenzeit hält Vim die Unvorsichtigen weiterhin gefangen. Glücklicherweise wird Stack Overflow stets eine helfende Hand ausstrecken und gerne den Faden zum Ausgang des Labyrinths überreichen.

 

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Jane Elizabeth ist eine Redaktionsassistentin für JAXenter.com
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