Gartner: IoT am Höhepunkt des Hypes [M2M Minutes]

Diana Kupfer
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Pivotal und General Electric wenden Data-Lake-Methode auf IoT-Daten an | Package mqtt: en- und dekodiert MQTT-Nachrichten | Gartner: IoT am Scheitelpunkt der Hype-Kurve | Millionen-Investitionen in Cubic Telecom und Electric Imp | Red Hat auf der Suche nach eigener „Enterprise IoT“-Strategie | Crowdfunding der Woche: MakeBus

Pivotal und GE füllen ersten „Data Lake“ für das IoT

Es wird sicher nicht mehr lange dauern, bis die Begriffe „IoT“ und „Big Data“ synonym verwendet werden: Im Tandem informierten General Electric (GE), in diesen Tagen ganz auf das „Industrial Internet“ fixiert, und das Big-Data-Unternehmen Pivotal vor einigen Tagen über einen ersten Versuch, IoT-Daten nach der „Business-Data-Lake“-Methode zu verarbeiten. In einem Pilotprojekt wurden Terabytes von Flugdaten auf innovative Weise zusammengeführt. Laut Pressemitteilung soll die Analyse der Daten durch diesen Ansatz 2.000 mal schneller vonstatten gegangen sein als zuvor. Ein Mix aus Big-Data-Software von Pivotal und der IoT-Plattform Predix von GE soll diesen erheblichen Performancegewinn ermöglicht haben. Das Projekt ist aus einer strategischen Partnerschaft hervorgegangen, die Pivotal und GE im vergangenen Jahr angekündigt hatten.

Hinter der Vision des „Datensees“, die Pivotal gemeinsam mit dem Dienstleister Capgemini verfolgt, steckt ein effizienterer Umgang mit großen Datenmengen, und zwar dadurch, dass die drei Bereiche Datenspeicherung, -verarbeitung und –analyse enger miteinander verzahnt werden. Im Gegensatz zur hierarchischen Architektur eines Data Warehouse kennzeichnet einen Data Lake eine flache Datenspeicherung. Solange sie nicht verarbeitet werden, bleiben die Rohdaten dort schemalos in ihrem ursprünglichen Format liegen. GE unterstützte dieses Vorhaben von Anfang an: 2012 investierte der amerikanische Konzern 105 Millionen US-Dollar in die gerade gestartete Kooperation von EMC und VMware, die Pivotal genannt wurde und seit 2013 ein eigenständiges Unternehmen ist.

Package mqtt

Eine neue Bibliothek zur Enkodierung und Dekodierung von MQTT-Nachrichten stellt das Projekt Package mqtt zur Verfügung. Unterstützt werden die MQTT-Versionen 3.1 und 3.1.1. Der Entwickler Jian Zhen zeichnet verantwortlich für die Software, die auf GitHub gehostet wird. Dort steht auch eine ausführliche Dokumentation bereit.

Gartner: IoT am Höhepunkt des Hypes

„Most hyped technology“ – dieses Prädikat verpassen die Marktforscher von Gartner dem Internet der Dinge. Wie im gerade veröffentlichten „Hype Cycle for Emerging Technologies“ für das laufende Jahr zu erkennen ist, gibt es derzeit keine Technologie, die die Gemüter mehr bewegt als das IoT. Das Internet der Dinge hat demnach den Gipfel der (überzogenen) Erwartungen erreicht. Eine nennenswerte Produktivität sei allerdings erst in fünf bis zehn Jahren zu erwarten, so die Analysten, die auf den Mangel an Standards in diesem Bereich verweisen. Dieser wird – nicht nur aus ihrer Sicht – die Entwicklung des jungen Technologiezweigs ausbremsen. 

Der Hype-Zyklus von Gartner bildet die öffentliche Aufmerksamkeit auf neue Technologien in einzelnen Phasen ab. Im einzelnen sind dies die Stadien: 1. Technologischer Auslöser, 2. Gipfel der überzogenen Erwartungen, 3. Tal der Enttäuschungen, 4. Pfad der Erleuchtung, 5. Plateau der Produktivität.

Quelle: Gartner

Qualcomm und Sierra Wireless investieren in Cubic Telecom

5 Millionen US-Dollar investieren die Konzerne Qualcomm und Sierra Wireless in das Startup Cubic Telecom. Damit konnte der irische Netzausrüster bislang insgesamt 15 Millionen Dollar an Zuschüssen einstreichen.

Cubic Telecom zeichnet sich durch ein großes Partnernetzwerk und Offenheit gegenüber einer Vielzahl an Technologien aus. Das kleine Startup, das aus gerade einmal sieben Mitarbeitern besteht, unterhält Kooperationen mit großen Elektronikherstellern wie HP, Lenovo oder Panasonic und weiteren Unternehmen wie dem Elektroautohersteller Tesla Motors. In mehr als 230 Ländern der Erde hat Cubic Telecom Roaming-Abkommen abgeschlossen und mehr als 300 APIs entwickelt, um seine Kunden weltweit netztechnik- und plattformübergreifend mit End-to-End-Konnektivität zu versorgen. Grundlage dieser Lösungen sind laut der Unternehmenswebsite Microsoft-Technologien, und für einen „Always-on“-Modus präparieren lassen sich alle erdenklichen Systeme und Endgeräte, ob Mobiltelefone, PCs oder Autos. Diese technologieagnostische Ausrichtung des Unternehmens wird nun mit dem jüngsten Investment belohnt. 

15 Millionen für Electric Imp 

Einen noch dickeren Fisch zog in dieser Woche Electric Imp ans Land: Nach der ersten Finanzierungsrunde vor zwei Jahren, in der sich das kalifornische Unternehmen bereits 8 Millionen US-Dollar sicherte, pumpen die Investoren, darunter Foxconn, in einer zweiten Runde 15 Millionen US-Dollar in das IoT-Startup.

Wie bei Cubic Telecom steht die Arbeit von Electric Imp ganz im Zeichen der Vernetzung: Seine WLAN-basierte Konnektivitätsplattform, die Hardware- und Software-Komponenten und eine Cloudlösung umfasst, hat sich seit der Gründung des Unternehmens vor drei Jahren weltweit einen Namen gemacht.

Mark Little: Red Hat und Enterprise IoT

Wie derzeit die meisten IT-Konzerne ist das amerikanische Unternehmen Red Hat, auf Open-Source-Technologien spezialisiert, sichtlich um eine geschickte Positionierung auf dem explodierenden IoT-Markt bemüht. Als im April die Version 6.1 seiner Messaging-Plattform JBoss A-MQ und des Enterprise Service Bus JBoss Fuse erschien, wurden ebenjene Technologien von Red Hats PR-Abteilung als Wegbereiter für IoT-Infrastrukturen angepriesen. A-MQ unterstützt bekanntlich gänige Standards wie MQTT und AMQP.

In einem Blogbeitrag mit dem Titel „Enterprise IoT“ meldete sich nun Mark Little von der Red-Hat-Tochter JBoss zu Wort. Unisono mit dem allgemeinen Konsens prognostiziert er dem Internet der Dinge eine rosige Zukunft. Peripheriegeräte wie Sensoren, heute noch „dumm“ (Little), zustandslos und meist auf eine Aufgabe, etwa das Sammeln von Temperaturdaten, beschränkt, werden seiner Einschätzung nach einen enormen Intelligenzschub erhalten. Dezentralen Peer-to-Peer-Netzwerken mit immer autonomer agierenden und sich selbst vor Angriffen verteidigenden Endgeräten gehöre die Zukunft im Internet der Dinge. Little gibt sich zuversichtlich, dass selbst großzügig ausgestattete Endgeräte erschwinglich sein werden:

Why should edge devices be limited by memory or processor? A Raspberry Pi today costs $30 but in less than 18 months something equivalent will be sub $10 and the form factor will look more like an RFID chip. 

Was mit Blick auf das Internet der Dinge vorstellbar sei, das werde auch möglich sein, so Little. Eine ähnliche Infrastruktur-Strategie wie das von Little skizzierte dezentrale Szenario verfolgt beispielsweise Cisco mit seinem „Fog-Computing“-Ansatz. In dieselbe Kerbe schlägt auch das neue Eclipse-Projekt „Krikkit“, zu dem Cisco den initialen Codebeitrag leistete: Intelligentere Endgeräte, die selbstständig Speicherentscheidungen treffen und Sicherheitsregeln befolgen werden im Rahmen des Projekts angestrebt.

MakeBus: der mobile Makerspace

Bei unserem Crowdfunding-Projekt der Woche denken sicher viele: Wieso ist nicht schon viel früher jemand auf diese Idee gekommen? Als mobiler Makerspace möchte das Team von „MakeBus“ durch die Weltgeschichte tuckern und unterwegs eine Menge Leute für das Basteln mit Elektronikbauteilen begeistern. Sean Auriti vom New Yorker Makerspace Alpha One Labs und sein Mitstreiter Maurice Bey ziehen unter anderem einen alten amerikanischen Schulbus als pädagogisches Vehikel in Betracht. Darin sollen neben Arbeitsplätzen, Betten und einer Küche ein 3-D-Drucker, ein Laserschneider und eine CNC-Fräse untergebracht werden; außerdem alles Spielzeug, was das Bastlerherz begehrt. Schulungen soll es u. a. zu Raspberry Pi, Webtechnologien, 3-D-Druck, Arduino, SQL und Objective C geben.

So verwegen und Hippie-esk diese Idee auch klingen mag: Der Bus wird nicht einfach ziellos durch die Lande rollen, sondern ausschließlich „on demand“. Per App kann man die Werkstatt auf Rädern buchen und zu sich kommen lassen. Dass der Bus den großen Teich überquert, um auch Interessierte in Europa zu beglücken, ist wohl eher unwahrscheinlich. Wer die Idee trotzdem mit einer Geldspende belohnen möchte, kann dies noch zwei Wochen auf Kickstarter tun. 

Geschrieben von
Diana Kupfer
Diana Kupfer
Diana Kupfer war Redakteurin bei S&S Media für die Zeitschriften Java Magazin, Eclipse Magazin und das Portal JAXenter. 
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