Game of Drones: Die Matternet-Vision vom Internet der fliegenden Dinge

Diana Kupfer

Transport von Dingen durch Dinge: Ein Netz aus unbemannten Flugrobotern soll benachteiligten Regionen der Erde einen großen Sprung nach vorn bescheren – Science-fiction made in Silicon Valley oder Logistik 2.0? Wie diese Idee fliegen lernen könnte, haben wir von Andreas Raptopoulos, dem Gründer des kalifornischen Startups Matternet, erfahren.

Embedded Experience Day

Der „Embedded Experience Day“ auf der JAX 2013 bietet Gelegenheit, mit Flugrobotern auf Tuchfühlung zu gehen. Erfahren Sie in einer technischen Session und einer Live-Demo, wie man einen autonomen Quadrokopter mit Open-Source-Software programmiert.

Mehr Informationen unter: http://jax.de/2013/sessions/

Dass in Zukunft immer mehr Maschinen eigenständig Daten sammeln und austauschen werden (Stichwort M2M), daran dürfte heute kaum noch jemand zweifeln. Auch nicht daran, dass dieses stetig wachsende Netzwerk an kommunizierenden Dingen und Geräten zu einem regelrechten „Internet of Things“ heranreifen wird. Für einige klingt der Begriff verdächtig nach Marketing-Sprech; andere verbreiten bereits alternative Etiketten wie „Industrial Internet“. Und gerade im Open-Source-Umfeld wird oft eingewandt, dass nur offene, gemeinsame Standards die Internet-Analogie rechtfertigen. Trotzdem: Der Trend ist unumstritten.

Was wäre aber, wenn Dinge nicht nur Daten zueinander schicken könnten, sondern ihresgleichen, sprich: Objekte? Spätestens dann wird der Terminus „Internet of Things“ mehrdeutig. Ein Internet der fliegenden Dinge – genau dieses Ziel schreibt sich das kalifornische Startup Matternet auf die Fahnen. So soll eine Flotte miteinander vernetzter autonomer Flugroboter (Unmanned Aerial Vehicles, UAV) Lebensmittel, Medikamente, Impfstoffe – „Materie“ eben – auf dem Luftweg transportieren. Ziel ist es, so Matternet, ein unbemanntes, dezentrales, automatisiertes Logistik-Netzwerk aus fliegenden Helferlein aufzubauen, die selbst dorthin gelangen, wo kaum ein Mensch zuvor gewesen ist. „Matternet will do for physical transportation what the internet did for flow of information“, lautet die ehrgeizige Vision, die das Startup in folgendem Promo-Video bewirbt:

The Matternet Vision from Matternet on Vimeo.

Gegründet wurde das kalifornische Startup Matternet von Andreas Raptopoulos, Paola Santana, Dimitar Pachov und Darlene Damm im Sommer 2011 an der Singularity University. Diese erst 2008 ins Leben gerufene Sommerakademie im Silicon Valley hat sich als Zukunftsschmiede und Ideenbörse für Technologie-Titanen bereits einen Namen gemacht. Gründer von Startups wie dem Peer-to-Peer-Car-Sharing-Anbieter Getaround oder BioMine, ein Projekt, das sich auf die Wiederverwertung von Rohstoffen in elektronischem Abfall spezialisiert, haben sich hier zusammengetan oder inspirieren lassen.

Aus dem ursprünglichen Matternet-Projekt an der Singularity University ging außer Matternet, Inc. auch ein zweites Unternehmen hervor, das bislang allerdings weniger von sich reden macht: ARIA. Auch dieses verfolgt das Ziel, eine neue Logistik-Infrastruktur für den humanitären Einsatz zu entwickeln. Anders als Matternet strebt ARIA jedoch kein kommerzielles zweites Standbein an.

Die Matternet-Vision reifte schrittweise, berichtet Andreas Raptopoulos im Interview mit JAXenter: Ausgangspunkt war die Beschäftigung mit Quadrokoptern und die Möglichkeit, diese als Transportmittel für ein bis zwei Kilo Fracht zu verwenden. Die Initialzündung zu der Idee, ein großflächiges Transportsystem auf die Beine zu stellen, gab laut Raptopoulos die Möglichkeit, die Akkus der UAV an eigens dafür eingerichteten Bodenstationen auszutauschen:

The aha! moment came when it became obvious that in order to make this idea work we needed to create a network of these small vehicles, with landing stations that allowed them to swap a battery and fly further, so that they can span a larger distance; and Matternet was born.

Geschrieben von
Diana Kupfer
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.