Game of Drones: Die Matternet-Vision vom Internet der fliegenden Dinge

Fliegende Ärzte

Mit Fracht schaffen die Vehikel (s. Bild) Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h. Die optimale Flughöhe liegt bei 400 Fuß (ca. 122 Meter). Die Bodenstationen, die zum Austausch der Akkus und zum Laden der Fracht angesteuert werden, sind je zehn Kilometer voneinander entfernt. Sollte dem Gerät doch einmal frühzeitig der Saft ausgehen, ist ein Fallschirm an Bord.

Hinzu kommt entsprechende Open-Source-Software, zu der Raptopoulos zum Zeitpunkt unseres Gesprächs leider noch keine Auskunft geben konnte – und fertig ist die Transportlösung.

Aber rechnet sich das anvisierte Drohnen-Netz überhaupt? Zwei Kilogramm über zehn Kilometer von einem UAV transportieren zu lassen würde nicht mehr als 0,24 US-Dollar kosten, rechnete Raptopoulos im Februar 2012 in seinem Google Solve for X Talk vor. Zum Vergleich: Der Bau von zwei Kilometern einer einspurigen Straße koste etwa eine Million Dollar, so Raptopoulos. Allerdings lassen sich auf Straßen selbstredend mehr als zwei Kilogramm pro Weg und Vehikel befördern. Auch die Frage nach dem Personalbedarf, etwa für das relativ enge Netz an Bodenstationen, bleibt in dieser ansonsten stimmig anmutenden Matternet-Vision offen. In der Tat erwähnt Raptopoulos gegenüber JAXenter den Kostenfaktor als eine der größten Herausforderungen.

So müsste für einen Einsatz in Lesotho, wo kürzlich ein Testszenario durchgespielt wurde, eine Anfangssumme von 900 000 US-Dollar für 150 Bodenstationen und 150 UAVs investiert werden. Und wer in diese Vision investiert, geht mit Sicherheit kein geringes Wagnis ein. Denn je nach Witterung und technischer Infrastruktur scheinen Kinderkrankheiten der sensiblen Hard- und kaum getesteten Software vorprogrammiert. Ganz zu schweigen von Sicherheitsbedenken und Vorurteilen, die durch immer mehr Negativschlagzeilen über militärische Einsätze unbemannter Flugdrohnen geschürt werden. Diese auszuräumen dürfte einiges an Überzeugungsarbeit erfordern.

Doch Raptopoulos ist zuversichtlich: Gerade Entwicklungsländer, in denen Straßennetze und andere Verkehrswege fehlen, würden von einem innovativen Logistik-Netzwerk dieser Art enorm profitieren: „Der Mangel an Straßennetzen ist einer der Hauptgründe dafür, dass eine Milliarde Menschen in Armut lebt“, so der Gründer gegenüber JAXenter. „Ohne Zugang zu Medizin und lebenswichtigen Gütern und ohne dauerhaften Zugang zu Märkten für ihre Erzeugnisse haben sie keinerlei Chance auf nachhaltige Versorgung, geschweige denn darauf, an der Wirtschaft teilzuhaben.“ Drohnen könnten zum Beispiel als „fliegende Ärzte“ zum Einsatz kommen, indem sie Impfstoffe und Medikamente präzise dorthin transportieren, wo gerade Not am Mann ist. Als Erkundungsvehikel, etwa nach Naturkatastrophen, haben sie sich schließlich ausreichend bewährt. Und nicht nur das: Auch Luft-Lieferservices wie der Dönerkopter hierzulande sprießen wie Pilze aus dem Boden. Vergangenen Sommer testete Matternet Prototypen in Haiti und der Dominikanischen Republik. Dieses Jahr soll das erste permanente Transportnetz an den Start gehen. Und wer schultert die Kosten? Nun, fürs Erste habe man eine Reihe von Business Angels für das Projekt begeistern können, so Raptopoulos im Interview. Auch eine Beteiligung seitens Risikokapitalgesellschaften stehe in Aussicht. Langfristig werde die Verbreitung – sprich: ein wachsender Markt – die Kosten drücken und den Drohnen zum Abheben verhelfen:

We really want to create with Matternet the sequel to the mobile telephony story. When mobile telephony started off, access to mobile devices and services was expensive and relatively unreliable – only a few people were able to afford it at the high end of the market – company executives etc. As the technology matured, it trickled down to wider and wider market adoption and today it’s the biggest technology story in countries like Kenya and so many other places in the developing world. It really enabled a leapfrog. Our goal is to do the same for transportation.

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