Interview mit Paul Broekhoven

FuseSource: Open-Source-Middleware à la Apache

Vor wenigen Wochen hat Progress Software die Gründung von FuseSource bekannt gegeben, einem eigenständigen Tochter-Unternehmen, das an der Entwicklung so prominenter Apache-Projekte wie Apache ServiceMix, Apache Camel und Apache CXF beteiligt ist. FuseSource-Manager Paul Broekhoven spricht im Interview mit JAXenter über das Geschäftsmodell des neuen Unternehmens und erklärt, warum auch im Middleware-Bereich Open-Source-Lösungen immer populärer werden.

JAXenter: Wo sehen Sie die Vorteile von Open Source Middleware gegenüber kommerziellen Lösungen?

Paul Broekhoven: Die Hauptvorteile von Open-Source-Middleware-Lösungen im Vergleich zu kommerziell lizensierter Software liegen in reduzierten Kosten, schnellerer Innovationsfähigkeit und erhöhter Flexibilität. Zunächst einmal fallen keine anfänglichen Lizenzgebühren an, was bereits große Einsparungen ermöglicht. Außerdem ist das Open-Source-Entwicklungsmodell sehr agil und basiert auf kollaborativen Prozessen. Ergebnis sind leichtgewichtige, flexible Komponenten, die sich schnell weiterentwickeln lassen, um sie den Anwenderbedürfnissen anzupassen.

Was die Flexibilität anbelangt, so bestehen die Vorteile darin, dass Anwender nicht abhängig vom Produkt eines einzigen Anbieters werden. Insbesondere die Projekte aus der reichhaltigen Apache Community legen großen Wert darauf, den User-Anforderungen der Verwendung vieler verschiedener Technologien entgegen zu kommen.

Beispielsweise kann ein Anwender des Fuse Mediation Router (Apache Camel) die Software ohne Kostenaufwand herunterladen, modifizieren und weiterverteilen. Zudem werden kontinuierlich Updates und Technologie-Support bereitgestellt. Aufgrund der offenen Architektur und Lizensierung kann er Deployments mit jedem Container vornehmen und Integrationen mit jeder anderen Technologie erstellen. Dasselbe gilt für den Fuse ESB (Apache ServiceMix).

Ein typisches kommerzielles Produkt verlangt hingegen selbst für die Evaluierung die Zahlung von Lizenzgebühren. Außerdem ist die Vorinstallierung eines definierten Stack unterliegender Technologie-Komponenten vonnöten, oftmals spezifische Versionen eines spezifischen Applikationsserver, sowie andere Komponenten, die nicht selten ebenfalls mit Lizenzgebühren verbunden sind. Ein typisches kommerzielles Integrationsprodukt ist darauf ausgelegt, mit ganz spezifischen Versionen spezifischer Integrationstechnologien zusammenzuarbeiten – insbesondere solche, die vom selben Anbieter kommen.

Ein weiterer Punkt: Wenn ein User einen Bug in einem Open-Source-Projekt findet, gibt es drei Möglichkeiten: Er kann den Bug analysieren und selbst beheben, er kann Hilfe auf den Community-Mailing-Listen finden oder er kann einen Anbieter von Enterprise-Service-Leistungen wie FuseSource engagieren.

Bei einem kommerziellen Produkt dagegen müssen Lizenz- und Maintenance-Gebühren an einen einzigen Anbieter geleistet werden. Vor allem im Middleware-Bereich gibt es unserer Meinung nach eine große Bandbreite verschiedener Applikationen, die miteinander zusammenarbeiten müssen, eine große Diversität bei den eingesetzten Lösungen und jede Menge neu aufkommender Technologien – und da ist Open-Source-Middleware heute und in Zukunft einfach die flexibelste und effizienteste Art der Integration.

JAXenter: Progress Software hat das Tochter-Unternehmen FuseSource gegründet. Worauf liegt der Fokus von FuseSource?

Paul Broekhoven: Vor wenigen Tagen haben wir die Gründung von FuseSource als eigenständige Tochtergesellschaft von Progress Software bekannt gegeben. Als Weltführer bei Open-Source-Integrations- und Messaging-Lösungen war FuseSource bereits etabliert und erfreute sich eines steigenden Umsatzes mit Wachstumsraten von über 100% in den letzten drei Jahren und über 200 Kunden, darunter bekannte Unternehmen wie Zappos, FAA, CERN und Prudential. Um den Anforderungen der Anwender unserer Open-Source-Software am besten gerecht zu werden, haben wir einen Community-zentrischen Ansatz gewählt, der im Rahmen eines selbständigen Unternehmens noch besser auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen kann. FuseSource beschäftigt mehr als 20 Code Committer für Apache ServiceMix, ActiveMQ, CXF und Camel. Kein anderes Unternehmen kennt diese Produkte besser oder hat mehr Einfluss auf die Richtung der Weiterentwicklung der Projekte.

JAXenter: Können Sie die Fuse-Produktlinie kurz vorstellen?

Paul Broekhoven: FuseSource bietet die folgenden zertifizierten Open-Source-Produkte an, die Apache-lizensiert sind und auf populären Open Source Integrations- und Messaging-Projekte der Apache Foundation basieren:

  • Fuse ESB – Auf Basis von Apache ServiceMix ist Fuse ESB ein kompletter Enterprise Service Bus (ESB) und die Grundlage für Enterprise Integrationen.
  • Fuse Message Broker: Auf Basis von Apache ActiveMQ ist der Fuse Message Broker ein Open Source JMS (Java-Message-Service) Message Broker, der die Kommunikation zwischen Anwendungen und Service-Komponenten ermöglicht.
  • Fuse Mediation Router – Auf Basis von Apache Camel ermöglicht der Fuse Mediation Router die schnelle Implementierung von Enterprise Integrations-Pattern.
  • Fuse Services Framework – Auf Basis von Apache CXF ist das Fuse Services Framework eine Plattform für das schnelles Entwickeln und Deployen von Web Services zum Austausch spezifischer Funktionalität und Information.

Die FuseSource Open-Source-Produkte sind kostenfrei unter der Apache-Lizenz verfügbar. Für eine monatliche Subskriptionsgebühr bieten FuseSource Enterprise-Dienstleistungen, zusätzliche Werkzeuge, Support rund um die Uhr und eine enge Partnerschaft mit unserem Expertenteam aus Leitern der unterliegenden Apache-Projekte. Zum Beispiel bieten wir zusätzliche Tools wie das Fuse HQ Managament Tool, die das Deployen und Verwalten von Messaging-Software erleichtern.

JAXenter: Fuse Forge ist der Name einer Community zur Erstellung von Open-Source-Projekten auf Basis von Fuse. Wer ist Teil dieser Community und welche Projekte gibt es bereits?

Paul Broekhoven: Fuse Forge wurde von unserem Team als Ort für jeden ins Leben gerufen, der seine Ideen reifen lassen und Projekte für Anwender von Open Source Integrations- und Messaging-Lösungen entwickeln möchte. Jeder kann dort ein Projekt starten, und viele Projekte wurden bereits von unserem Team eingereicht. HawtDB ist z.B. eine leichtgewichtige eingebettete MVCC-Key/Value-Datenbank für Java-Anwendungen, die z.B. für Persistenz-Lösungen mit Apache Camel verwendet werden kann.

Scalate ist eine Scala Template Engine, ähnlich JSP, nur statt mit den Nachteilen von JSP mit einer Portion „Scala-Coolness“ ausgestattet. HawtDispatch ist ein API für Java und Scala, ähnlich libdispatch. Jansi ist eine kleine Java-Bibliothek, die es erlaubt, via ANSI-Escape-Sequenzen den Konsolen-Output zu formatieren – und Jansi funktioniert selbst unter Windows.

JAXenter: Welche Trends sehen Sie im Middleware-Bereich aufkommen und wie wird FuseSource darauf reagieren?

Paul Broekhoven: Die drei wichtigsten Trends, die wir sehen sind: Kosten-Reduktion, Open Source und Cloud Computing. Viele Architekten und Projekt-Manager ziehen heute Open-Source-Lösungen für neue Produkte und Erweiterungen existierenden Infrastrukturen in Betracht, um kurzfristig Geld zu sparen und langfristig Flexibilität und Zugang zu neuen offenen Standards zu erhalten. Middleware-Lösungen entwickeln sich weiter, und offene Standards werden zuerst in Open-Source-Projekten umgesetzt. Wir partizipieren an diesen neuen Standards und unterstützen aktiv deren Weiterentwicklung – beispielsweise stellen wir Support für das OSGi-Programmiermodell bereit und haben Pläne, auch AMQP zu unterstützen. Für Cloud-Implementierungen ist das Apache-Lizenzmodell ideal, weil man seine Installationen innerhalb des Unternehmens und darüber hinaus expandieren kann, ohne sich um Lizenzfragen kümmern zu müssen. Da die Integration in die Cloud immer stärker zunimmt, werden wir weiterhin zusätzliche Lösungen anbieten, darunter fortgeschrittene Provisionierungs- und Management-Werkzeuge, die es einfacher für Anwender machen, Open-Source-Integrations- und Messaging-Lösungen in Cloud-Umgebungen zu deployen.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Paul Broekhoven ist seit 25 Jahren im IT-Bereich tätig und seit 15 Jahren bei Progress Software, dem FuseSource-Stammunternehmen, für die Einführung neuer Technologien im Integrations- und Messaging-Bereich verantwortlich. Insbesondere betreut er Enterprise Service Bus (ESB), SOA Management, Governance und Business Process Management (BPM) Lösungen. Seit zwei Jahren ist Broekhoven ausschließlich im Open-Source-Bereich aktiv und leitet die Sales- und Markt-Operationen bei FuseSource außerhalb der USA. Paul ist in den Niederlanden ansässig, war früher bei Informix als Service Manager beschäftigt und hatte verschiedene Rollen als Produkt-Manager inne.
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