"Fünf Gründe, Scrum hinter sich zu lassen" – JAX Countdown zum Early Bird

JAXenter: Auch in Ihrer zweiten JAX-Session „Verlernte Agilität: schleichende Fehler in agilen Prozessen“ werden Sie darüber sprechen, dass sich bei Scrum Fehler einschleichen können, wenn man fundamentale Grundsätze nicht mehr konsequent befolgt. Kann man Agilität verlernen?

Sebastian Bauer: Auch der Titel ist natürlich etwas provokant gewählt. Wenn man Agilität verlernt, hatte man sie davor vermutlich noch nie wirklich verinnerlicht. Aber gerade Teams, die ihre ersten Monate Scrum hinter sich haben, entfernen sich ganz schnell wieder ungewollt von dem, was sie gerade noch lernen. Das passiert z.B., wenn man die ersten Erfolge verbuchen konnte und sich sicher im Umgang mit Scrum fühlt, aber auch, weil man manche Punkte schon immer als störend empfand. Dann wird die Retrospektive z.B. über den Haufen geworfen, weil man ja schon so gut ist und darin „ohnehin nie etwas Neues zu Tage tritt“ und schon fehlt ein Mechanismus, sich stetig weiter zu verbessern. Dabei hätte man in den Retrospektiven etwa nur die richtigen Fragen stellen müssen. Es gibt immer eine Stellschraube, an der sich noch drehen lässt.

Ist so etwas erst einmal in Gang gekommen, kann es schnell passieren, dass man sich nach und nach wieder komplett vom agilen Gedanken entfernt hat. Deswegen möchte ich in der Session auf solche gängigen Probleme hinweisen und Aufmerksamkeit dafür schaffen, auch auf die Kleinigkeiten zu achten, damit man die Entwicklung zum wirklich agilen Team nicht unterwegs verlässt.

JAXenter: Was kann man denn tun, damit der tägliche Scrum nicht zur lästigen Pflicht wird?

Sebastian Bauer: Abwechslung! Wie bei allem. Eine Beziehung braucht Abwechslung, Retrospektiven brauchen Abwechslung und auch Daily Scrum Events brauchen Abwechslung. Werden immer nur die gleichen Fragen gestellt, kommen auch immer die gleichen Antworten. Also ruhig auch mal andere Fragen stellen. Sogar Ken Schwaber ärgert sich inzwischen darüber, dass von vielen Menschen die drei Daily-Standardfragen als Verbindlichkeit gesehen werden. Aber es geht darum, mit dem Daily einen Mehrwert für das Team zu schaffen. Ein kleines, tägliches Planungsmeeting, und das sollte einem Team bewusst gemacht werden. Dann ist es auch kein nervtötendes all-morgendliches Reporting, sondern ein konstruktiver Austausch im Team. Dass die Timebox aus einem guten Grund eingehalten werden sollte, versteht sich von selbst, wer möchte schon gerne morgens eine halbe Stunde vor dem Taskboard herumstehen?

JAXenter: Dann kann man allen nur wünschen, eine abwechslungsreiche aber regelmäßige Scrum-Routine bei sich im Team zu etablieren. Vielen Dank für dieses Gespräch!

Sebastian Bauer beschäftigt sich seit mehr als acht Jahren mit der Entwicklung und Koordination komplexer, webbasierter Anwendungen. Als Scrum Coach bei der Inovex GmbH hilft und unterstützt er Firmen im Umgang mit agilen Methoden. Neben seiner beruflichen Tätigkeit unterstützt er mehrere Open-Source-Projekte und entwickelt Anwendungen für verschiedenste Plattformen.
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