Führungskräfte sind Unsicherheitsagenten - JAXenter

Führungskräfte sind Unsicherheitsagenten

Im vergangenen Herbst auf der IAA war „Grün“, im Sinne von umweltverträglich, ein starkes Thema und auf der kommenden CeBit wird es genauso sein. Wie wirkt so etwas auf Mitarbeiter, wenn es dann doch nur Image ist?

Sprenger: Ich glaube, wenn es wirklich nur Image ist, dann werden die Mitarbeiter das sofort durchschauen und in den Zynismus abwandern. Wenn also große Teile der Chemieindustrie sich als jugendbewegte Naturliebhaber neu inszenieren, habe ich große Zweifel, dass das einigermaßen glaubwürdig ist. Wenn es aber Unternehmen gibt, die sich unter schwierigen Verhältnissen ernsthaft bemühen, die Nachwelt lebenswert zu erhalten, dann kann das sicherlich ein großer Vorteil im Kampf um gute Leute werden. Ich persönlich glaube jeden Tag mehr, dass der Wettbewerb der Zukunft auf den Personalmärkten entschieden wird. Woher bekomme ich – hier in Mitteleuropa – wirklich gute Leute? Das hängt in erster Linie von der Qualität des Bewerberpools ab. Wer will freiwillig zu mir? Die Qualität des Bewerberpools ist wiederum abhängig vom Image des Unternehmens. Nur kann ich diesem Image nicht von außen ein bisschen Rouge auflegen, es muss von den Mitarbeitern selbst kommen, die mit Stolz über ihr Unternehmen sprechen. Und wenn ein Unternehmen sich wirklich um diese Themen bemüht, dann zieht das gute Leute an.

Es gilt also der alte Spruch: Tue Gutes und rede darüber?

Sprenger: Ja, da ist jede Form von Eitelkeit berechtigt. Sofern wenigstens Reste von Substanz da sind. Ich persönlich hab es nicht so mit grün, weil es in die Geisteskrankheit der politischen Korrektheit abgewandert ist. Dennoch, alles wofür es Märkte gibt, finde ich in Ordnung. Wenn sich momentan unter dem Stichwort „Grün“ neue Märkte öffnen, dann kann ich das nur begrüßen.

Bleibt denn Verantwortung gegenüber der Gesellschaft für Unternehmen wichtig, selbst wenn „Grün“ nicht mehr auf der Agenda steht?

Sprenger: Ein Unternehmen muss ökonomisch denken und handeln, es kann nicht moralisch denken und handeln. Das Business von Business ist Business – Punkt! Aber wenn es ökonomisch ertragreich ist, sich moralisch zu verhalten, gut so. Das aber ist Sache der Kunden.

Haben denn Mitarbeiter eine Möglichkeit auf ein Unternehmen Einfluss zu nehmen, indem sie sagen, dass Moral ihnen auch bei ihrem Arbeitgeber wichtig ist?

Sprenger: Absolut, das ist letztlich wieder eine Frage des Preises, den ich bereit bin zu zahlen, also eine Frage der Selbstverantwortung. Es hängt an uns als Kunden und Mitarbeiter. Wenn ich mir anschaue, wie respektlos einige Unternehmen mit ihren Mitarbeitern umgehen, dann kann man das bedauern, dann kann man sich moralisch empören, man kann aber auch einfach nur sagen: Solange diese Unternehmen gute Leute finden, wird sich daran nichts ändern. Also müssen gute Leute sich von diesen Unternehmen abwenden, dann werden die sich schon überlegen, ob es nicht auch anders geht.

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