Interview mit Thomas Maas, CEO von freelancermap

Tag des Freelancers: Gehalt, Trends und Berufschancen [Infografik]

Dominik Mohilo

© Shutterstock / vinnstock

In wenigen Branchen ist das Arbeiten als Freelancer so attraktiv wie im Bereich der IT. Wir haben den heutigen Tag des Freelancers zum Anlass genommen, um den Vorurteilen und Irrtümern des Freelancings auf die Spur zu gehen. Im Interview klärt Thomas Maas, CEO von freelancermap, über verschiedene Gehaltsfaktoren für Freiberufler auf. Er erläutert zudem, welchen Einfluss der Fachkräftemangel ausübt und wie sich der Arbeitsmarkt zukünftig entwickeln könnte.

JAXenter: Hallo Thomas und danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Heute ist der Tag des Freelancers – wie ist es denn um die Freiberufler in der IT-Branche bestellt?

Thomas Maas: Gerne! Wir haben den Tag des Freelancers zum Anlass genommen, mehrere Studien aus der IT-Branche mit den Studienergebnissen aus dem Freelancer- und Recruiter-Kompass zu vergleichen. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Freelancer der Schlüssel sind, um dem Fachkräftemangel in der Branche entgegenzuwirken. Dafür müssen mehr Unternehmen auf Freelancer vertrauen und auf der anderen Seite freie Experten den “Mut” zeigen, das Auftragsgeschäft anzunehmen. 82 Prozent aller deutschen Unternehmen sind vom IT-Fachkräftemangel betroffen und in Deutschland gibt es 82.000 offene Stellen – hier muss endlich aktiv gehandelt werden. Im Recruiter-Kompass wurde deutlich, dass vor allem die Besetzung eine große Hürde darstellt. Im IT-Sektor nimmt das Recruiting wesentlich mehr Zeit in Anspruch und erscheint deutlich schwieriger als in anderen Branchen. Speziell bei Entwicklern dauert die Besetzung offener Stellen bis zu fünf Monate! Der Recruiter-Kompass belegt, dass in knapp vier Wochen die passenden Freelancer gefunden werden. Schon allein diesen Zeitfaktor müssen Unternehmen – neben dem Ausgleichen von Prozess-Engpässe, dem externen Know-how und die höhere Produktivität – verinnerlichen. Die Vorteile für Freelancer sind bekannt: Unabhängigkeit, freie Zeiteinteilung, Entscheidungsfreiheit und Projektvielfalt – es liegt an den Unternehmen, in Zeiten von New Work flexible Beschäftigungsmodelle zu etablieren.

JAXenter: Der Fachkräftemangel dürfte ja eher positiv für Freelancer mit Kapazitäten sein – ist es auch finanziell lukrativ freiberuflich tätig zu sein? Oder ist man als Angestellter besser dran?

Die Vorteile für Freelancer sind bekannt: Unabhängigkeit, freie Zeiteinteilung, Entscheidungs- freiheit und Projektvielfalt.

Thomas Maas: Wenn man “nur” auf die Zahlen schaut, verdienen IT-Freelancer ca. doppelt so viel wie Festangestellte. Doch natürlich muss man hier etwas genauer sein, denn Freelancer arbeiten im freien Projektgeschäft und sind von der Auftragslage oder auch der Preisgestaltung abhängig, sodass es hier kein festes, regelmäßiges Gehalt gibt. Doch da sie eben diese Preise selbst festlegen, kommen sie auf ein Nettoeinkommen von 6122 Euro, Festangestellte liegen bei gerade einmal 3136 Euro. Diese Differenz streichen sie aber nicht komplett ein, sie müssen Beiträge zur Sozialkasse selbst tragen werden und steuerliche Unterschiede bei der Kalkulation berücksichtigen. Dazu kommen allgemeine Betriebsausgaben, wie Raumkosten, Equipment und Weiterbildungen. Dennoch ist dieser Einkommensunterschied groß genug, um als freier Experte deutlich mehr zu verdienen, als intern fest angestellt zu sein.

JAXenter: Welche Nachteile hat der Status als Freelancer – von den offensichtlichen wie einem sicheren Arbeitsplatz und einem regelmäßigen, festen Gehalt einmal abgesehen?

Thomas Maas: Das Freelancer-Dasein ist stark von der eigenen Persönlichkeit abhängig und verlangt sicherlich – und vor allem am Anfang – eine gehörige Portion Mut. Die einen sehen die freie Zeiteinteilung als großen Vorteil, die anderen stehen genau an dieser Stelle vor einer großen Herausforderung. Im Rahmen vom aktuellen Freelancer-Kompass fragten wir nach den größten Nachteilen. An der Spitze stehen immer noch ein schwankendes Einkommen (47,62%), die Auftragsakquise (47,07%) und der Zahlungsverzug (39,38%). Oft kam auch die Buchhaltung als leidiges Thema zur Sprache, aber hier sehen wir eine deutliche Bewegung, diese an externe Dienstleister auszulagern.

JAXenter: Wie wird sich der Arbeitsmarkt in Zukunft entwickeln? Werden IT-Freelancer bald Schwierigkeiten haben, Aufträge zu finden?

Thomas Maas: Seit mehr als drei Jahren befragen wir Freelancer zu ihrem persönlichen Status quo und wohin sich die Branche entwickelt. Der Trend geht dahin, dass die Zukunftschancen für Freelancer stetig wachsen, sich die Auftragslage von Jahr zu Jahr verbessert und auch Recruiter die Relevanz des flexiblen Auftragsgeschäfts erkennen. Nur wenige sehen einen Negativtrend, wodurch wir davon ausgehen, dass speziell in der IT-Branche der Bedarf an Freelancern weiter steigen wird und sie zur fest eingeplanten Ressource für Unternehmen werden – ob Startup, KMU oder großes Unternehmen.

Thomas Maas: Die Ergebnisse unserer Recherchen zum IT-Fachkräftemangel zeigen: der Bedarf ist da und jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um ins Freelancer-Geschäft einzusteigen. Festangestellte müssen sich klarwerden, dass ihr Freelancer-Kollege im Unternehmen fast doppelt so viel im Monat einstreichen könnte. Blickt man auf den Stundensatz in Deutschland (89,63 Euro), wäre im DACH-Raum die Schweiz das lukrativste Land. Hier verdienen Freelancer durchschnittliche 119,55 Euro in der Stunde. Doch auch hier gilt eine Einschränkung, denn die Lebenshaltungskosten sind dort wesentlich höher.

Um den Vorurteilen und Irrtümern des Freelancings auf die Spur zu gehen, ruft freelancermap am 14.5. – dem Tag des Freelancers – dazu auf, die größten Freelancer-Mythen in den sozialen Netzwerken zu teilen. Freelancer, Recruiter und Unternehmen sollen hier ihre Meinungen und Ansichten über die größten Mythen im freien Projektgeschäft beschreiben.

Bevor Thomas Maas 2011 als Projektleiter bei freelancermap einstieg, war er bei Immowelt unter anderem im Produktmanagement tätig. Sein beruflicher Werdegang begann mit einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Dort stellte er fest, dass er nicht nur Spaß am Verkaufen hatte, sondern vor allem daran mit Menschen zu reden und diese von seinen Ideen zu überzeugen. Seine Vorliebe für das Internet entfaltete sich dann im anschließenden Studium der Wirtschaftsinformatik an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Da Maas schon immer im technischen Bereich tätig war und selbst als Freelancer für Firmen Webseiten baute, festigte sich bei ihm schnell der Wunsch, webbasiert zu arbeiten. Heute setzt er sich als CEO von freelancermap mit großer Leidenschaft dafür ein, dass sich auf der Plattform professionelle Freelancer, Freiberufler, Selbstständige und Unternehmen für die Arbeit an spannenden Projekten zusammenfinden können.

Infografik: Angestellter vs. Freelance

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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Thomas Maas hat völlig Recht: Die Zahl der offenen Stellen in Deutschland nimmt weiter zu und Unternehmen klagen über den verschärften Fachkräftemangel. Dieser wird in der Debatte über die Zuwanderung jedoch gerne verdrängt. Die Chance für Freelancer(-Portale)? Tatsächlich meldet z.B. http://freelancer-projekte.ch/ dass seit einiger Zeit ein monotoner Anstieg der registrierten Freelancer zu beobachten ist. Die Plattform schreibt sogar „In Zukunft könnte sich der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften weiter akzentuieren!“