JAXenter Survey: Framework-Trends 2018

Technologie-Trends 2018: Das sind die Top-Frameworks

Hartmut Schlosser, Marcel Richters

© Shutterstock / dizain

Welche Frameworks liegen 2018 im Trend? In unserer großen JAXenter-Umfrage haben Sie abgestimmt. Wir schauen uns die Ergebnisse im Detail an und vergleichen sie mit den Bewertungen aus den Vorjahren. Welche Tendenzen lassen sich erkennen?

Die Grundlage allen Programmierens ist die Sprache, in der programmiert wird. Doch kaum eine Software wird heute ohne Frameworks entwickelt, wer will schon bei Null anfangen? Nachdem wir uns im ersten Teil unserer Auswertung die Programmiersprachen vorgenommen haben, widmet sich der zweite Teil den Rahmenwerken und UI Toolkits.

Webframeworks 2018

Wir beginnen mit den Webframeworks. Hier setzt sich in der Umfrage deutlich die Tendenz der letzten Jahre durch: JavaScript-Frameworks liegen ganz vorne: React, Angular, Node.js. Der erste Treffer aus dem Java-Ökosystem landet Spring MVC, das den vierten Platz belegt. JavaScript-Shootingstar Vue.js liegt bereits an fünfter Stelle, 35% der Teilnehmer fanden das Framework „interessant“ oder „sehr interessant.“

Welche Trends sich in diesen Ergebnissen offenbaren, zeigt der Vergleich mit den Umfragen aus den Vorjahren:

Als „interesting“ und „very interesting“ bewertete Webframeworks

Angular, der Gewinner 2016, wurde bereits 2017 von React überholt – ein Trend, der sich 2018 weiter fortsetzt. Java Frameworks insgesamt schneiden 2018 schlechter ab, Spring MVC sowie die beiden Java-EE-Frameworks MVC und JSF verlieren genauso Prozente wie die kleineren Vaadin, Wicket und Play.

Application Frameworks 2018

Bei den Application Frameworks gibt es einen klaren Sieger: Spring Boot. Wie kein anderes Rahmenwerk scheint Boot dem Trend entgegenzukommen, Java-(Enterprise)-Anwendungen ohne schwergewichtigen Application Server zu bauen. Mit 52,6 Prozent der Teilnehmer, die Spring Boot interessant oder sehr interessant fanden, liegt das Framework gleichauf mit React, dem Gewinner bei den Web Frameworks.

Aus demselben Grund wie Spring Boot dürfte für viele das Projekt Eclipse Microprofile spannend werden: Microservices-basierte Anwendungen. Eclipse Microprofile war in diesem Jahr zum ersten Mal in der Umfrage dabei, und noch scheint das Interesse mit den erzielten 14,8 Prozent eher verhalten. Doch wird mit Spannung zu beobachten sein, wie sich dieser Wert in den nächsten Jahren verändert – oder wie ein möglicher Zusammenschluss mit Jakarta EE die Popularität der Java-Enterprise-Plattform beeinflussen wird.

Blicken wir auf den Vergleich mit den Vorjahren, ergibt sich folgendes Bild:

Zugewinne verzeichnet kein einziges der Application Frameworks. Spring Boot verliert zwar etwas, liegt aber dennoch vorne. Akka erzielt mit 41,8% immer noch ein bemerkenswert gutes Ergebnis. ReactiveX, Vert.x und Lagom liegen in etwa gleichauf im Mittelfeld. Für Dropwizard und Ratpack zeigt die Trendkurve nach unten.

UI Toolkits 2018

Den Frameworks bzw. Toolkits, die im engeren Sinne der Entwicklung von User Interfaces dienen, haben wir eine gesonderte Rubrik gewidmet. Übermächtig ragt hier HTML5 über allem anderen. Die 77,4 Prozent lassen den Rückschluss zu, dass HTML5 mittlerweile zum Grundvokabular eines jeden Frontend-Entwicklers zählt. Auch die Plätze 2 und 3 verweisen auf JavaScript: Bootstrap und Web Components sind beliebt.

Interessant ist hier die Betrachtung der dezidierten Java-UI-Kits:

Das Interesse an JavaFX nimmt leicht ab, liegt aber dennoch deutlich vor den alten Bekannten Swing und SWT. Swing verzeichnet sogar einen leichten Zugewinn von 0.5 %, was angesichts der vor gut 5 Jahren getätigten Ansage Oracles, mit JavaFX den Nachfolger von Swing zu entwickeln, doch überrascht.

Zu JavaFX gab es zuletzt die Ankündigung, das Toolkit in Java 11 aus dem JDK zu entfernen und als separates Projekt zu behandeln. Alles in allem unklare Signale, die das Vertrauen in Java als UI-Technologie nicht zu stärken scheinen. Selbst bei der deutlich am Java-Ökosystem orientierten JAXenter-Leserschaft finden sich die Java UI Toolkits jedenfalls weit hinter der JavaScript-Konkurrenz.

Trend JavaScript

Insgesamt zeigt sich bei den Frameworks also der Trend hin zu JavaScript. Schauen wir uns deshalb die JavaScript-Welt zum Abschluss nochmals gesondert an:

Eine Tendenz springt dabei besonders ins Auge: Galt die Welt der JavaScript-Frameworks in der Vergangenheit als besonders fragmentiert, so scheint sich doch eine gewisse Konsolidierung abzuzeichnen. Das Gros der Community sieht mit React, Angular, Node.js und Vue.js ihre Bedürfnisse auf dem Framework-Markt abgedeckt. Desweiteren sind HTML5 und Bootstrap gesetzt. Was sich bei den Web Components tut, wird mit Interesse beobachtet.

Nimmt man noch die Ergebnisse bei den Programmiersprachen hinzu, so zeigt sich mit JavaScript als Universalsprache und TypeScript als nützliche Spracherweiterung für große Projekte die JavaScript-Welt 2018 als deutlich übersichtlicher als angenommen.

 

So weit unsere erste Betrachtung Ihrer Bewertungen der Frameworks. Beim nächsten Mal wollen wir uns die Umfrageergebnisse aus dem Bereich der Software-Architektur ansachauen. Bleiben Sie dran!

Die Umfrage

Die JAXenter-Umfrage wurde online auf unseren Portalen JAXenter.de und JAXenter.com durchgeführt. Sie fand 2018 zum dritten Mal statt und erreichte 1007 Teilnehmer, die verschiedene Technologien nach ihrer Relevanz bewerten sollten. Die folgenden Themenbereiche wurden abgedeckt:

  • Programmiersprachen
  • Webframeworks
  • UI-Technologien
  • Continuous Delivery und Automatisierung
  • DevOps, Container und Service-Discovery
  • Cloud-Plattformen und -Technologien
  • Software-Architektur
  • Datenlagerung
  • Datenverarbeitung
  • Weitere Technologien

Die Teilnehmerschaft war überwiegend männlich (95%) und zwischen 31 und 50 Jahre alt. 80% der Teilnehmer verfügen über mehr als 6 Jahre Programmiererfahrung:

45% der Teilnehmer stammen aus Deutschland, 10% aus den USA, der Rest verteilt sich auf über 80 verschiedene Staaten. Mehr zur Ausrichtung und Demografie finden Sie im ersten Teil unserer Auswertung: Technologie-Trends 2018: Das sind die Top-Programmiersprachen.

 

LESEN SIE AUCH:

Technologie-Trends 2018: Das sind die Top-Programmiersprachen

 

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
Marcel Richters
Marcel Richters
Marcel hat Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und danach als E-Commerce-Manager gearbeitet. Seit Februar 2018 unterstützt er das Team von JAXenter als Redakteur. Daneben arbeitet er als freier Journalist in der Mainmetropole.
Kommentare

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7 Kommentare auf "Technologie-Trends 2018: Das sind die Top-Frameworks"

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Entwickler
Gast

Trends kommen und gehen und sind damit für langfristige Software-Strategien gänzlich ungeeignet. Wer hat schon die Kapazitäten alle drei Jahre ein JavaScript-Framework durch ein noch trendiges auszutauschen?! Wir zumindest nicht und werden weiterhin auf serverseitige Frameworks setzen. JavaServerFaces und Primefaces leisten dabei hervorragende Dienste und werden vermutlich noch in zehn Jahren unterstützt. In dieser Zeit hat der typische JavaScript-Nutzer sein Framework schon dreimal ausgetauscht.

Earl
Gast

Nodejs ist kein Framework. Ich kann nicht verstehen woher dieses hartnäckige Gerücht kommt und warum es sich überhaupt verbreiten konnte, aber noch weniger kann ich verstehen wieso seriöse Journalisten solch einen Humbug auch noch verbreiten!?

Redaktion JAXenter
Mitglied
Hallo Earl, die Krux an der Geschichte ist, dass der Begriff „Framework“, genau wie die Begriffe „Plattform“ oder „Bibliothek“, immer schwammiger gebraucht werden. Viele klassische Frameworks haben sich im Laufe der Zeit zur Plattform gemausert, viele Bibliotheken sind „mehr“ als Libraries. Für eine Umfrage müssen wir allerdings Kategorisieren. Wir hätten den Punkt auch „JavaScript Tools“ nennen können, da im Web ohnehin meist eben JavaScript im Einsatz ist – allerdings hätten wir dann Ruby on Rails oder GWT nicht 100 prozentig korrekt eingeordnet. Wir haben uns für Webframeworks entschieden, da wir so die meisten Fälle korrekt abgedeckt haben UND Node.js in… Read more »
TestP
Gast

Hallo,

für Framework oder Nicht-Framework gibt es eine nette Definition:

wird die Komponente vom Entwickler aufgerufen dann ist es eine Bibliothek und kein Framework.
Wird das, was der Entwickler programmiert hat von der Komponente aufgerufen dann ist es ein Framework.

Grüße

David
Gast
Sehe derzeit (noch) keinen Bedarf jedem Google- oder Facebook-Trend hinterherzurennen, was nicht heißt, dass ich kein Javascript mag. Mir sind Projekte bekannt, wo Teams enorm viel Zeit mit der Umstellung auf ein reines Javascript-Framework verbracht haben (obwohl sie technisch absolut nicht notwendig war) und ein Jahr später das ganze Prozedere erneut. Man sollte auch die guten alten Servlets nicht vergessen, die gerade heute in Verbindung mit Javascript und Websockets völlig neue Ansätze ermöglichen. Wir nutzen z.B. JSF bzw. Facelets als View-Technologie und lassen JSF-Seiten in einigen Bereichen nur einmal serverseitig generieren: Ab diesem Zeitpunkt werden über eine Servlet/Websocket-Kommunikation nur noch… Read more »
Entwickler
Gast
Die Grundproblematik ist, viele Entwickler sind IT medienhörig, glauben tatsächlich alles was die Medien anpreisen und bezahlen dafür Jahre später bitter. Vor Jahren wurde bei uns die MongoDB eingeführt, weil sie damals als die bessere Datenbank beworben wurde. Heute wollen wir sie nur noch los werden und durch die Postgres ersetzen. Wer in diesem Umfeld extreme Skalierung benötigt, greift sowieso zu NewSQL-Datenbanken aber niemals zu NoSQL. Auf JavaSkript trifft dies in Teilen ebenfalls zu. Schlechter Unterbau, fehleranfällig durch dynamische Typisierung, oftmals inkonsistent, für große Projekte gänzlich ungeeignet, Refactoring kaum möglich. Hier hoffe ich auf einen neuen „polygloten“ VM-Ansatz im Browser.… Read more »
Peter
Gast

Ihr habt ja alle irgendwo Recht, kann Euch verstehen, aber trotzdem – und da kann man gegendiskutieren wie man will – um JavaScript werden wir alle wohl nicht herum kommen.