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Interview mit Oliver Zeigermann

„Flux als Architekturidee und Web Components stehen nicht im Widerspruch“

Redaktion JAXenter

Oliver Zeigermann

Kennen Sie schon Flux? Der neue Architekturstil von Facebook, Yahoo!, Co. verspricht, Ordnung ins sonst so übliche Frontend-Chaos zu bringen. Anlässlich seiner Session auf der diesjährigen W-JAX haben wir Oliver Zeigermann gefragt, was sich hinter Flux verbrigt, wo es aktuell im Einsatz ist und wie die Zukunft der Webentwicklung aussehen könnte.

JAXenter: Facebook, Yahoo! und andere haben einen neuen Architekturstil namens Flux vorgeschlagen. Worum geht es dabei?

Oliver Zeigermann: Flux ist bei Facebook als eine Antwort auf Schwierigkeiten bei der Entwicklung ihrer Hauptanwendung entstanden. Durch die vielen Abhängigkeiten zwischen unterschiedlichen Teilen der Anwendung war der Fluss der Daten durch die Anwendung nicht mehr durchschaubar. Gewisse Fehlerklassen konnten immer wieder beobachtet und nicht dauerhaft behoben werden. Flux ist eine Architektur-Idee, die eine sehr klare Trennung der an der Anwendung beteiligten Bestandteile und einen sehr klaren Fluss von Daten und Kontrolle fordert. Eine solche Architektur verspricht eine hohe Verständlichkeit der Anwendung und gibt einen klaren Leitfaden für die Entwicklung.

JAXenter: Wo ist Flux aktuell im Einsatz?

Oliver Zeigermann: Wie erwähnt, nutzt Facebook Flux in allen seinen Anwendungen. Das erstreckt sich sogar auf native mobile Apps. Yahoo hat ein Framework (fluxible) auf der Flux-Idee implementiert. Mozilla baut mit der Flux-Implementierung Redux aktuell den Debugger ihres Firefox Browsers neu. Vevo nutzt die Flux-Architektur zur Darstellung auf der Server- und auf der Client-Seite. Beides ist mit Flux möglich. Dies sind nur einige Beispiele, die Liste der Anwender ist noch sehr lang. Sie umfasst auch viele kleine Firmen, etwa aus Deutschland.

JAXenter: Für welche Arten von Anwendungen ist Flux aus deiner Sicht hilfreich – und
wo nicht?

Oliver Zeigermann: Flux eignet sich für alle komplexen Benutzerschnittstellen. Das sind meist Web-Anwendungen, aber es gibt keinen Grund, diese Idee nicht auch für mobile Anwendungen oder im Desktop einzusetzen. Tatsächlich ist Flux eine sehr gute Ergänzung zu React Native, mit dem man native mobile Anwendungen entwickeln kann. Flux als Architektur-Idee ist auch nicht auf JavaScript festgelegt. Om mit ClosureScript und auch Elm teilen eine ganze Reihe der Ideen von Flux.

JAXenter: Eine andere Neuerung im Bereich der Web-Entwicklung sind Web Components – maßgeblich von Google und dem Polymer Framework vorangetrieben. Stehen diese im Widerspruch zu Flux?

Oliver Zeigermann: Flux als Architekturidee und Web Components als eine Grundlage für einen Komponenten-orientierten Ansatz stehen nicht im Widerspruch. Die beiden stehen eher orthogonal zueinander, d.h. sie erfüllen einen anderen Zweck und können auch kombiniert werden. Flux ist im Umfeld von React entstanden, aber als Idee nicht auf React festgelegt. Verwendet man React zur Ausprägung einer Flux-Architektur, ist die Zusammenarbeit mit Web Components noch immer problemlos möglich. Polymer kommt im Gegensatz dazu mit eigenen Architekturideen, kann aber grundsätzlich auch vom Flux-Ansatz profitieren.

JAXenter: Flux, Web Components, HTML6 – ist das die Zukunft der Webentwicklung? Oder wie würdest du sie dir am liebsten vorstellen?

Oliver Zeigermann:  Web Components haben sich bisher nicht durchgesetzt, bei HTML6 gibt es noch keine allgemeine Vorstellung davon, was das eigentlich sein soll. Flux spielt sehr gut mit React zusammen und erlaubt bereits jetzt eine schnelle und einfache Komponenten-orientierte Entwicklung. Auch mit HTML und JavaScript, das auf IE8 läuft. Nimmt man nun noch TypeScript als getypte Sprache hinzu, die auch React unterstützt, ist man dem Ideal bereits recht nahe. Im schnelllebigen UI-Framework-Bereich ist es immer schwer, Prognosen zu machen, und selbst wenn wir uns auf Gedankenspiele einlassen, sind konkrete Anforderungen einer Anwendung oder Webseite meist ausschlaggebender als die grundsätzliche Technologieidee. Von Seiten der Entwicklung und der Möglichkeiten in puncto Wartung haben wir hier aber sicher einen aktuellen Favoriten mit hohem Potential auf ein längeres Leben.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Oliver Zeigermann ist Entwickler, Architekt, Berater und Coach bei embarc in Hamburg. Oliver wendet seine Erfahrungen aus dem Java-Umfeld auch auf die Softwareentwicklung und Architektur mit JavaScript an.

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