Flip-Flops adé?

Programmierer in Nadelstreifen: Firmen fordern Business-Look für ITler

Michael Thomas

© Shutterstock.com/Tyler Olson

Häufig lassen es ITler modetechnisch gesehen etwas ruhiger angehen. Einige Firmen scheinen dies ändern zu wollen. Ist das Ende des Schlabberlooks in Sicht?

In der IT und in IT-nahen Berufen Tätige sind nicht unbedingt für ihr ausgefeiltes Styling am Arbeitsplatz bekannt: Statt Haute Couture herrschen häufig, insbesondere in kleineren Unternehmen, eher T-Shirt und Jeans vor.

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mit Christian Schwendtner (PROGRAMMIERFABRIK)

Dresscodes für ITler?

Allerdings, es tut sich was in modetechnischer Hinsicht: Einige Firmen drängen darauf, dass sich ihre IT-Mitarbeiter seriöser in Schale werfen. Der neue Vorstandsvorsitzende des Finanzunternehmens Barclays etwa hat einen Dresscode eingeführt, der Jeans, T-Shirts, Turnschuhe und Flip-Flops aus den Büros verbannt. Nur noch am Casual Friday ist in Zukunft ein etwas legereres Auftreten erwünscht.

Was in Banken, immerhin Hochburgen des Business Looks, nicht ganz so überraschend ist, gilt für das nächste Beispiel nur noch eingeschränkt: Berichten zufolge hat der Technologieriese Hewlett-Packard Anfang dieses Sommers einigen Forschungs- und Entwicklungsteams ein vertrauliches Memo zukommen lassen, das sie zu förmlicherer Kleidung auffordert. Der HP-Dresscode verbietet demnach kragenlose T-Shirts, ausgebleichte oder zerschlissene Jeans, Shorts, Baseballmützen und andere Kopfbedeckungen, Sportbekleidung, sowie Sandalen und andere offene Schuhe. Für die Damenbekleidung ist die Liste um ein Verbot kurzer Röcke, kurz geschnittener Kleider, High Heels und „zu viel“ Schmuck ergänzt. Zwar hat das Unternehmen zwischenzeitlich dementiert, dass ein derartiger Dresscode besteht, doch Aufregung und auch Spott waren in der Programmierergemeinde bereits losgetreten.

Besonders verwunderlich sind derartige, für manchen Zeitgenossen abschreckende Vorschriften, in Zeiten, in denen Firmen mit Zähnen und Klauen um talentierte ITler kämpfen  und vielerorts darüber nachgedacht wird, ob Angestellte nicht auch komplett von zu Hause aus arbeiten könnten.

Dresscode, was ist das?

Weniger verwunderlich also, dass einige der erfolgreichsten Unternehmen nach wie vor komplett auf Kleidungsvorschriften verzichten. Bei Google etwa herrscht modische Narrenfreiheit. Warum so wenige kreative Menschen dem Business-Look verhaftet sind, meint der Gründer der Virgin Group Richard Branson, selbst bekennender Krawatten-Hasser, zu wissen. Ihm zufolge trägt „Kreativität keine Uniform“; entspringen verwegene Ideen keinen grau in grau gefärbten Sitzungssälen und Bürozellen.

Einige Unternehmen nutzen den Wirbel, den Barclays und HP entfacht haben gar, um mit ihrer Kein-Dresscode-Haltung zu werben. Betabrand etwa verspricht in einem  vermutlich nicht zu 100 % ernst gemeinten  Video, dass sich seine Angestellten ganz nach eigenem Gusto kleiden dürfen  was bei einem Bekleidungsunternehmen allerdings auch nicht ganz so überraschend ist.

Was denken unsere Leser? Dresscode am Arbeitsplatz ja oder nein? Beziehungsweise: Wie handhabt Ihr Arbeitgeber dieses Thema?

Aufmacherbild: Low section of businesspeople with briefcases standing on steps at office von Shutterstock.com / Urheberrecht: Tyler Olson

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
Kommentare

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7 Kommentare auf "Programmierer in Nadelstreifen: Firmen fordern Business-Look für ITler"

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Max
Gast
Klar, jeder sollte tragen dürfen was er mag. Einen Dresscode erzwingen finde ich nicht gut. Jeder Mensch ist individuell und sollte sich (und von mir aus auch seine Kreativität) frei entfalten dürfen. Aber auf der anderen Seite finde ich, auch in unserem Beruf, sollte ein bisschen Seriosität sein. Bei wichtigen Besprechungen beispielsweise – egal ob beim Kunden oder mit der Fachabteilung – würde ich ein ordentliches Hemd vorziehen und auch auf die Jeanshose verzichten. Das hat einfach auch etwas mit Anstand und Respekt seinem Geschäftspartner gegenüber zu tun. Außerdem wird man in seriöser Kleidung eher ernst genommen. Wenn man den… Read more »
Stephan Roth
Gast

Solange sich unsere hochbezahlten „Manager“ diverser IT-Unternehmen anscheinend exzessiv um derart belanglosen Kram kümmern können, statt ihren Laden fit für das Komplexitätszeitalter zu machen, kann es ja nicht so schlecht um die Qualität unserer Software bestellt sein.

OH…Moment… http://www.heise.de/newsticker/meldung/Computerfehler-Versicherer-Ergo-hat-sich-bei-Hunderttausenden-Kunden-verrechnet-2761451.html

Bernd Burkert
Gast

@Stephan Roth Nee, gerade drum. Den Computerfehler hat doch kein Manager in korrektem Business Look verursacht, sondern eine Gemengelage von schlechter SW-Entwicklung in Verbindung mit fehlgeschlagener Qualitätssicherung.

Oh warte, tragen die Qualitätsmanager bei Ergo eventuell ausgebleichte Jeans und T-Shirts? [ha ha]

@Dmitriy hat es auf den Punkt gebracht: Dies ist faktisch DeMarco’s Möbelpolizei 2.0

Genia Holsing
Gast

Ein Spagat zwischen Geschmacksfragen (des Managements) und Gestaltungsfreiheit der Arbeitsumgebung… Wo die beiden besonders auseinander klaffen, gibt es Konflikte. Ist doch das gleiche in grün wie die dämliche Debatte über die zulässige Freizügigkeit der Schülerkleidung. Solang die ängstlichen ewig gestrigen (was leider nicht nur altersabhängig ist) ihre Vorstellungen diktieren können, beschäftigt man sich mit solchen Nebensächlichkeiten. Hohe Mitarbeiterzufriedenheit scheint ja kein Ziel von dem zitierten Bankunternehmen zu sein…

pesche
Gast

Je feiner der Zwirn, desto weniger im Hirn ?
Die meisten Manager sind bereits mit MS-Office ausreichend gefordert. Selten einen Manager erlebt, der komplexere Software tiefergehend mit analysiert.
Eine andere unangenehme These: Ich bringe bessere Leistung in besserer Kleidung ? Wenn ich nachts um 2:00 UHr geweckt werde wegen eines kritischen Incidents, wuesste ich nicht, dass mein Computer an meiner Kleidung eine andere Leistung vollbringt. Man muss nur ueber einen UNi-Campus gehen. Die Betriebswirte haben meist den neusten Chic, die Naturwissenschaftler & Ingenieure sind angezogen wie eine graue Maus.