Mobile Welten

Flexible Entwicklung

Kay Glahn

Mit der Version 4.5 des Adobe Flash Builder wird demnächst auch die Entwicklung von mobilen Applikationen für Android, iOS und das BlackBerry Tablet OS unterstützt. Adobe bietet hiermit eine plattformübergreifende Entwicklung von Applikationen auf Basis von Adobe AIR an.

Anfang Mai hat Adobe die Creative Suite 5.5 in verschiedenen Varianten vorgestellt. Bestandteil des Softwarepakets ist unter anderem auch der Flash Builder 4.5, der es ermöglicht, Applikationen für Touchscreen-Smartphones und Tablets genauso einfach zu entwickeln, wie es zuvor bereits für Desktop-Applikationen der Fall war. Möglich wird die Cross-Platform-Entwicklung durch die Adobe AIR Platform in der Version 2.6. Diese ist für Googles Android als separater Download über den Android Market verfügbar. Auf dem BlackBerry PlayBook Tablet ist die AIR Engine bereits vorinstalliert. Auf dem iPhone, iPod Touch und dem iPad muss sie mit jeder Applikation gebundelt ausgeliefert werden, was für einen Overhead von ca. 8 bis 9 MB pro Applikation sorgt. Die Applikation wird nicht im AIR-Format, sondern im jeweiligen nativen Format der Zielplattform bereitgestellt, also beispielsweise als APK-Paket für Android oder als IPA-Paket für iOS. Dies bedeutet, dass die Applikationen ganz normal über den jeweiligen Application Store der Plattform bereitgestellt werden können.

iOS-App-Entwicklung auch unter Windows

Nachdem Apple das Verbot fremder Entwicklungswerkzeuge und Sprachen nun gelockert hat, wird es Entwicklern jetzt wieder ermöglicht, die AIR Engine zusammen mit einer iOS-App zu bundeln und in den App Store zu bekommen. Als separaten Download oder gar vorinstalliert wird man die AIR Engine auf Apple-Geräten allerdings nicht vorfinden. Durch die iOS-Unterstützung des Flash Builder 4.5 wird es jetzt sogar möglich, iOS-Applikationen auf dem Windows-PC zu entwickeln, ohne dass man als Entwickler weiterhin gezwungen ist, Apple-Hardware für Apples hauseigene Entwicklungswerkzeuge anzuschaffen. Einzig um die Anmeldung am kostenpflichtigen Apple-Developer-Programm, das mit 99 US-Dollar pro Jahr zu Buche schlägt, kommt man auch weiterhin nicht herum, wenn man die mit Adobe Flash Builder entwickelten iOS-Apps auf einem realen iOS-Gerät testen will bzw. diese in Apples App Store anbieten möchte.

Der Flash Builder erlaubt in der aktuell auf der Adobe-Website verfügbaren 60-tägigen Evaluation-Version lediglich das Erstellen von Flex-Mobile-Applikationen für Android. ActionScript-Applikationen können bereits für Android und iOS entwickelt werden. In Kürze soll aber auch die Flex-Mobile-Entwicklung für iOS und BlackBerrys PlayBook per Update nachgeliefert werden. Laut Adobe soll der Flash Builder in Zukunft auch noch weitere Plattformen wie Windows Phone 7 unterstützen.

Flex 4.5 fügt zur bestehenden Web und Desktop Component Library 21 weitere sogenannte mobile Spark-Komponenten hinzu, die speziell für den Einsatz auf Touchscreen-Geräten optimiert sind und sich an die Pixeldichte des Zielgeräts anpassen können. Weitere wichtige mobile Erweiterungen von Flex 4.5 sind Effekte für Scroll-Komponenten sowie Performance-Verbesserungen beim Scrollen und bei Transitions. Auch Standardkomponenten wie Button, CheckBox und TextInput werden mit einem optimierten Skin bereitgestellt, dessen Größe auf die Bedienung per Touchscreens angepasst ist.

Während unterschiedliche Auflösungen recht einfach mit den Dynamic-Layout-Komponenten von Flex abgedeckt werden können, ist gerade bei mobilen Geräten auch die Pixeldichte relevant, die angibt, wie viele Pixel pro Zoll das Display darstellt. Dies hat zur Folge, dass Komponenten abhängig von der Pixeldichte unterschiedlich groß dargestellt werden, was besonders bei Touchscreen-Displays zu Problemen bei der Bedienung mit den Fingern führen kann, wenn die Komponenten zu klein angezeigt werden. Man kann hierbei die Komponenten entweder automatisch von Flex skalieren lassen oder die Größenanpassung selber übernehmen. Bei Bitmaps hat man die Möglichkeit, diese für verschiedene Pixeldichten, nämlich 160, 240 und 320 dpi, zu hinterlegen.

Zugriff auf Device-APIs

Zusätzlich zu den mobilen Komponenten, die durch Flex bereitgestellt werden, hat man als Entwickler außerdem Zugriff auf alle APIs, die von AIR auf mobilen Endgeräten bereitgestellt werden. Hierdurch kann die Applikation beispielsweise auf die Geo-Location, den Beschleunigungssensor und die Kamera zugreifen. Wenn für die erforderliche API keine speziellen Flex-Komponenten verfügbar sind, kann man auch direkt per ActionScript auf die APIs zugreifen.

Abb. 1: Neben der Android-Plattform wird der Assistent für das „Flex Mobile Project“ in Kürze auch Apples iOS und das BlackBerry Tablet OS unterstützen.

Das Adobe Flex SDK 4.5 und der Flash Builder 4.5 decken den kompletten Workflow von der Entwicklung über das Packaging bis zur fertigen Applikation ab. Der Flash Builder stellt hierfür die beiden neuen Projekttypen ActionScript Mobile Project und Flex Mobile Project zur Verfügung. Außerdem wurde der Design Mode entsprechend den Anforderungen mobiler Projekte erweitert. Man kann jetzt in der Preview einfach zwischen verschiedenen Gerätebildschirmgrößen und Display-Orientierungen umschalten. Auch für das Debugging von Applikationen stellt der Flash Builder alle notwendigen Features bereit. Es kann entweder auf dem Desktop mithilfe des AIR Debug Launcher (ADL) erfolgen oder direkt auf einem physikalischen Gerät durchgeführt werden. Dies funktioniert bei Android-Geräten automatisiert entweder über WLAN oder USB-Tethering. Bei iOS benötigt man zunächst ein Provisioning Profile und Certificate von Apple und muss dann die Applikation manuell per iTunes auf das Gerät übertragen und starten.

Der auf Eclipse basierende Flash Builder, der auch in eine bestehende Eclipse-Installation eingebunden werden kann, läuft auf Windows und Mac OS und ist in einer Standard Edition für 228,69 Euro und einer Premium Edition für 627,99 Euro verfügbar.

Fazit

Adobe hat es geschafft, eine leistungsfähige Cross-Platform-Umgebung für die beiden wichtigsten mobilen Plattformen iOS und Android bereitzustellen. Außerdem werden mit dem BlackBerry PlayBook und möglicherweise Windows Phone in Zukunft zwei weitere Plattformen mit erheblichem Potenzial unterstützt. Adobe tritt hiermit direkt mit anderen Cross-Platform-Umgebungen wie Mobile Widgets und HTML5 in Konkurrenz. Als Entwickler spart man sich eine Menge Entwicklungsaufwand, da man nicht mehr für mehrere auf komplett verschiedenen Technologien basierende Plattformen entwickeln muss. Möchte man Applikationen und Inhalte vor allem für die aktuelle Palette der High-End-Smartphones und Tablets anbieten, dann kann Flex in Kombination mit AIR eine durchaus interessante Alternative zur nativen Entwicklung und auch zur Entwicklung von Mobile Widgets und Webapplikationen sein.

Kay Glahn ist unabhängiger Technologieberater mit den Schwerpunkten Mobile Applications und Services. Er berät internationale Kunden bei der Umsetzung von Projekten im Mobile-Bereich.
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Kay Glahn
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