Fernarbeit – Vorteile und Fallstricke, Tipps und Tricks

Michael Thomas

© Shutterstock.com/GaudiLab

Was kann Telearbeit leisten und was nicht? Die Belegschaft von Made Tech machte die Probe aufs Exempel und blieb dem Büro eine Woche lang geschlossen fern. Ihre Erkenntnis: Wie das meiste im Leben birgt die Fernarbeit ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile.

Telearbeit, Teleheimarbeit, Fernarbeit, Teleworking, Telecommuting, e-Work … all diese Begriffe bezeichnen im Grunde das selbe Modell: Der Arbeitnehmer erledigt zumindest einen Teil seiner Arbeit außerhalb der Räumlichkeiten seines Brötchengebers.

Wie der letztjährige Tech Salary Survey des Karriereportals Dice.com herausfinden konnte, spielt bei einem Arbeitsplatzwechsel häufig der Wunsch nach besseren Arbeitsbedingungen oder einem kürzeren Arbeitsweg eine nicht unbedeutende Rolle – beides Punkte, bei denen Fernarbeit hilfreich sein kann; viele große Unternehmen der IT-Welt bieten diese Arbeitsform wie selbstverständlich an (prominente Ausnahme: Yahoo, dessen Geschäftsführerin Marissa Mayer der Telearbeit 2013 kurzerhand eine umfassende Abfuhr erteilte).

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Ein weiterer, zentraler positiver Effekt, der der Telearbeit häufig zugesprochen wird, ist eine bessere Work-Life-Balance. Doch was ist insgesamt wirklich dran an den vielbeschworenen Vorteilen? Die Belegschaft von Made Tech machte geschlossen die Probe auf’s Exempel und verdonnerte sich selbst dazu, eine volle Woche komplett dem Büro fern zu bleiben. Ein aktueller Blogpost des Made-Tech-Mitarbeiters Scott Mason fasst die im Rahmen dieses Experiments gewonnenen Erkenntnisse zusammen:

Gesehen und gehört werden

Telearbeit erschwert die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht naturgemäß. Um ein Minimum an menschlichem Kontakt zu pflegen sowie den Überblick darüber zu behalten, wer mit was beschäftigt ist – sprich, den Status quo zu erfahren – empfiehlt Mason, zumindest einmal täglich, am besten zu Beginn des Arbeitstages, ein Treffen per Videochat abzuhalten.

Große Meetings funktionieren nicht

Die Made-Tech-Mitarbeiter nutzten sowohl Skype als auch Google Hangouts – mit wechselhaftem Erfolg. Skype eignet sich demnach für Gruppen mit 4 bis 5 Mitgliedern und konnte überzeugen, während die großen, unternehmensweiten Meetings via Google Hangouts auf keinerlei Gegenliebe stoßen konnten. Sobald mehr als zwei Leute redeten, war den Gesprächen aufgrund schlechter Audioqualität kaum zu folgen, weshalb Diskussionen nur äußerst schleppend vonstatten gingen.

Kenne deine Arbeitsplätze!

Möchte man ausschließlich von zu Hause aus arbeiten, kann dieser Punkt getrost ignoriert werden. Springt man jedoch von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz, der sich jeweils vielleicht sogar an öffentlichen Orten befindet, sollte man im Vorfeld Basics wie die Wi-Fi-Verbindung, verfügbare Steckdosen, den Geräuschpegel und das Vorhandensein von Ruhe- bzw. Rückzugsräumen abklären. Zu diesem Zweck empfiehlt Mason insbesondere die Nutzung der App Work Hard Anywhere (WHA!) .

Vorsicht vor explodierenden Kosten

In Deutschland sind Cafés, Bars und Co. zwar generell etwas toleranter, wenn man nicht jede halbe Stunde etwas neues bestellt – unendlich lange kann man sich jedoch auch hierzulande nicht einem einzigen Getränk festhalten. Arbeitet man täglich außer Haus, können sich entsprechende Rechnungen schnell zu einem nicht unerheblichen Kostenfaktor entwickeln.

Bibliotheken sind dein Freund

Die fast schon sprichwörtliche, in Bibliotheken herrschende Ruhe kommt potentiell jedem Telearbeiter zupass – so lange er sich still verhält. Die Kommunikation per Voice-Chat verbietet sich somit logischerweise, weshalb man sich erst nach dem empfohlenen morgendlichen Meeting dorthin auf die Socken machen sollte. Ein weiterer, von Mason angeführter Vorteil: Die kathedralenhafte, ablenkungsfreie Atmosphäre verdammt einen geradezu zur Produktivität.

Fernarbeit ≠ Arbeit von zu Hause aus

So bequem die Arbeit von zu Hause aus ist: Sie führt mitunter dazu, dass kein klarer Cut zwischen Arbeit und Feierabend besteht. So kann man dazu verführt werden, deutlich länger zu arbeiten als man eigentlich will oder sollte (beispielsweise, weil man sich nur noch schwer aus dem „Arbeitsmodus“ lösen kann oder sich aufgrund des Zeitgewinns durch den fehlenden Arbeitsweg ein vielleicht zu gemächliches Arbeitstempo angewöhnt). So oder so: Beides widerspricht eigentlich einem der Hauptziele der Fernarbeit: der besseren Work-Life-Balance.

Bitte anziehen!

Schon allein, um beim morgendlichen Videomeeting nicht allzu unangenehm aufzufallen, sollte man sich zumindest so ähnlich wie für den normalen Arbeitsalltag kleiden. Ein besonders für diesen Punkt sprechender Umstand ist Mason zufolge jedoch auch, das man sich zumindest ein kleines „Alltagsritual“ erhält – das beispielsweise helfen kann, die weiter oben genannte Unterscheidung zwischen Arbeit und Feierabend aufrecht zu erhalten.

Nicht jeder will Fernarbeit

So großartig manche Menschen die Telearbeit finden: Manch anderen liegt sie schlichtweg nicht. Ein Umstand, den man nicht unter den Tisch fallen lassen sollte. Denn, so Mason: Im Grunde geht es bei der Fernarbeit darum, die Arbeitsumgebung zu finden, in der man sich am wohlsten fühlt und am produktivsten arbeitet – und für viele ist das nun einmal das Büro.

Aufmacherbild: young woman working on laptop computer while sitting in modern cafe bar interior von shutterstock.com / Urheberrecht: GaudiLab

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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