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Fazit von der DockerCon 2015: “Alles spricht für einen Umbruch in der IT”

Peter Roßbach

Mit dem gestrigen „Feldbericht“ ist noch lange nicht alles erzählt, was die diesjährige DockerCon in San Francisco zu bieten hatte. Peter Roßbach hat in seinem Notizbuch geblättert und einige weitere Highlights herausgepickt.

OPC, Docker 1.7, Updates für Swarm, Machine und Compose, runC … abgesehen von diesen Knüllern warteten im proppenvollen Marriott Marquis noch weitere großartige Neuigkeiten sowie spannende Sessions und Demos auf die angereisten Container-Freunde.

Projekt Orca

So stellten Scott Johnston (VP of Product Management) und Etan Hazlett („chief hacker“) von Docker im Rahmen der General Session die Vision eines top-to-bottom-integrierten Stack vor, der alle Tools und das Plumbing umfasst: Projekt Orca. Die von Hazlett vorgeführte Demo zeigte eine vollständige Management-Konsole für Docker: Abgesehen von rollenbasierten Zugriffskontrollen und Logging /Auditing-Funktionalität stellt Orca Listen der Images auf allen Knoten bereit, die sogar zeigen, was sich innerhalb der Images befindet (z. B. Layer).

Durch eine Integration in Docker Swarm kann Orca zudem die Knoten innerhalb eines Swarm-Clusters anzeigen und verwalten. Wie Hazlett demonstrierte, können die Images innerhalb eines Clusters angezeigt werden; das Pullen und Pushen von Images über den gesamten Swarm-Cluster hinweg ist ebenfalls möglich. Auch die von den Containern genutzten Images und die Details laufender Container (wie genutzte Ressourcen) werden angezeigt.

Orca führt zudem das Konzept der „Stacks“ ein, die in vielerlei Hinsicht, z. B. beim Deployment, einer Docker Compose-Konfiguration entsprechen. Abgesehen von Anwendungs- bzw. Stack-spezifischen Metriken verleiht Orca auch die Fähigkeit, die Anzahl der mit einem Stack verbundenen Container zu skalieren.

Wer Interesse an der weiteren Entwicklung von Orca hat, kann sich auf der Projektseite registrieren.

US-Regierung setzt auf Docker

Wie die Session „How to Build a Secure DevOps Environment for Government and Beyond“ von Nirmal Mehta (Senior Lead Technologist beim Consulting-Unternehmen Booz Allen Hamilton) zeigte, interessieren sich mittlerweile auch Regierungen für Docker. Denn obwohl, wie Metha seinen Vortrag scherzhaft einleitete, Washington DC seine Monolithe liebt – eine Anspielung auf das berühmte Washington Monument – setzt die amerikanische Regierung jetzt auf Docker und Microservices.

Die U.S. General Services Administration (GSA), eine unabhängige Behörde der US-Bundesregierung, die andere Behörden u. a. durch Bereitstellung von Produkten, Kommunikation und Infrastruktur unterstützt, baut demnach auf die Expertise von Mehtas Arbeitgeber, um ihre Cloud-First- und Open-Source-First-Richtlinien umzusetzen. Das GSA wünscht sich in Zukunft offenbar ein Deployment in Minuten statt Wochen und ist einer der ersten Kunden von Docker Registry, Dockers kommerziellem Produkt für die Speicherung und Verteilung von Docker-Images.

Der Plan sieht zunächst einmal eine Verbesserung des Kundendienstes vor (wobei die „Kunden“ alle Bürger der USA sind), zielt aber auch auf eine reduzierte Time-to-Market, eine Senkung der Kosten (aka Steuergelder) und einen höheren Sicherheitsstandard ab.

Mehr beeindruckende Demos

Zeit für weitere Demos! Dieter Reuter von Hypriot zeigte live, dass 100 HTTP-Server auf einen Raspberry Pi mit ihren Images deployed werden können. „Leichtgewichtige Virtualisierung“ ist da fast schon untertrieben – Cool!

Beeindruckend war auch die runC-Demo von Michael Crosby und Arnuad Porteri, die eine Life-Migration von Linux-Containern zwischen verschiedenen Regionen der Welt am Beispiel des Shooters Quake zum Inhalt hatte. Das Spiel wurde von Singapur aus über London bis nach New York migriert – und wieder zurück. Nach insgesamt nur wenigen Sekunden Unterbrechung ging es weiter und die Latenzen der Spieler verbesserten sich. Quake im Container … Nice!

DockerCon2015_Quake2

Fazit

Disney, die US-Regierung, IBM, General Electric … es ist überwältigend zu sehen, in welchen Bereichen Docker bereits in der Produktion eingesetzt wird. Das Docker-Ökosystem wächst derweil immer weiter und bereitet sich umfassend auf den produktiven Einsatz vor. Die Kooperation von Entwicklern und Administratoren wird beim Erfolg dieser Mission eine Schlüsselstellung einnehmen. Die Herausforderung, die komplexe verteilte Systeme darstellen, wird uns auf eine harte Probe stellen. Die inspirierende Geisteshaltung der Docker-Community wird bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben wahrscheinlich auch eine große Rolle spielen. Insgesamt zeigt sich für mich eines deutlich: Alles spricht für einen Umbruch in der IT!

Ach ja: Wer noch nicht genug von Docker und seinem Container-Ökosystem hat, beziehungsweise den Rummel einmal live erleben möchte, hat schon bald wieder Gelegenheit dazu: Die DockerCon Europe findet vom 16. bis 17. November dieses Jahres in Barcelona statt.

DockerCon2015_DockerConEurope

Geschrieben von
Peter Roßbach
Peter Roßbach
Peter Roßbach ist ein Infracoder, Systemarchitekt und Berater vieler Websysteme. Sein besonderes Interesse gilt dem Design und der Entwicklung von komplexen Infrastrukturen. Er ist Apache Tomcat Committer und Apache Member. Mit der bee42 solutions gmbh realisiert er Infrastrukturprodukte und bietet Schulungen auf der Grundlage des Docker-Ökosystems, aktuellen Webtechnologien, NoSQL-Datenbanken und Cloud-Plattformen an.
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