MySQL-Datenbank Cluster: hochverfügbar und kostengünstig

Fast hundertprozentig

Armin Röhrl und Stefan Schmiedl

Auf massiven Kundenwunsch hin springt MySQL auf den Cluster-Zug auf. Grundlage ist ein hochverfügbares DBMS, das für die Telekommunikationsbranche entwickelt worden ist. Der schwedische ISP und VoIP-Anbieter B2 setzt bereits heute einen MySQL-Cluster ein.

Für MySQL gibt es seit kurzem eine Clusterlösung, bei der die Datenbank auf mehrere, untereinander vernetzte Server redundant verteilt wird. Beim Ausfall eines Knotens springt automatisch ein Ersatzserver ein, sodass eine Verfügbarkeit von 99,999 Prozent (sechs Minuten pro Jahr) realistisch wird.Zudem können bestimmte Abfragetypen noch schneller als bisher beantwortet werden. MySQL hat die Technologie mit bis zu 48 Nodes getestet und spricht von Antwortzeiten von fünf bis zehn Millisekunden und einem Durchsatz von rund 100.000 replizierten Transaktionen pro Sekunde auf einem Cluster aus vier Nodes mit je zwei Prozessoren.Während früher nur eine relativ teure Lösung von EMICnetworks [7] vorhanden war, steht der Cluster, wie von MySQL gewohnt, unter einer dualen Lizenz: GPL-Projekte können MySQL Cluster kostenlos einsetzen, für kommerzielle Software-Hersteller stehen normale Bezahl-Lizenzen zur Verfügung, deren Preise aber da aufhören, wo andere noch lange nicht anfangen.

Der schwedische Breitband-Anbieter B2 (150.000 LAN- und DSL-Kunden und 50.000 VoIP-Kunden) setzt einen MySQL-Cluster ein. Wir haben mit Malin Sjöstrand, der Managerin der Netzwerkabteilung von B2 [8], gesprochen, deren Team den eingesetzten MySQL Cluster designt und implementiert hat.Linux Enterprise: Welche Hardware setzen Sie ein?Malin Sjöstrand: Es ist ein Vier-Node-Cluster bestehend aus Compaq DL380G3 2,4GHZ Dual CPUs, mit je 4 GB RAM.LE: Wieviele Transaktionen/Sekunde erreichen Sie damit?Sjöstrand: Momemtan hat unser System 8.000 Transaktionen/Sekunde im Produktionsbetrieb, aber es könnte wahrscheinlich sehr viel mehr verkraften.LE: Was für eine Anwendung läuft auf MySQL Cluster?Sjöstrand: Es ist ein integriertes System, das sich um Service-Provisioning/Aktivierung und IP-Adressen-Management (DHCP) kümmert.LE: Welche Lösung setzten sie vor MySQL Cluster ein?Sjöstrand: Wir verwendeten das ganz normale Standard-MySQL.LE: Was waren die Anfangsprobleme?Sjöstrand: Es gab viele Kinderkrankheiten und nicht alle notwendigen Funktionen waren implementiert. Bei der Unterstützung des notwendigen Fiber-Channel-Interfaces gab es weitere Probleme.LE: Welche Probleme sind noch aktuell?Sjöstrand: Wir können keine MySQL-JDBC-Treiber einsetzen und wir setzen immer noch ein Alpha-Release ein.LE: Haben Sie bei der ursprünglichen Planung an Alternativen wie z.B. DB2 Stinger von IBM oder Oracle 10g gedacht?Sjöstrand: Nein, Oracle würde nie unseren Performanzansprüchen genügen. Die einzige Alternative war TimesTen [9].LE: Wir danken für das Gespräch und einen schönen Gruß nach Schweden.

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Armin Röhrl und Stefan Schmiedl
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