Agilität - Die häufigsten Missverständnisse, Teil 5

Falsch: Um Agilität einzuführen ist ein umfangreiches Veränderungs-Management notwendig

Niklas Schlimm

Ein neuer weit verbreiteter Irrtum: Muss man für Agilität ein groß angelegtes Veränderungsmanagement durchführen? Hier gibt es aus meiner Sicht zwei Denkphilosophien. Die eine Seite sagt, dass agile Verfahren wie z.B. Scrum einen „Big Change Up Front“ benötigen. Andere wehren sich gegen diese Vorgehensweise, weil sie ihrer Meinung nach zu viele Risiken mit sich bringt.

Mit folgender These von Ron Jeffries lässt sich Freundschaft schließen:

[…] big change up front or itty-bitty change up front isn’t the most important thing to me. Choosing the best moves we can manage, every day, that’s what I’m talking about.

Das trifft es ziemlich genau. Bleibt nur noch die Frage, welches die „besten Moves“ sind. Es bringt wenig, sich dabei einer bestimmten agilen Vorgehensweise zu verschreiben, ohne zu berücksichtigen, was wirklich notwendig für die Organisation und deren Individuen ist.

Allan Shalloway sagt:

We assume that the change here […] is the correct thing to do without understanding the nature of our true challenge.

Ron Jeffries sagt zu dem Thema „Auswahl der richtigen agilen Methode oder Technik“:

There probably is no best process for everyone. But the best start, for everyone, is probably to decide to improve, pick a way to start improving, and not to stop.

Daraus können folgende Thesen abgeleitet werden:

  • Es macht keinen Sinn, sich einer agilen Methode zu verschreiben, ohne vorher genau die Natur der eigenen Organisation zu betrachten.
  • Zu Beginn einer „agilen Transition“ muss man sich im Team erstmal entscheiden, dass man sich verbessern will, und dass man nicht aufhören will, sich zu verbessern.
  • Das Team soll eigenständig entscheiden, welche agilen Techniken zu einer Verbesserung des aktuellen Entwicklungsprozesses führen.

In diesem Sinne macht es wahrscheinlich auch keinen Sinn, ein Pilotprojekt mit einer festgelegten Methode zu starten. Denn dann hat man nicht in die eigentlichen Probleme der Organisation geschaut, und man hat nicht das Team entscheiden lassen, welche Techniken den aktuellen Entwicklungsprozess wirklich verbessern. Stattdessen wird einfach eine komplett neue Technik angewandt, und damit wird gesagt: Alles, was Ihr bislang gemacht habt, ist nicht gut. Aber auch, wenn im Pilotprojekt alle die neue Vorgehensweise super finden und der Pilot erfolgreich wird, bleibt die Frage: Waren in dem Pilotprojekt vielleicht nur Mitarbeiter vom Typ Y – also überdurchschnittlich hoch motivierte?

Geschrieben von
Niklas Schlimm
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