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Vorsicht im Berufsalltag

Fallstricke und No-Gos für IT-Freelancer

Gerd Schorn

(c) Shutterstock/chrupka 

Beim Umgang mit Kunden sind Freelancer mit jeder Menge Stolperfallen konfrontiert, sowohl rechtlich als auch zwischenmenschlich. Eigentlich sorgt ein Vertrag für Klarheit in allen wichtigen Punkten. Was diese jedoch im Einzelnen alles bedeuten können, ist vielen Freelancern nicht immer völlig klar. Hier sind einige Grundregeln, die jeder erfolgreiche Freelancer einhalten sollte.

Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht – Vorsicht beim Lebenslauf

Die Verschwiegenheitspflicht ist Grundlage der meisten Verträge zwischen Freelancern und Unternehmen. Doch wie weit diese geht, ist den wenigsten Freiberuflern tatsächlich bewusst. Schon beim eigenen Lebenslauf können hier die ersten Probleme auftauchen. Ein mir bekannter IT-Freelancer machte beispielsweise in seinem Lebenslauf Angaben zu seinem letzten Projekteinsatz und nannte auch den Namen der Firma, für die er das Projekt umgesetzt hatte. Bis hierhin ist auch noch alles in Ordnung. Dann jedoch beschrieb er sehr detailliert, unter Angabe interner Projektbezeichnungen, den Inhalt des Projektes. Der informierte Leser konnte dadurch Rückschlüsse auf Produktentwicklungen ziehen, die von der Auftrag gebenden Firma als streng vertraulich behandelt wurden. Hier müssen IT-Freelancer also vorsichtig sein: Zu viele Details im Lebenslauf können bereits als Vertragsbruch angesehen werden.

Auch für private Unterhaltungen gilt die Schweigepflicht

Ähnliches gilt bei der privaten Kommunikation in Chats oder Themenforen. Auch hier kann ich über ein praktisches Beispiel berichten. Ein freiberuflicher Ingenieur chattete im Internet mit Gleichgesinnten über die neuesten Entwicklungen im Elektronikbereich. Dabei nannte er ohne böse Absicht interne Informationen über Entwicklungsprojekte bei seinem aktuellen Kunden. Unglücklicherweise fand der Kunde diesen Schriftwechsel, als er im Internet über Informationen zu seinem Unternehmen und den neuesten Produkten recherchierte. Die Folge war, dass der Ingenieur sofort aus dem Projekteinsatz entlassen wurde. Das einzige Trostpflaster war in diesem Moment, dass er nicht auch noch mit Schadensersatzforderungen konfrontiert wurde.

Genutzte Software vom Auftraggeber absegnen lassen

Neben der Verschwiegenheitspflicht kann auch der Einsatz nicht genehmigter Software für den IT-Freelancer schnell problematisch werden. Bei einer großen Frankfurter Bank wurde beispielsweise eines Tages Alarm im Rechenzentrum ausgelöst, weil ein Hackertool aufgespürt worden war. Es stellte sich heraus, dass ein freiberuflicher IT-Spezialist das Tool ohne böse Absicht zur Arbeitserleichterung eingesetzt hatte. Nichtsdestotrotz musste er das Gebäude und auch das Projekt sofort verlassen.

Es ist also ratsam, im Vorfeld abzuklären, welche Software durch einen Auftraggeber abgesegnet ist, bevor man durch ein kleines Detail den Auftrag und möglichweise auch den eigenen Ruf aufs Spiel setzt.

Kundenzeit vs. private Zeit

Ein Detail, mit dem jeder Freiberufler vertraut ist, ist die Zeiterfassung. Gerade IT-Freelancer haben oft lange Projekteinsätze in anderen Städten und sind darauf angewiesen, über Smartphone und Laptop zu kommunizieren, wobei die Arbeitszeit für den Kunden und die privaten Dinge oftmals fließend ineinander übergehen. Der Kunde zahlt jedoch ungern für private Konversationen über WhatsApp oder die Akquise neuer Aufträge. Hier müssen Freelancer besonders darauf achten, dass sie diese Aktivitäten trennen. Freelancer sind zwar grundsätzlich ihr eigener Herr und nicht an direkte Weisungen des Endkunden gebunden, jedoch sollten sie unbedingt jeden Verdacht vermeiden, dass sie während der Zeit, die sie dem Kunden in Rechnung stellen, private Dinge erledigen.
Dafür sollten sie Pausenzeiten nutzen und sich, wenn möglich, in Ruhezonen zurückziehen. Damit signalisieren sie eine professionelle Trennung zwischen Kunden- und privater Zeit.

Beraten, nicht belehren

Dieses gewisse Gespür für den Kunden zieht sich noch weiter in das Tagesgeschäft hinein. Als Freelancer hat man oft auch eine Funktion als Berater. Natürlich kennt man sich in seinem speziellen IT-Bereich hervorragend aus, und meistens wird es den anderen Projektbeteiligten, bis hin zur Chefetage, nicht so gehen. Es ist ratsam, Mitstreitern gegenüber professionell zu bleiben und Zusammenhänge sowie Gründe für dieses oder jenes Vorgehen zu erklären. Tritt man als Besserwisser auf oder behandelt man Mitarbeiter von oben herab, wird es erstens sehr schwer, im Team zu arbeiten, und zweitens verzögern sich so unnötig Projektprozesse. Außerdem wird man so womöglich keine Empfehlung für einen nächsten Auftrag bekommen. Anstatt also mit einer „Messias-Attitüde“ aufzutreten, sollte man darauf achten, die Mitarbeiter des Kunden „mit ins Boot“ zu holen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Mit ein wenig diplomatischem Geschick geht die Arbeit schneller und vor allem angenehmer von der Hand.

IT-Freelancer, die diese Punkte beachten, machen sich bei ihren Auftraggebern beliebt und sichern sich schnell das nächste Projekt, ohne zwischenmenschliche Komplikationen befürchten zu müssen.

Aufmacherbild: word tips on colorful wooden cubes von Shutterstock / Urheberrecht: chrupka 

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Geschrieben von
Gerd Schorn
Gerd Schorn
Gerd Schorn ist Geschäftsführer des Personaldienstleisters provativ, der sich auf die Vermittlung erfahrener, freiberuflicher IT-Experten in Projektarbeit spezialisiert hat. Der Pool von provativ umfasst über 35.000 IT-Freiberufler und Spezialisten mit langjähriger Berufs- und Branchenerfahrung. provativ ist ein Tochterunternehmen der univativ-Gruppe und bundesweit an drei Standorten vertreten. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.provativ.de
Kommentare
  1. Olaf Barheine2015-11-27 20:08:37

    Oh ja, da hatte ich auch bereits einige Profile sehr auskunftsfreudiger Freelancer in den Händen. Etwa das eines Freelancers, der für einen Haushaltsgerätehersteller tätig war. Daraus gingen so ziemlich alle technischen Details zur verbauten Hardware und eingesetzten Softwarekomponenten des neuen Produkts hervor. Die Wettbewerber dürften solche Details auch brennend interessieren!

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