Vier Experten diskutieren Gegenwart und Zukunft der Container-Technologie

Experten-Check “Container 2.0”: Wo sind Container am nützlichsten?

Hartmut Schlosser

(c) Shutterstock / SMSka

Container-Technologien revolutionieren die Art und Weise, wie moderne Software entwickelt und betrieben wird. In einem Themen-Dossier gehen wir der Frage nach, wie die nächste Stufe der Container-Revolution aussehen könnte.

Present and Future of Containers

DevOpsCon Logo schwarzAuf der DevOpsCon 2016 (5. bis 8. Dezember in München) wird es ein Expertenpanel geben, in dem die bisherigen Erkenntnisse und Best Practices beim Einsatz von Container-Technologien auf den Punkt gebracht werden. Doch wie geht es von hier aus weiter?

Zur Einstimmung und Vorbereitung auf das Panel diskutieren Sprecher der DevOpsCon hier im JAXenter-Dossier:

Wohin führen uns die Container, was fehlt noch für den breitflächigen Einsatz, wie könnte eine Container-2.0-Welt aussehen?

DevOps Docker Camp 2017

Das neue DevOps Docker Camp – mit Erkan Yanar

Lernen Sie die Konzepte von Docker und die darauf aufbauende Infrastrukturen umfassend kennen. Bauen Sie Schritt für Schritt eine eigene Infrastruktur für und mit Docker auf!

Haben wir uns in Teil 1 des Experten-Checks mit signifikanten Container-Initiativen der Gegenwart und den Anforderungen an eine Container-2.0-Welt beschäftigt, geht es dieses Mal um den schnellen Einstieg und konkreten Nutzen von Docker & Co. in Projekten.

An welcher Stelle sind Container-Technologien am nützlichsten?

Die Container-Experten

johannes_unterstein

Johannes Unterstein – Leiter JUG Kassel und Distributed Applications Engineer bei Mesosphere.

stropek_rainer_300x210

Rainer Stropek – Gründer der software architects GmbH und MVP für die Windows-Azure-Plattform

roland_huss

Roland Huß – Principal Software Engineer bei Red Hat. Entwickler des fabric8io/docker-maven-plugins.

Philipp Garbe

Philipp Garbe – Docker Captain und Lead Software Developer bei AutoScout24.

Roland Huß: Container-Technologien vereinfachen nachhaltig und substantiell den Übergang einer Applikation von der Entwicklung zum Produktionsbetrieb. So ähnlich wie die Einführung des Containers in der physischen Welt den Gütertransport revolutioniert hat, so hat Docker durch die Einführung eines fixen Containerformates den Anwendungsbetrieb standardisiert: Entwickler befüllen Container, die unabhängig vom Inhalt in einer standardisierten Form betrieben werden. Die dadurch erreichte Prozessvereinfachung bedeutet einen enormen Schub in vielen Projektparametern wie Kosten, Entwicklungszeit oder auch Stabilität. Genau dies ist in meinen Augen der wertvollste Beitrag von Containertechnologien, ganz unabhängig von den technischen Vorzügen.

Rainer Stropek: Als Softwareentwickler schätze ich die Möglichkeit, Entwicklungstools und -Server wie beispielsweise Compiler, Paketmanager, Buildserver oder Quellcodeanalysewerkzeuge in Containern laufen zu lassen. Erstens erspare ich mir dadurch die lokale Installation auf meinem Entwicklungsrechner. Zweitens muss ich wenig manuell installieren. Ich hole mir einfach fertige Images aus dem Docker Hub, verwende diese direkt oder baue mit eigenen Dockerfiles darauf auf.

Container erleichtern meinen Alltag enorm.

Johannes Unterstein: Container sind ein zentraler Bestandteil meiner täglichen Arbeit und erleichtern meinen Alltag enorm. Sei es, um CI Jobs laufen zu lassen, Teile der Anwendung in verschiedenen Umgebungen (dev, qa, prod) zu starten, oder Container einfach auf Docker Hub zu teilen. Weiterhin arbeite ich an Marathon, dem Container­-Scheduling­-System von DC/OS und beschäftige mich daher den Großteil meines Tages mit der Orchestrierung von Containern.

Philipp Garbe: Der größte Vorteil für mich ist das schnelles Feedback. Ich kann lokal prüfen, ob meine Anwendung funktioniert, bevor ich meine Änderungen committe. Integration Tests können bereits auf dem Build-Agent stattfinden, und damit minimiere ich das Risiko bei einem Deployment. Letztendlich hilft es mir, meine Anwendung schneller und sicherer zu deployen.

Hast du einen Tipp, wie sich Einsteiger am besten dem Thema Container nähern können?

Johannes Unterstein: Ein guter Einstieg ist, sein aktuelles Projekt in Container zu verpacken und einfach zu schauen, was passiert. Ich habe in der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht, wenn man sich die Abhängigkeiten seiner aktuellen Installation in Form eines Dockerfiles verdeutlicht, um sie zu dokumentieren und vielleicht herauszufinden, wie und ob man seine Komponenten der Anwendung sinnvoll aufteilen könnte.

Rainer Stropek: Es gibt eine Menge wirklich guten Einsteiger-Content. Ich selbst habe einige Videos auf Channel9 erstellt und Blogartikel geschrieben. Darüber hinaus gibt es auch richtig gute Bücher für Einsteiger. Jemand, der einsteigen möchte, findet mit ein paar Suchanfragen im Internet alles, was man für den erfolgreichen Start mit Containern braucht.

Roland Huß: Das größte Aha-Erlebnis hat man sicher, wenn man sich Docker z.B. in Form der Docker Toolbox einfach mal herunterlädt und direkt selbst ausprobiert. Wenn man dann noch ein, zwei zusätzliche Tage investiert, dann ist man schon sehr gut gerüstet.

Philipp Garbe: Am besten einfach selber ausprobieren. Tools wie Docker for Mac / Windows erleichtern den Einstieg, da sie schnell installiert sind und es einem leicht machen, Container lokal zu starten. Ein guter Anlaufpunkt sind auch die Docker Labs.

Quote Zone

Für die Umsetzung von DevOps sind Container nützlich, weil …

­…es die Wege kürzer macht, eine gemeinsame Sprache schafft und in einer Microservicewelt wesentlich dabei hilft, unterschiedlichste Technologiestacks ohne Spezialwissen zu betreiben. Roland Huß

­…sie Deployments vereinfachen und Deployables portierbar machen. Johannes Unterstein

­

­…das Artifakt, das Deployment und die Integration in die Umgebung vereinheitlicht wird und somit die Schnittstelle eindeutig ist. Dadurch kann lokal produktionsnah entwickelt werden. Philipp Garbe

­

­…Container helfen, die Kluft zwischen Dev und Ops zu überwinden und eine effiziente Zusammenarbeit erst möglich machen. Rainer Stropek

Ohne Container wären wir immer noch… ­

…vielleicht recht glücklich. Ganz ehrlich, Container sind keine „silver bullet“, die es ja bekanntermaßen in der IT gar nicht geben kann. Es gibt immer noch zahlreiche Szenarien, insbesondere in kleineren IT-Landschaften, in denen sich die konsequente Einführung einer Containerplattform mit dem damit verbundenen Lernaufwand nicht unbedingt rechnet. Diese Kosten werden mit der immer weiteren Verbreitung des Container Know-Hows und der Konvergenz der Technologie jedoch im Laufe der Zeit immer weiter sinken. Roland Huß

­…mit der Installation von Servern und VM beschäftigt, um Applikationen zu deployen, und mit dem Beheben von Fehlern, die durch unterschiedliche Environments verursacht wurden. Philipp Garbe

­

­…dabei, Zeit mit dem Installieren und Konfigurieren von Servern und Tools zu verschwenden. Rainer Stropek

­

­…im Jahr 2016 ;­) Johannes Unterstein

­

An aktuellen Container-­Technologien fehlt mir noch am meisten …

­…ein allgemein akzeptierter und offener Standard des Containerformates, betreut von einem unabhängigen Gremium.  Roland Huß

­

­…dass es wenig Einflussmöglichkeiten gibt, was beim Deployment einer Anwendung passieren soll, z.B. Canary Releases oder auch der Umgang mit stateful Containern. Philipp Garbe

­

…­der zuverlässige Umgang mit Persistenz und Big­-Data­-Technologien. Johannes Unterstein

­

­…dass es zu wenige fertige PaaS-Cloud-Lösungen gibt, die auf Docker-Containern aufbauen. Rainer Stropek

Rethink-IT-Survey-300x180Container – Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus?
Continuous Delivery, Microservices, Container, Cloud und eine agile Unternehmenskultur machen die moderne DevOps-Bewegung aus. Doch wie sieht es in Unternehmen in diesen Bereichen wirklich aus?

Umfrage: Rethink IT

In unserer großen Umfrage zur DevOps-Kultur haben Sie die Gelegenheit klarzustellen, ob und wie DevOps in Ihrem Unternehmen umgesetzt wird. Machen Sie mit!

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.