Excellence und Innovation in den schönen Rheinsälen: JAX Finance Day

Hartmut Schlosser

Der JAX Finance Day logierte am Dienstag in den Rheinsälen. Nicht, weil es parallele Sessions gegeben hätte, sondern die beiden Säle waren zusammengelegt zu einem großen Saal – und das war gut so, denn bei zwei Vorträgen reichte der Platz auch so kaum aus. Die Rheinsäle sind sehr schön und modern, nur ist der Weg dorthin auch sehr lang. Eigentlich ist das schon „Hilton“ und nicht mehr Rheingoldhalle – der Blick auf den Rhein ist jedenfalls grandios.

Inhaltlich gliederten sich die Beiträge klar in Vertreter von Excellence (bessere Lösungen bekannter Aufgaben) und Innovation (ganz neue Aufgaben). Gleich morgens gab es großes Interesse für Bernd Rücker und Nils Preusker, die leichtgewichtiges BPM vorstellten. „BPM ist für mich der Business Case, SOA das Werkzeug“ meinte Bernd. Es gab Hardcore Hands On: Activity und Camel liefen in Karaf als OSGI-Container. „Activity macht dann Sinn, wenn man wirklich fachliches BPM macht, also langlaufende Prozesse hat und Services orchestriert.“ so Nils. „Camel als EAI-Tool kann einem dann helfen, die eher technisch bedingten Zwischenschritte aus BPMN herauszuhalten. Dann bleibt der Fachprozess lesbarer.“

Als Beispielprozess hatte der erste Vortrag sich die „Kontoeröffnung mit PostIdent“ vorgenommen und dieses Beispiel exzellent gelöst. Im zweiten Vortrag ging Chris Grieger die gleiche Fragestellung aus innovativer Sicht an: „Kontoeröffnung ohne PostIdent – mit dem neuen Personalausweis“. Im Kern stellte Chris die unterschiedlichen Architekturen vor, wie der neue Personalausweis in die Website integriert werden kann. SAML oder SOAP? Offizielle AusweisApp, eigene App mit eigenem Branding oder gleich ein Applet? Was in den technischen Folien noch abstrakt klang, wurde in der Live-Demo greifbar: „Hey, das sieht ja aus wie Phishing! Geht das nicht anders?“ Ja, es geht, aber alle Alternativen haben Vor- und Nachteile. Obwohl der neue Personalausweis mit der Möglichkeit zur elektronischen Identifikation schon fast anderthalb Jahre alt ist, gab es auch noch viele grundlegende Fragen. Chris war vorbereitet und holte die Zuhörer mit einem Einführungsteil ab.

Sein Fazit:

Die Nutzung des nPA ist heute einfacher, als die meisten denken – was nicht heißt, dass man keine Architekturentscheidungen treffen müsste. Im Gegenteil, das Endergebnis unterscheidet sich heftig je nach gewählter Lösung!

Mitten zwischen den Vorträgen gab es dann ein neues Format: Eine interaktive Session zu „Wie muss Banking für die Digital Natives aussehen?“ In den vier Jahren, die es den Finance Day nun gibt, hatten wir immer einen Beitrag zu „Banking 2.0“ oder „Social Banking“ – und bei dem Thema bot es sich einfach an, diesmal wirklich eine Mitmachsession daraus zu machen. Der Ansatz kam gut an, alle Teilnehmer fanden eine Mischung aus einleitendem Kurzvortrag und anschließendem gemeinsamem Austausch gut und würden so etwas wieder besuchen. Und es hat sich gelohnt: Die Workshop-Ergebnisse beleuchten die Fragestellung nämlich wirklich von einer neuen Seite, die in den einschlägigen Blogs so noch nicht thematisiert wurde. Das war auch für mich als Moderator überraschend und ein toller Aha-Effekt. Die wichtigsten Punkte: Banken sollten sich den Open-Source-Gedanken als Vorbild nehmen: Offenheit, Standards, Integrierbarkeit und daraus resultierendes Vertrauen in die Sicherheit. Dadurch würden Finanzaspekte auch von Web-Startups viel besser in deren Plattformen integrierbar. Und: Digital Natives erwarten tollen Service. Auch online. Nicht nur „Service gibt’s in der Filiale, das Online-Banking ist zum Kostensparen da.“ Aus diesem Ansatz lässt sich noch ´ne Menge machen.

Danach ging´s wieder von der Innovation zur Exzellenz in Form des Softwarearchitektur-Vortrags zur „LMAX-Architektur“. LMAX ist eine Handelsplattform, die maximalen Durchsatz anstrebt und deshalb viel Aufwand in das Design von Concurrency gesteckt hat. Praktischerweise haben sie ihr Framework auch bei Google Code veröffentlicht. So wurde Stephan Schmidt darauf aufmerksam, testete es selbst und stellte es schließlich auf dem JAX Finance Day vor. Von den Prinzipien bis zu den Code-Beispielen wurde das nicht ganz einfache Thema anschaulich dargestellt. Auch wenn Stephan Schmidt nicht alle Fragen zu den Details des Frameworks beantworten konnte: Die Teilnehmer haben eine neue Architektur zur Parallelisierung kennengelernt und können sie jetzt einschätzen.

Zum Schluss kam auch noch das JAX-Videoteam vorbei, um den Vortrag zu „NFC Shopping“ aufzunehmen. (Den gibt es also demnächst noch live auf JAXenter.) Sven Haiges zeigte in einem tollen Vortrag, wie NFC mit Android und den (bisher wenigen) NFC-fähigen Smartphones funktioniert. NFC kann man vereinfacht als RFID auf Kurzdistanz bezeichnen. Neben dem Mega-Thema „Mobile Payment“ lassen sich damit auch andere Szenarien umsetzen, ähnlich zu QR-Codes. Dabei kann NFC mehr als nur eine URL übermitteln: Es kann zu einer App im Store leiten, es kann eine installierte App starten und ihr Daten geben, und man kann auch „beamen“ – also Peer-toPeer-Verbindungen zwischen zwei Smartphones herstellen.

Alles in allem ein gelungener Tag mit vielen Teilnehmern, abwechslungsreichen Themen in den schönen Rheinsälen gaaaaanz am Ende des Ganges. Fortsetzung folgt auf der W-JAX 2012 – und natürlich online auf JAXenter und in der XING-Gruppe des JAX Finance Day.

Ich freue mich schon auf alle, die wieder dabei sein wollen,

Elmar Borgmeier, Moderator JAX FInance Day.

Elmar Borgmeier, Technologie-Vorstand der syngenio AG, ist seit neun Jahren als Projektleiter und Berater aktiv. Seine Themenschwerpunkte sind Agiles QM sowie SOA-Beratung.

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Hartmut Schlosser
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